Klaus Schmidt darf vor Publikum singen.
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Klaus Schmidt darf vor Publikum singen.

Ab in die Mitte Bad Camberg

Das erste Baumackerfest

  • vonPetra Hackert
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Die Weinprobe im Freien mit Live-Musik unter Pandemie-Bedingungen kam sehr gut an80 Menschen durften kommen, maximal. Begrenzte Anzahl, begrenzte Bewegungsfreiheit, Abstand - dennoch wagte "Wir für Bad Camberg" (WFBC) mit dem Baumackerfest den Auftakt der Ab-in-die-Mitte-Veranstaltungen mit mehr Menschen auf einem Fleck, trotz Corona.

Bad Camberg -Sie wollten den Marktplatz füllen mit Aktivitäten, Ideen, Unterhaltung, Anregungen und viel Lehrreichem für ein breites Publikum. Die Pandemie hat dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dadurch wurde alles anders. Angefangen von den sehr umfangreichen Vorbereitungen bis hin zu dem Fest, das es nun gab - im Amthof-Innenhof mit hohen Sicherheitsvorkehrungen. Ausdrücklich lobte WFBC-Vorsitzender Wolfgang Erk die gute Zusammenarbeit mit dem Bad Camberger Ordnungsamt. Viele Freiwillige hatten dazu beigetragen, etwas Besonderes zu bieten. Einige von ihnen konnten nicht hinzukommen - aus Sorge um die eigene Gesundheit.

Die Kurstädter trotzen dem Virus - mit Sinn und Verstand, wie sie meinen. Denn es geht nicht nur darum, einander fern zu bleiben. Ein wenig Unterstützung tut Not und das richtige Maß der Dinge. Gerade dann, wenn die Infektionszahlen wieder steigen und allzu zu viel körperliche Nähe nicht angesagt ist.

"Wir sind noch trockenen Fußes hergekommen", sagt Andrea Wagner. Mit ihrem Mann Johannes hatte sie gerade am Tisch Platz genommen, als der Regen begann. Der wird immer schlimmer. Es schüttet aus allen Kübeln, doch "Wir für Bad Camberg" hat vorgesorgt. Tische und Bänke stehen unter dem Vordach im Amthof-Innenhof sowie unter Zeltdächern, gleiches gilt für die Bereiche des Musikers und der Ehrenamtlichen, die das Fest bewirtschaften. Mit Mundschutz reichen sie Apfelwein, Schmalzbrote, Handkäs' mit Musik. "Die Brote wurden mit Handschuhen bestrichen, Käse und Zwiebeln sind für jeden einzelnen in Plastik verpackt", sagt Wolfgang Erk.

Nicht ohne Pandemiekonzept

Die Aktiven haben sich sehr genau mit den Hygienevorschriften auseinandergesetzt. Weil das Fest im Freien ist - trotz plötzlich sehr herbstlicher Temperaturen und Regen - fühlen sich die Gäste sicher, nehmen nur am Platz die Maske ab. Einer vergisst es, will rasch zum Schwätzchen zu einem Nachbartisch gehen und wird gleich aufmerksam gemacht: Das geht nicht. Sitzenbleiben. Pandemie.

So bleiben sie fest verwurzelt auf ihren Plätzen, lassen sich von den Helfern bedienen (denn das gehört zum Pandemie-Konzept), und genießen in kleineren Runden an vielen separaten Tischen dann doch ein gemeinsames Fest. Fast alle, die angemeldet waren, sind gekommen. Trotz des schlechten Wetters. "Das zeigt, dass die Menschen nach Gemeinsamkeit dürsten. Sie brauchen das", sagt der frühere Bürgermeister Erk. Sein Nachfolger Jens-Peter Vogel (SPD) sitzt ein paar Tische weiter. Gerade kommt der nächste Schutt. "Wer hat den Regen bestellt?" fragt einer. Werner Imhoff nimmt die Schuld auf sich. Seine Frau Marlies ergänzt: "Früher dachten wir, das würde beim Wachsen helfen." Die Camberger Kinder forderten das mit einem Reim ein: "Mai-Regen tropf' auf mich, im nächsten Jahr wachse ich."

Auch Klaus Schmidt kann reimen. Schöne Apfelweingedichte und -lieder bietet er dar. Freudestrahlend spielt er Gitarre kommt etwas näher an die Tische, zwei Meter Mindest-Abstand bleiben. Als Bänkelsänger durch die Reihen gehen - das ist jetzt utopisch. Doch ein Auftritt vor Menschen, die lachen, klatschen, auf seine Scherze eingehen und selbst mit munteren Sprüchen zum Programm beitragen: Das tut ihm richtig gut. "Das ist so ein Riesenspaß mit Publikum", sagt er, und man sieht es ihm an.

Der Bad Camberger Apfelsecco

Karl-Heinz Gregori animiert zum Austrinken. Er gestaltet die Apfelweinprobe, zu der natürlich auch der Bad Camberger Apfelsecco gehört. Und er erklärt, warum es im letzten Jahr wo wenige Äpfel gab, wieso die 2018er Produkte aus dem reichhaltigen Apfeljahr so gut schmecken, und dass auch 2020 sehr vielversprechend ist. Die Apfelmanufaktur Goldener Grund, ein Freundeskreis junger Leute aus Bad Camberg und Eisenbach, die freiwillige Feuerwehr, Martin Brendel, Karl-Heinz Gregori, Elmar Reifenberg, Jan Urban, Richard Diemer und Apfel Geier aus Rückershausen steuern die leckeren Tropfen bei. Gregoris Rauscher schmeckt angenehm süß, und ein Ehepaar von der Mosel erklärt: "Sie trinken ja Viez." So heißt dort der Apfelwein. Platz nehmen können sie nicht, sie sind nicht angemeldet. Aber das stört den Austausch aus der Ferne nicht.

"Wir haben immer Apfelsaft daheim", sagen Biggi und Michael Lottermann. Die beiden Bad Camberger lieben das Natürliche, frei von Zusatzstoffen, so wie es auch jetzt beim Baumackerfest gereicht wird.

"Streuobstwiesen, wie die Baumäcker heute genannt werden, sind ökologisch besonders wertvoll", erklärt Klaus Schmidt. "Dort gibt es über 5000 Arten von Kräutern, Tieren, sie sind voller Leben." - "Wir trinken hier also für den Naturschutz", stellt ein Gast fest, leert sein Glas und geht über zum nächsten Teil der Apfelweinprobe. Nicht nur für ihn ist das ein sehr guter Tag.

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