Uwe Grunert packt an

Der 48-jährige Musiklehrer Uwe Grunert hat einen bewegenden Monat auf den Philippinen erlebt. Für die christliche Hilfsorganisation „Humedica“ kümmerte sich der Bad Camberger dort nach Taifunverwüstungen als Teamleiter ehrenamtlich um den Wiederaufbau.

Von Robin Klöppel

„Ich habe einiges an Geld durch entgangene Aufträge verloren, aber unvergessliche Erfahrungen gemacht“, sagt Grunert. Der Kurstädter ist sowieso in seinem Leben viel unterwegs, weil er nicht nur Schülern Gitarrenunterricht gibt, sondern auch als Musiker zu zahlreichen Auftritten muss. So befand er sich mit seiner Band gerade für Auftritte in Tunesien, als er spontan die Anfrage der Hilfsorganisation bekam.

Bei der „Tour der Hoffnung“, einer Charity-Radtour, hatte der langjährige Musiker von Costa Cordalis „Humedica“-Vorstandsmitglied Georg Müller kennengelernt. Dessen Schilderung der Arbeit der Organisation hat Grunert sofort fasziniert, da er in seiner Freizeit schon immer ein bekennender Weltenbummler ist und schon viele Länder und Kontinente mit dem Rucksack bereiste. Dass aus der prinzipiellen Bereitschaft des Bad Cambergers zur Mitarbeit aber so schnell eine konkrete Anfrage von „Humedica“ wurde, hätte er selbst nicht gedacht.

Da er alle beruflichen Termine für den kommenden Monat verlegen bzw. an Künstlerkollegen abgeben konnte, sagte der 48-Jährige („Jetzt oder nie“) spontan und gerne zu. Länger hätte er aber nicht in Asien bleiben können, weil ihm das beruflich zu viele Nachteile gebracht hätte. „Die Schüler und andere Kunden wären dauerhaft weg gewesen“, so Grunert.

30 Stunden war er über Hongkong und Manila mit dem Flieger ins Krisengebiet unterwegs gewesen. Grunert war nach der Ankunft in Tacloban City beeindruckt, wie gut die internationalen Hilfsorganisationen aus 70 verschiedenen Ländern dort Hand in Hand arbeiteten. Die Armee habe erst einmal in die verwüsteten Straßen mit Bulldozern Wege freischaufeln müssen. Er als Teamleiter habe das Hauptquartier von „Humedica“ vor Ort gemanagt. Unter anderem koordinierte er die Einsätze der Ärzte der eigenen Organisation als Unterstützung des „Mothers Of Mercy“-Hospitals, aber auch draußen in den kleinen Dörfern im Umland mit einem Sprechzimmer auf Rädern. Er beschaffte die Lebensmittel für die „Humedica“-Mitarbeiter und kümmerte sich um die Buchführung.

Die Koordination war nicht immer einfach. So stand Grunert nach kurzer Einarbeitungszeit durch seinen Vorgänger schon vor der schwierigen logistischen Aufgabe, sieben Tonnen an Hilfsgütern wie dringend benötigte Medikamente vom Flughafen zu den Patienten schaffen zu müssen. Der kommunikative Deutsche schaffte es aber, philippinische Soldaten zu überreden, ihm zur Seite zu stehen. Deren Arbeitskraft und deren Laster waren in dieser Situation Gold wert.

Uwe Grunert versuchte überall, Unterstützung für seine Anliegen zu bekommen. Der Rotary-Club spendete spontan einen Wasserfilter, der FC Bayern München zahlreiche Fanklamotten als Bekleidung für zahlreiche über Nacht obdachlos gewordene Bewohner. Grunert musste natürlich für die Organisation und die Spender lückenlos dokumentieren, wohin welches Paket gegangen ist. „Trotz des ganzen Chaos dort“, erzählt er.

Ehrlich und diszipliniert

Neben Medikamenten und Kleidung wurde auch Essen verteilt. Uwe Grunert war trotz der großen dort herrschenden Not überrascht über die Ehrlichkeit und Disziplin der Katastrophenopfer. Obwohl all die Hilfsgüter ja nicht einbruchssicher hätten untergebracht werden können, sei gar nichts weggekommen. Die Bedürftigen hätten sich brav angestellt, um ihre Anteile an den Lieferungen in Empfang zu nehmen. Ein bezahlter Urlaub war der Monat für den Bad Camberger trotzdem wahrlich nicht, denn er hat täglich von sechs Uhr in der früh teilweise bis in die Nacht hinein hart gearbeitet. Auch dass er wie so viele dort in einer beschädigten Wellblechhütte hausen musste, machte ihm wenig aus. Er schlief auf einer Isomatte, machte trotz Mittelohrentzündung unbeirrt bis zur Abreise weiter. Selbst wenn der Bad Camberger nachts mit einer Stirnlampe alleine in der fremden Stadt herumlief, hat er sich dort nie unsicher gefühlt. Von Kriminalität dort habe er überhaupt nichts mitbekommen. „Ganz brutal war aber, dass da überall zwischen den Trümmern noch Leichen herumgelegen haben“, merkt Grunert an. Überall habe dieser Leichengeruch in der Luft gelegen.

Nicht vergessen kann er das Bild eines auf der Straße sitzenden, weinenden Mannes, der den Tod seiner Angehörigen beklagte, die wie viele andere notdürftig unter einer Verkehrsinsel begraben worden seien. „Dieses Erlebnis hat mich sehr berührt“, gibt der Taunusstädter zu. „Humedica“ habe aber für die Verwundeten hervorragende deutsche Ärzte vor Ort zur Verfügung gehabt, die sich ebenfalls als freiwillige Helfer während ihrer Urlaubszeit zur Verfügung gestellt hätten. „Wir hatten harte Momente, aber wir wollten alle zusammen etwas tun und bewegen“, spricht Grunert über seine Motivation.

Der Bad Camberger erlebte genauso sehr schöne Stunden, beispielsweise wenn die Vertreter der Hilfsorganisationen sonntags zusammen in der Kirche englischen Gottesdienst gefeiert hätten, obwohl es da von oben schon mal in das Gotteshaus hineingeregnet habe.

Uwe Grunert kann sich sehr gut vorstellen, die kommenden Jahre immer mal wieder einen neuen Auftrag von „Humedica“ anzunehmen, wenn es in seinen Zeitplan passt. Die Mitarbeit in dem hervorragenden Team der Organisation kann er nur empfehlen, die in verschiedenen Ländern in Afrika und Asien seit Jahren Vollgas für Bedürftige gibt. „Humedica“ kann immer wieder Helfer gebrauchen, die im Rahmen von Wochenendseminaren auf ihre Auslandseinsätze vorbereitet werden.

Wer Interesse bekommen hat, kann sich auf informieren und den Verein mit Sitz im bayerischen Kaufbeuren jederzeit unter Telefon:  (0 83 41) 9 66 14 80 bzw. E-Mail info@humedica.org kontaktieren.

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