Julius Frack lässt seine Assistentin Cindy schweben.
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Julius Frack lässt seine Assistentin Cindy schweben.

Die Bad Camberger Zaubergala ist ein Hit

Geniale Momente mit den Magiern

  • Petra Hackert
    VonPetra Hackert
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Die dritte Bad Camberger Zaubergala, nun im frisch renovierten Kurhaus, war ein riesiger Erfolg. Rund 180 Gäste ließen sich auf Abstand begeistern.

Bad Camberg -Er ist der weltgrößte Mentalist - 1,92 Meter. Sie die wahrscheinlich längste Frau der Welt - mit ellenlangen Beinen, von denen einige Kinder vermuten, es seien Stelzen. Der andere ist ein Weltmeister der Magie. "World Champion Illusionist" nennt sich Julius Frack, und rund 180 Zuschauer ließen sich im Kurhaus zeigen, was er kann. Verblüffend! Leider war Abstand nötig - normalerweise fasst der Saal 500 Leute. 2 G und Masken, auch am Sitzplatz. Die Veranstalter wollten kein Risiko eingehen. "Wir haben uns das natürlich gut überlegt, wir wollen ja nichts falsch machen. Aber die Künstler brauchen auch die Gelegenheit, wieder vor Publikum aufzutreten", sagt der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel (parteilos). Schließlich ist die Bad Camberger Zaubergala ein Publikumsliebling geworden. Die Kurstadt möchte den festen Termin zum Jahresbeginn etablieren. Also nun zum dritten Mal.

Am Ende war es so: Das Publikum klatschte, was das Zeug hielt. "Das ist doch im Moment unsere einzige Möglichkeit, uns auszurücken", meinte eine Zuschauerin. Von der Bühne weg klingt es dennoch anders, wenn die Woge von Applaus durch einen prall gefüllten Saal rauscht. Alle gaben sich Mühe, da mitzuhalten. Die Akteure zeigten sich zufrieden, interagierten, bezogen viele im Saal mit ein. Am Ende stellte der Moderator des Abends, der heimische Zauberer Massimo, fest: "Wir sind froh, dass Sie Ihr Wohnzimmer nicht zum Wartezimmer gemacht haben." Und: "Wir haben das Lächeln unter Ihren Masken gesehen."

Die Begeisterung ist enorm - bei groß und klein. Die zwölfjährige Anna, die wegen der Gala am letzten Ferienwochenende extra lange wach bleiben darf, ist Masketragen gewöhnt. "Das müssen wir am Montag in der Schule ja eh wieder." Nur dass das Lernen diesmal noch viel mehr Spaß macht. Wie verzaubert. Sie passt sehr gut auf, als Julius Frack mit "Jetlag" auf der Bühne steht. Das heißt: Er liegt eigentlich. Mit Nachthemd, Mütze und Wecker. Die 11 000 Kilometer von Indonesien nach Bad Camberg hat er tatsächlich am Donnerstag zurückgelegt. "Klar, dass der müde ist", meint das Kind. Dann geht's los: Die riesige Uhr rappelt, der Zauberer reckt sich, streckt sich, gähnt, macht den Wecker aus. Nicht nur. Der ist nämlich plötzlich gar nicht mehr da. "Das müsste ich auch können", seufzt Anna. Ihr Schulwecker wird am Montag um 6 Uhr läuten. Aber daran will sie jetzt lieber nicht denken.

Rudi zaubert Lächeln in jedes Gesicht

Stattdessen ist Aufpassen angesagt. Sie verfolgt jeden Trick, ist begeistert, der Magie verfallen - und dem Humor. Rudi. Er ist das Synonym dafür. Ein Pantomime, Clown und herzensguter Zauberer, der ganz schnell die heftigsten Gewichte stemmt, in Zeitlupe über die Bühne "rennt", und das mit unglaublicher Mimik. Seine Gesichtsakrobatik ist eine Kunst für sich, und wie es ihm gelingt, dass sogar seine Assistentin aus dem Publikum den Zauberwürfel blind lösen kann, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Rätselhaft: Das ist auch Amila, die einzige Zauberin des Abends. Ihre Mentalmagie zeigt: Grit und Markus aus dem Publikum sind ein Paar, das sich tatsächlich versteht, ohne hinzuschauen. Zu später Stunde lässt sie Ringe schweben, kreisen, sich ineinander verketten, begleitet von mystischer Musik und in dunkelrotes Licht getaucht.

Effekte: Die beherrschen Mr. Black und Ursula seit Jahrzehnten. Die beiden Deutschen Meister der Magie hatten sich vor drei Jahren schon verabschiedet - irgendwann muss auch eine lange Zaubererkarriere einmal zu Ende gehen. Das Publikum wollte mehr, forderte es ein, und so waren nicht nur die Bad Camberger sehr froh, dass die beiden noch einmal zusagten. Wahrscheinlich dann nun doch zum letzten Mal. Ihr Spiel mit Tauben, Hühnern und Kaninchen verwandelt die Bühne in einen Zoo von verspielten Tieren, die wie aus dem Nichts erscheinen und auch wieder verschwinden können. Jetzt erhebt sich die begeisterte Zuschauermenge von den Plätzen und klatscht, was das Zeug hält.

Massimo und Nadja: Die beiden sind für den unterhaltsamen Part zuständig. Große und Kleine im Publikum üben sich im Fremdschämen, wenn der ein oder andere Trick scheinbar so super-simpel ist oder gar nicht gelingt. "Ich kann zwischen Beifall und Mitleid unterscheiden", deutet der Magier das Klatschen. Und plötzlich ist doch alles anders. Magie. Gemeinsam mit Johanna und Philipp, die den richtigen Harry-Potter-Zauberspruch parat haben, gelingen sogar ihm die besten Tricks.

Der Weltmeister fasziniert alle

Noch einmal Julis Frack: Der Ausnahme-Künstler lässt seine Partnerin Cindy schweben, erschafft sie auf der Bühne aus dem Nichts, und plötzlich steht sie wieder im Saal. Blitzschnell und mit der richtigen Mischung aus Spannung und Reserve. Die Zuschauer wollen das. Der Applaus nimmt kein Ende. Die Augen über den Masken blitzen. Das kommt an!

Sehr schnell sind drei Stunden vorüber. Sobald das Licht im Saal hell erstrahlt, ist die Realität zurück. Drei Stunden lang war das ganz anders. Faszinierend, belebend, anregend und unterhaltsam. Davon möchte man wieder mehr. Ludger Becker, der gemeinsam mit Bernd Peuser (P & B Events Bad Camberg) ab sofort die Organisation der Zaubergala übernommen hat, verspricht das schon jetzt. Die nächste in Bad Camberg ist für Samstag, 7. Januar, geplant. Außerdem soll es vorher noch zwei weitere in Weilburg und Montabaur geben.

Im glänzenden Finale nehmen alle Künstler Abschied, hier mit dem Bad Camberger Bürgermeister Jens Peter Vogel (Dritter von rechts) auf der Kurhaus-Bühne.

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