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Julia Fischer, Hannah Heilmann und Lukas Gartiser (von links) bereiten ihre Ausstellung in der Amthof-Galerie vor. Im Vordergrund ein Ausschnitt des zehn Meter langen Bildes von Lukas Gartiser, das unter anderem den historischen Amthof zeigt.

Klaus-Panzner-Stiftung

Erste Stipendiaten stellen in Bad Camberg aus

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Vor zwei Jahren starb Klaus Panzner. Sein Vermächtnis sind seine Bilder und eine Stiftung: Jedes Jahr werden drei Nachwuchskünstler gefördert. Die ersten stellen jetzt in der Amthof-Galerie aus.

Die große, weiße Rolle Papier ist 1,50 Meter hoch und zehn Meter lang. Lukas Gartiser rollt nur ein Stück davon aus. Zwischen Kurhaus und Amthof zeichnet er das historische Amthof-Gebäude. Menschen kommen vorbei, blicken dem Studenten über die Schulter. Drei davon hält er mit in seinem Bild fest: Die Mitarbeiterin des nahe gelegenen Bio-Ladens, die ein wenig dabeibleibt, was ihm hilft. Ihre Züge sind im Bild jetzt sehr gut zu sehen. Eiliger haben es die ältere Frau und das Kind. Auch abgebildet, aber nicht mehr so deutlich.

Klaus Panzner hat auch Fachwerk gemalt. Und Menschen. Nur viel, viel kleiner. Die Staffelei und den Spiegel aufgebaut, entstanden die Radierungen, die er später colorierte. Einen großen Teil davon hat Klausjürgen Herrmann mit seinen Helfern katalogisiert. Der Nachlassverwalter des verstorbenen Künstlers und Vorsitzende der Amthof-Galerie hat noch eine weitere Aufgabe, auf die er sich jetzt sehr freut. Am Sonntag, 4. November, 11 Uhr, wird er die Ausstellung mit den ersten Stipendiaten der Klaus-Panzner-Stiftung eröffnen. Einer der jungen Künstler ist Lukas Gartiser.

Zeit- und Szenenwechsel: Gemeinsam mit Hannah Heilmann und Julia Fischer baut der 28-Jährige die Einzelteile auf, die sich zur Gesamtausstellung fügen werden. Auf der großen Papierrolle sind weitere Motive hinzugekommen. Jetzt steht das Ende der Rolle in einer der Türen im zweiten Stock der Amthof-Galerie. Das Papier schlängelt sich nach vorn. Wer traut sich noch, da durchzugehen? Die Tür zu passieren? Wie wird es am Sonntag bei der Ausstellungseröffnung sein? „Wir sollten das so stehen lassen“, meint der Zeichner. Warum eigentlich nicht?

Hannah Heilmann stellt derweil die Scheinwerfer richtig ein, so dass ihre großformatigen Arbeiten richtig wirken können. Die 27-Jährige aus Dachau besucht wie ihre beiden Kommilitonen die Mainzer Kunstakademie. Als Stipendiatin in Bad Camberg hat sie Arbeiten mitgebracht, die Leinwände und Objekte verbinden. Hinzu kommen eine Jalousie, ein Zaun, Spiegelfliesen. „Das Grundsätzliche meiner Arbeit ist das Ornamentale“, sagt Hannah Heilmann. Wiederholungen, das Fokussieren auf bestimmte Themen liegen ihr. Wichtig sei die Symbolik. „Ich bin Mythen und Geschichten auf der Spur.“

Julia Fischer arbeitet wieder ganz anders. Die 23-Jährige aus Einbeck hat Drucke mitgebracht – was sie mit Klaus Panzner verbindet. Nur hat sie die menschliche Hand abgebildet und erzielt damit die unterschiedlichsten Effekte. Einige Bilder an der Wand wirken seltsam verfremdet. Die hat sie mit einer selbst gebauten Lochkamera fotografiert und dabei sehr lange Belichtungszeiten verwendet. Dabei geht es nicht um Sekunden, sondern Tage. „Ich habe die

Langzeitbelichtung

ausgereizt, um den Zeitaspekt viel deutlicher zu machen“, sagt sie. So sind Sonnen- und Mondbahn in den Bildern deutlich zu erkennen. „Das Spannende ist: Das funktioniert nur mit Tageslicht. Die Natur entwickelt mit.“

Interessante Ansätze, die die drei Nachwuchskünstler ab Sonntag auf der oberen Etage der Amthof-Galerie präsentieren werden. Im unteren Stockwerk zeigt die Galerie Arbeiten von Panzner. Unter seinem Künstlernamen „Ojo“ (spanisch: Auge) ist er weithin bekannt.

ist bis Ende November sonntags von 11 bis 13 sowie von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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