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Hausnotruf: DRK und Malteser prüfen gemeinsam, was schiefging

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Von: Petra Hackert

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In Zukunft soll es diese Probleme nicht mehr geben

Bad Camberg/Selters -Über eine Stunde musste eine Erbacherin auf Hilfe warten, nachdem sie den Hausnotruf aktiviert hatte, berichtet ihr Ehemann. Malteser Hilfsdienst und das DRK überprüfen nun gemeinsam die Vorgehensweise und klären, was genau schiefgegangen ist, um in Zukunft Abhilfe zu schaffen

Offensichtlich gibt es Klärungsbedarf - DRK und Malteser Hilfsdienst, die beide im Kreisgebiet Hausnotrufsysteme anbieten, arbeiten daran. Wie berichtet, hatte es bei einem Hausnotruf-Einsatz in Erbach (einem Stadtteil von Bad Camberg) erhebliche Schwierigkeiten gegeben. Die Frau, die am Samstag vor einer Woche zu Hause in ihrem Badezimmer gestürzt war, wird vom DRK betreut, ihr Wohnungsschlüssel in der Rettungswache des Malteser Hilfsdienstes in Niederselters (ein Ortsteil der Nachbargemeinde Selters) aufbewahrt. Deshalb sind beide Rettungsdienste betroffen. Gregor Goetz-Knoell, Bezirksgeschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes, erklärt, warum die Malteser Schlüssel von DRK-Hausnotrufkunden aufbewahren: "Hintergrund ist, dass bei einem medizinischen Notfall Kunden des Hausnotrufes (HNR) schnellstmöglich versorgt werden können. Die Haus- und/oder Wohnungsschlüssel der HNR-Kunden, deren Wohnsitz sich nahe der Rettungswache Niederselters befindet, werden deshalb vom DRK in der vom Malteser Hilfsdienst geführten Rettungswache in Niederselters hinterlegt."

"Schließanlage wurde nicht ausgetauscht"

Die erste Information des DRK gegenüber dieser Zeitung, die Schließanlage in der Rettungswache der Malteser in Niederselters sei ausgetauscht worden, sei falsch, sagt Goetz-Knoell. Für die Schwierigkeiten könne es mehrere Gründe geben, die man aktuell mit dem DRK prüfe. Er erklärt: "Dem DRK wurden vom Malteser Hilfsdienst insgesamt drei Zugangs-Chips für den Lieferanteneingang an der Rückseite der Fahrzeughalle (in der sich der verschlossene HNR-Schlüsselkasten befindet) ausgehändigt. Aus Haftungs-/Versicherungs- und Datenschutzgründen ist ein Zutritt Dritter zu den anderen Räumlichkeiten der Rettungswache nicht gestattet. Wir prüfen derzeit, ob dem DRK-Mitarbeiter bekannt war, dass er nicht einfach an der Wache ,klingeln' kann und dann den betreffenden Schlüssel des HNR-Kunden vom Malteser-Team der Rettungswache ausgehändigt bekommt, sondern dass er selbst per Zugangs-Chip den Lieferanteneingang nutzen muss. Offenbar war der betreffende DRK-Mitarbeiter nicht ausreichend in dieses System eingewiesen."

Derzeit prüften DRK und Malteser Hilfsdienst gemeinsam, woran es gelegen hat, dass in diesem einen Fall die Übermittlung des Schlüssels der HNR-Kundin nicht wie gewohnt funktioniert hat. "Wir bedauern dies sehr. Es ist unser Bestreben, dass dies zukünftig nicht mehr vorkommt", betont Goetz-Knoell. "Wir werden dem DRK anbieten, noch einmal die Abläufe gemeinsam zu prüfen und, wo notwendig, anzupassen."

Technik ist schon verbessert worden

Im Falle der Frau, die in ihrem Badezimmer in Erbach gestürzt war, gab es gleich mehrere Probleme, die das DRK auch gemeinsam mit dem Ehepaar angegangen ist. So war in der Zwischenzeit ein Mitarbeiter vor Ort und hat sich die Situation in der Wohnung angeschaut und einen Verstärker installiert, damit der Notruf tatsächlich in allen Räumen funktioniert. Nach Angaben des Ehemannes sei dies zuvor im Bad nicht konstant der Fall gewesen - allerdings hat der Notruf das DRK erreicht, insofern war das nicht das Hauptproblem. Die Information des DRK, nach etwa einer Dreiviertelstunde sei der Mitarbeiter vor Ort gewesen, könne er nicht bestätigen, sagt der Ehemann. "Das ist falsch und kann sicher in den Protokollen nachgelesen werden." Es habe über eine Stunde gedauert. Der Bezirksgeschäftsführer der Malteser Goetz-Knoell nimmt noch einmal zu den Abläufen Stellung: "Tritt ein gravierender medizinischer Notfall ein, ruft entweder der in Not Geratene selbst oder seine Familie, Freunde, Nachbarn etc. über die telefonische Notrufnummer 112 Hilfe. Oder aber der HNR-Kunde ruft über einen an seinem Handgelenk oder an einer ,Halskette' befindlichen Notrufknopf die Hausnotrufzentrale. Diese kontaktiert dann direkt über die Notrufnummer 112 die zentrale (Feuerwehr/Rettungs-)Leitstelle des Landkreises." Als missverständlich empfänden beide Rettungsdienste in diesem Zusammenhang einen Satz in der Berichterstattung dieser Zeitung zur Vorgehensweise: "Der Sanitäter, der sich auf den Weg macht, muss zuerst nach Niederselters, dort den Schlüssel holen, dann nach Erbach." Gregor Goetz-Knoell sagt: "Ruft ein Hausnotruf-Kunde über seinen Notfallknopf den Hausnotruf, mit dem er einen Vertrag abgeschlossen hat, fährt zunächst - sofern kein medizinischer Notfall vorliegt - der HNR zur Wohnstätte seines Kunden. Der HNR-Mitarbeiter muss nicht ein ,Sanitäter' sein." Ein Mensch, der Hilfe benötige und über die Notrufnummer 112 die Rettung ruft oder rufen lässt, erhalte schnellstmöglich Hilfe. "Dies scheitert nicht an einem Wohnungsschlüssel, denn bei einem Notfall öffnen zum Beispiel Feuerwehr oder Polizei und sorgen für Zugang."

Debatte über Situation der Menschen

Das Ehepaar aus Erbach macht sich weiterhin Gedanken - und ist froh, dass das Thema nun in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Ihn und seine Frau, die ohnehin körperlich eingeschränkt ist, außerdem schon vor dem Sturz wegen eines Schenkelhalsbruchs mit weiteren Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, habe das Ganze verunsichert. Der Erbacher stellt fest: "Vielleicht ergibt sich daraus eine Debatte über die Situation der Menschen, die mit Behinderungen und Einschränkungen im Landkreis leben." Petra Hackert

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