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Jens-Peter Vogel: „Ohne vollen Einsatz geht es nicht“

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Von: Petra Hackert

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Sie mögen ihren Familiennamen: Die Familie Vogel am Vogelhäuschen auf der Terrasse ihres Hauses in Bad Camberg. Bürgermeister Jens-Peter Vogel mit Frau Maria und ihren drei Töchtern Regina, Verena und Franziska (von links).
Sie mögen ihren Familiennamen: Die Familie Vogel am Vogelhäuschen auf der Terrasse ihres Hauses in Bad Camberg. Bürgermeister Jens-Peter Vogel mit Frau Maria und ihren drei Töchtern Regina, Verena und Franziska (von links). © Petra Hackert

Wie vor sechs Jahren tritt er als parteiunabhängiger Bewerber an, ist weiterhin Mitglied der SPD

Bad Camberg -„Hobby? Welches?“ Jens-Peter Vogel muss lachen. Früher schraubte er gerne an einem Oldtimer. „Jetzt wartet der Fahrzeugbestand darauf, in der Rente renoviert zu werden.“ Die Ente, die fährt er noch. Sie steht in Norddeutschland, in der Nähe von Lüneburg auf dem Anwesen der Urgroßeltern, das die Familie Vogel als Feriendomizil nutzt. Die Ente mögen alle. Jens-Peter, seine Frau Maria, alle drei Töchter, Franziska (19), Regina (16) und Verena (14).

Die gemeinsame Familienzeit ist knapp bemessen, seitdem ihr Vater Bürgermeister in Bad Camberg ist. „Zum Glück waren die Mädchen damals schon größer“, sagt Maria Vogel. Damals, das ist knapp sechs Jahre her. Die Jüngste, Verena, war acht, als der frühere ehrenamtliche Stadtrat der SPD beschloss, diese Leidenschaft zum Beruf zu machen und als Bad Camberger Bürgermeister zu kandidieren. Er gewann die Wahl, wechselte von der Limburger Kreisverwaltung ins Bad Camberger Rathaus. Der Unterschied zum Hobby: Er ist noch mehr in Sitzungen, bei Terminen der Vereine und Besuchen. Corona hatte da einiges verändert. Eine Zeitlang waren die Treffen mit den Jubilaren zum 80., 85., 90. . . . Geburtstagen, Gold- und diamantenen Hochzeiten nicht möglich. Gerade das, so hat er gemerkt, half doch immer wieder auf einer anderen Ebene, den Blick zu schärfen für das, was ihm wichtig ist, wie er sagt: Das Leben in der Stadt, die Entwicklung.

Vielfältig im Einsatz, auch in Chambray

Dann kam dieser Sommer. Alle holten ihre Veranstaltungen nach. „100 plus 1, die kulturellen Termine, die der Vereine“, sagt der 54-Jährige. Die Kurstadt mit ihren sechs Stadtteilen hat eine aktive Bevölkerung, es ist viel los. „Und es wird erwartet, dass der Bürgermeister kommt.“ Manchmal auch eingefordert. „Wo waren Sie denn am Samstag?“ Diesmal, tatsächlich, war er weit weg. Mit dem Partnerschaftskomitee in Chambray-lès-Tours. Nur vier Tage, und zwei seiner Töchter waren dabei.

Franziska und Regina haben diese Zeit genossen. Das auch, weil beide sehr frankophil sind, die Sprache mögen. Warum? Das können sie gar nicht sagen. „Es muss an der Ente liegen“, meinen sie zum Schluss. Das heiß geliebte Familienauto. Franziska hat sich in Chambray als Dolmetscherin betätigt, Regina ihre Partnerin im Schüleraustausch kennengelernt. Das wollen beide Partnerstädte: Den Austausch intensivieren, der durch Corona gelitten hat.

Warum dieses Treffen in aller Stille, ohne Presseberichterstattung? „Wegen Corona gab es gefühlt weder hier bei uns in Bad Camberg noch in Chambray das Bedürfnis, Besuche in einem Bus mit 40, 50 Leuten zu machen. Deshalb waren wir als kleine Delegation vier Tage da, um insbesondere auch Ideen zur Belebung des Austauschs zu entwickeln und zu diskutieren“, sagt Jens-Peter Vogel. Franziska, die Politikwissenschaften studiert, ergänzt: „Es hat Spaß gemacht, über die politische Situation in der Stadt zu sprechen, zu sehen, wie das in Frankreich funktioniert.“ Viele Dinge, die sie mit Blick auf die Weltpolitik im Studium kennenlernt, relativieren sich im Kleinen oder in der Praxis. Mutter Maria und die jüngste Schwester Verena genossen es, in dieser Zeit ebenfalls, etwas gemeinsam zu unternehmen. „Wir waren in Frankfurt, so ähnlich wie Frankreich“, sagt das Nesthäkchen schelmisch.

Familienzeit: Die ist ihnen wertvoll, wenn sie auch im Alltag sehr genau geplant sein will. „Wenn wir einen Abend etwas gemeinsam unternehmen wollen, müssen wir das oft monatelang vorher absprechen“, sagt die Kinderkrankenschwester Maria Vogel. „Als Bürgermeister gibt es fast keinen freien Abend.“ Manches lasse sich gut kombinieren, anderes werde schwieriger. So besuchte er als Ehrengast die Premiere der Amthof-Festspiele und kam ein paar Tage später noch einmal mit der Familie - weil das allen gefällt, und diesmal die anderen Schwierigkeiten mit dem Premieren-Termin hatten. Beim „Stadtradeln“ war das einfacher: „Das haben wir alle zusammen gemacht. Mit sehr viel Spaß.“

Gemeinsame Hobbys: Die Mädchen überlegen. Sie haben geholfen, 5000 kleine Päckchen für den Wahlkampf zu bedrucken. „Alles Handarbeit.“ Was es genau ist, wollen sie aber nicht verraten. Das soll eine Überraschung werden. Überhaupt: Die drei sind stolz auf ihren Vater als Bürgermeister, unterstützen, dass er wieder antritt. Maria Vogel formuliert es so: „Er bringt sich ein, das mit sehr viel Zeit. Ich denke, dass es nicht selbstverständlich ist, überall dabei zu sein. Er besucht jede Ortsbeiratssitzung. Das ist, wie ich gehört habe, nicht überall die Regel.“

Ortsbeirat - Jens-Peter Vogel erklärt: Im Gegensatz zur Stadtverordnetenversammlung haben diese Gremien nur eine beratende Funktion. Die Stimme der Stadtteilvertretung wird gehört, doch am Ende entscheidet das Stadtparlament. Das ist Arbeit, die nach außen hin kaum jemand wahrnimmt. „Dennoch ist es mir wichtig, dabei zu sein. Nicht nur, weil ich manche Frage beantworten kann, sondern auch, weil ich Anregungen mit in die Verwaltung nehme und etwas klären kann. Wir bemühen uns immer um eine Lösung.“

Initiativen begleiten und Kräfte bündeln

Akzeptanz: Die ist ihm wichtig, sagt er. Gerade deshalb suche er diesen direkten Kontakt. „Ohne vollen Einsatz geht es nicht.“ Viele Anfragen gebe es natürlich auch per Telefon, E-Mail oder bei Gesprächsterminen im Rathaus. Nicht nur da. „Wenn wir spazieren gehen, kommt immer etwas dazu“, sagt Maria Vogel. Meistens beginne ein solches Gespräch so: „Eigentlich mache ich das ja nicht, dass ich Sie so anspreche, aber. . .“

Kurze Wege. Bad Camberg ist eben doch eine kleine Stadt, wenn auch die zweitgrößte im Kreis mit rund 14 000 Einwohnern. „Und die sind sehr aktiv“, meint der Rathaus-Chef schmunzelnd. „Das ist auch gut so“, erinnert er an Aktionen wie die rasche Gründung und das große Engagement in der Ukrainehilfe. „Das ist nur ein Beispiel, das zeigt, wie schnell die Bad Camberger reagieren. Und wie hilfsbereit sie sind.“ Solche Initiativen zu begleiten, Kräfte zu bündeln, Kontakte zu nutzen - das ist der Teil der Arbeit, der ihm am besten gefällt.

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