So sah die Hecke aus, nachdem sie Mitarbeiter des Bauhofs im Februar geschnitten hatten.
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So sah die Hecke aus, nachdem sie Mitarbeiter des Bauhofs im Februar geschnitten hatten.

Bad Camberg

Der Fall der verschwundenen Hecke

Fünfmal hintereinander ist eine städtische Hecke am Würgeser Steinweg bis auf den Grund abgeschnitten worden - kurz nachdem die Stadt Bad Camberg sie ordnungsgemäß gepflegt hatte. Naturschützer ärgert das sehr. Seit 2017 verschwindet Hecke jedes Jahr aufs Neue. Der Verursacher: unbekannt.

Bad Camberg - Wildrosen, Brombeeren, Weißdorn, Schlehen, Himbeeren und Weiden - für die einen sind das wertvolle Blühsträucher, die entsprechend gepflegt werden. Für andere offensichtlich nicht. Im fünften Jahr hintereinander ist eine solche Hecke am Steinweg verschwunden - ebenerdig abgeschnitten. Dies kurz nachdem die Mitarbeiter des Bauhofs die Hecke auf städtischem Grund ordnungsgemäß zurückgeschnitten hatten. Manfred Lindner von der Initiative "Blühendes Bad Camberg" ärgert das. Nicht nur, weil es wieder passiert ist, sondern weil sich offenbar jemand an der Hecke stört und städtisches Eigentum zerstört, ohne dass dies aus seiner Sicht Folgen hat.

Wer könnte ein Interesse daran haben, die Hecke jedes Jahr niederzumähen? Manfred Lindner hat den Landwirt in Verdacht, der die angrenzenden Felder bewirtschaftet und das Verschwinden bei der Stadt Bad Camberg angezeigt. "Wie jedes Frühjahr zeigen wir von der ,Initiative Blühendes Bad Camberg' auch heuer illegale Schnittmaßnahmen an Blühsträuchern auf der städtischen Wegeparzelle ,Steinweg, Flur 11, Flurnummer 66' der Stadtverwaltung an", beginnt sein Schreiben an die Stadt und verweist auf die Gesetzeslage: "Bei den Schnittmaßnahmen handelt es sich nicht um eine Bagatelle, die man hinnehmen muss, sondern um unberechtigte Übergriffe auf naturbelassene, im fremden Eigentum stehende Grundstücke, was gemäß BGB § 1004, § 823 zivilrechtliche Ansprüche auslöst. Des Weiteren handelt es sich hier um eine naturschutzrechtliche Ordnungswidrigkeit. Gemäß § 39 Abs. 5 Nr. 1 Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, nicht landwirtschaftlich genutzte Flächen so zu behandeln, dass die Tier- oder Pflanzenwelt erheblich beeinträchtigt wird. Dazu zählt auch die widerrechtliche mehrfache Beseitigung des Strauchaufwuchses, wodurch ein wichtiges Saumbiotop nachhaltig zerstört wird."

Das Eigentum der Stadt schützen

Die Initiative "Blühendes Bad Camberg" setzt sich schon lange dafür ein, an unterschiedlichen Stellen im Stadtgebiet dafür zu sorgen, dass Insekten Nahrung finden. Dabei hat die Initiative auch 2017 die vorhandenen Blühsträucher des Steinwegs katalogisiert, um einen Ist-Zustand festzuhalten. "Man hat uns 2017, 2018, 2019 und 2020 zugesagt, das Bauamt werde sich darum kümmern, dass dieser Vandalismus gestoppt wird", sagt Manfred Lindner. Er ist gemeinsam mit Viola Erk auch der neue Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtparlament. Schon im vergangenen Jahr hatten die Grünen auf Initiative von "Blühendes Bad Camberg" einen Antrag in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht: "Die Stadtverwaltung trifft Vorkehrungen, dass die Wegeparzelle im Steinweg (Flur 11, Stück 66) in Würges auf der gesamten Breite erhalten bleibt und der dortige Pflanzenaufwuchs geschützt wird. Die Verursacher widerrechtlicher Umpflügungen werden zur Rechenschaft gezogen." Das Parlament hat dies beschlossen - die Hecke ist wieder weg.

Manfred Lindner fügt ein weiteres Beispiel an: Ebensolchen Vandalismus habe es in Schwickershausen im Bereich "In der Lenn" mehrfach gegeben. Auch das wurde angezeigt - aus seiner Sicht folgenlos. Seine Frage: "Wann können wir Bürger endlich damit rechnen, dass öffentliches Eigentum geschützt wird, wertvolle Blühsträucher auf städtischen Grund erhalten bleiben und Stadtverordnetenbeschlüsse zeitnah umgesetzt werden?"

Für Gerd Schmidt vom Stadtbauamt ist das Thema nicht neu. "Ähnliche, unnötige Schnittmaßnahmen sind leider in der Vergangenheit am Steinweg in Würges schon mehrmals angezeigt worden. Bisher waren die Verursacher weder über ein Ordnungswidrigkeitsverfahren der Unteren Naturschutzbehörde noch über eine persönliche Ansprache durch die Stadt zu ermitteln", sagt Schmidt. Man könne sicherlich Vermutungen anstellen, dass der Bewirtschafter der anliegenden Flächen am ehesten einen Grund haben könnte, Gehölzaufwuchs und Krautsaum zu entfernen. Die Stadt habe den Landwirt angesprochen - mit der Bitte um Aufklärung des Sachverhalts. "Er hat uns versichert, dass er dort nicht mit Schnittmaßnahmen tätig war", sagt Schmidt.

Auf diesem Wege ist man also nicht weit gekommen. Doch auch die Stadt ist initiativ, denn des gibt bereits seit Längerem einen runden Tisch, zu dem auch Landwirte und Naturschützer kommen, um Lösungen zu finden. "Wir sind sehr an einer Angleichung der vermeintlich unterschiedlichen Bedürfnisse von Naturschutz und landwirtschaftlicher Produktion interessiert und haben bereits erste Schritte in Form von Gesprächsrunden initiiert", so Schmidt.

Abgepflockt: Geht's nur so?

Für Manfred Lindner ein guter Ansatz - nur in einem solchen Fall offensichtlich nicht genug. Oder bisher nicht hilfreich. Er hat sogar Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) bei einer Online-Veranstaltung darauf angesprochen und Rückhalt bekommen. Lindner: "Die Stadt kann und muss ihr Eigentum schützen." An anderer Stelle am Steinweg hat sie das bereits getan und einen Bereich abgepflockt. "Seitdem klappt's", hat Lindner beobachtet.

Kurz darauf war von der Hecke nichts mehr zu sehen. Verursacher: noch immer unbekannt.

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