Vierfüßlerstand - das kann doch jedes Baby! Judith und Julius zeigen, wie es geht.
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Vierfüßlerstand - das kann doch jedes Baby! Judith und Julius zeigen, wie es geht.

Eine Erfrischung für Körper und Geist

Jeden Sonntag: Yoga im Bad Camberger Kurpark

  • Petra Hackert
    VonPetra Hackert
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Bewegung und Lebensordnung sind zwei sehr wichtiges Elemente der Kneipp'schen Lehre. Gestern Morgen erlebten die Teilnehmer beim Yoga im Kurpark hautnah, wie gut es tut, Körper und Geist zu erfrischen. Und sie lernten: Das kann jedes Kind. Wirklich!

Bad Camberg -Yoga ist kinderleicht. Nicht immer. Es gibt da so eine Übung: Der Körper sieht aus wie ein Dreieck, Hände und Füße berühren den Boden, der Po ist der höchste Punkt. Wenn man es richtig macht (und es gut kann) ist das eine der entspannendsten Yoga-Posen. Ein Zwischenstück zum Ausatmen sozusagen. Wer sich noch daran übt, der braucht etwas länger, bis der Rücken wirklich gut durchgedrückt ist, die Beine gerade stehen, die Füße vielleicht sogar komplett den Boden berühren und nicht nur die Zehenspitzen. Es sei denn, man ist drei Jahre alt. Emilia hat nur ganz kurz hingeschaut, was die anderen da machen. Schon steht sie im herabschauenden Hund. So heißt das nämlich. Bei ihr ist alles gerade, schön und kinderleicht. Lachend dreht sie sich um. Es geht in die nächste Position.

Sie und ihr kleiner Bruder Julius (zehn Monate) waren gestern die Jüngsten bei der Yoga-Stunde mit Judith Krekel auf dem Schachbrett im Kurpark. Zwölf Teilnehmer waren gekommen - beachtlich angesichts der schlechten Wetterprognose für genau diese Zeit. Doch sie hatten Glück: Beim achten Schlag der Turmuhr lugte sogar die Sonne ein wenig durch die Baumwipfel.

Los geht's: Yoga-Lehrerin Judith Krekel sitzt schon eine ganze Weile im Schneidersitz, wartet, bis alle ihre Matten ausgerollt und Platz genommen haben. Auch Julius und Emilia. "Sie haben ihre eigene Matte, denn beim letzten Mal haben wir gemerkt, die ganze Zeit auf einer zu sein ist doch nicht so praktisch", erklärt Katrin Beckmann. Die 43-Jährige kommt sehr gerne, und alle Teilnehmer versichern, wie belebend es ist, gemeinsam mit den Kindern zu turnen.

Doch zunächst beginnt die ruhige Phase. Die Erwachsenen schließen die Augen, während Judith Krekel die Konzentration aufs Atmen lenkt, auf die Gedanken. Sie hören das Wasser rauschen, den Wind durch die Bäume streichen, Vögel zwitschern. Jetzt möchte die Yoga-Lehrerin, dass sich jeder auf seine heutige Intention konzentriert. "Warum bist Du hier?", lautet die Frage. Dabei soll man an etwas Gutes denken, den Duft von Kaffee, getoastetem Brot, frischem Gras, wie hier im Park, an einen Menschen, der einem etwas beutet.

Die Gesichter entspannen sich, ein Lächeln huscht über das ein oder andere. Nach drei tiefen Atemzügen geht es weiter. Beine, Arme, Hüften werden gedehnt, die Übungen wechseln in leichtem Fluss. Mal stehen alle auf einem Bein, trainieren die Balance, dann wird in verschiedenen Varianten des Kriegers die Standfestigkeit erprobt, während sich Oberkörper und Arme in verschiedene Richtungen beugen. Die Dynamik steigt, von leiser Musik untermalt und der Stimme der Yoga-Lehrerin. Die 25-Jährige leitet an, fordert die Teilnehmer und bringt sie wieder zur Ruhe - ganz am Schluss. Sie braucht keine Uhr, denn der neunte Schlag der Turmuhr zeigt allen, wie spät es ist - und dass eine Stunde sehr, sehr kurz sein kann.

Das sagen die Teilnehmer

"Das war richtig schön", sagt Susanne Wenz-Erk. Die Bad Camberger Ortsvorsteherin ist mit dem Fahrrad gekommen und hat sich diese gute Stunde vor dem Frühstück gegönnt. Eva-Maria Krekel (59) war die erste auf der Matte. Judith ist ihre Nichte, allein deshalb wollte sie dabei sein. Aber auch: "Es ist sehr beruhigend und ein guter Start in den Tag." Manuela Müller (66) geht es sehr gut. "Das ist genau das Richtige für Körper und Geist", sagt die Bad Cambergerin. Ihr Mann Conrad Reiher (63) stimmt zu und stellt fest: "Es macht großen Spaß." Ursula Selchow (71) genießt es, "Körper und Geist in Einklang zu bringen". Ursula Müller (66) mag die Konzentration und die Entspannung: "Ich bin eher ein nervöser Typ. Die fließenden Bewegungen, die Ruhe, das tut gut." Emilia und Julius muss man nicht fragen, warum sie das machen. Weil die Mama da ist, klar! Und weil die frische Luft gut tut. Beim Bewegen, beim Aufpassen, beim Lachen und beim Untersuchen der Blätter auf der Wiese. Denn eine Stunde Konzentration - da brauchen die Kinder zwischendurch noch etwas anderes. Davon gibt es genug im Kurpark, zeigt Emilia, die nach der Stunde das Kneipp-Becken für ein frisches Fußbad nutzt. Und Judith Krekel? Für die 25-jährige Medienwissenschaftlerin ist der Yoga-Unterricht ein wichtiger Lebensbestandteil. Normalerweise unterrichtet die Bad Cambergerin in Idstein, nun auf Initiative der Kurverwaltung im Bad Camberger Kurpark. Der Eintritt ist frei, die Stunde - jeden Sonntag ab acht Uhr - wird es den ganzen Sommer über geben. Wie lange genau? "Bis der Schnee fällt", lacht sie. Oder besser: "Bis das Wetter umschlägt." Was das heißt, ist relativ, denn Sport an der frischen Luft tut immer gut. Es gibt nichts Besseres.

Eine Übung für die Balance.
Sie wechseln über in den gestreckten Krieger.
Herabschauernder Hund mit Baby.

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