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Die Selbstversorgerküche und der Essraum gehören mit zur Ausstattung, auf die Kindergartenleiterin Annette Zinndorf (links) stolz ist. Eltern und Kinder waren gestern begeistert.

Montag ist Einzug

Jetzt geht es in die neue Erbacher Kita

  • vonPetra Hackert
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Die Stadt Bad Camberg investiert 5,5 Millionen Euro. Gestern kamen die ersten Kinder zu Besuch.

Bad Camberg – Sie traten in sehr kleinen Gruppen ein, immer eine Familie beieinander. Hände desinfizieren, Masken tragen (nur die Erwachsenen), dann durften Große und Kleine gestern zum ersten Mal begutachten, wie die neue Kita in Erbach geworden ist. "Wunderschön" und "unheimlich groß", so die Aussagen der Eltern. Sie zeigten sich durchweg begeistert von den Räumlichkeiten und der Ausstattung.

Die kleinen Besucher waren schon ein wenig aufgeregt. Bei ihrem Baustellenbesuch im Juni hatten die Mädchen und Jungen noch nackte Wände und viel Beton gesehen. Gestern drang der Geruch von frischer Farbe in die Nase. Alles ist freundlich, hell. Auf den Böden der Gruppenräume liegen Teppiche, um am Boden spielen zu können. "So konnten wir das vorher gar nicht machen, da ja auch in den Räumen gegessen wurde. Alles war durchmöbliert", sagt Annette Zinndorf. Jetzt freuten sich die Kinder, dass nicht alles mit Tischen und Stühlen vollgestellt ist. Die kleine Spielzeugküche und die Burg wurden sofort verwendet. Ein Blick in den gut aufgeräumten Schlafraum zeigt: Zur Ruhe kommen können die Kinder auch.

1200 Quadratmeter Grundfläche

Die neue Tagesstätte, die neben dem Friedhof entstanden ist, kann 112 Kindern Platz bieten. So viele sind auch bereits angemeldet. Sie umfasst bei einer Grundfläche von etwa 1200 Quadratmetern etwa 5900 Kubikmeter umbauten Raum, so das Stadtbauamt.

Die Einrichtung ist in enger Abstimmung mit der Kita-Leitung und den Elternvertretern entwickelt worden. Helmut Kotyrba, Architekt und Stadtrat der SPD, hatte sich ehrenamtlich eingebracht und die Pläne entwickelt. Als Küchenkonzept wurden seinerzeit das so genannte Cook-&-Chill-Verfahren und die Selbstversorgerküche geprüft. "Aus Kostengründen wurde sich für die Selbstversorgerküche entschieden, so dass eine Zulieferung durch einen Caterer zukünftig entfällt", sagt Kotyrba.

Nachhaltigkeit: Darauf habe man großen Wert gelegt. "Wir haben nicht nur ökonomisch gedacht, sondern auch ökologisch - etwa durch die solare und passive Energiegewinnung", sagt der Experte. Diese Kombination schaffe von Grund auf die Voraussetzungen, mit denen ein Gebäude auch langfristig rentabel bleiben könne. Ziel ist, beim Betrieb praktisch unabhängig von steigenden Strompreisen aktiv einen Beitrag zur Energiewende zu leisten.

Das sehen die Kinder natürlich nicht, die zum ersten Mal feststellen, wie es in der neuen, großen Kita "Kinderwelt St. Mauritus" aussieht. Sie wird künftig, wie der bisherige Kindergarten, von der katholischen Kirche betrieben, die für wesentliche Teile des Betreuungsangebotes einen Kostenanteil von 15 Prozent der laufenden Betriebskosten trägt, sich außerdem mit einem Zuschuss von 240 000 Euro an der Einrichtung beteiligt. Der Streit zwischen Stadt und Kirche um die Errichtung des Gebäudes ist Geschichte.

Viel Abstand in der Zeit der Pandemie

Für die Kinder steht jetzt der große Umzug an. Kita-Leiterin Annette Zinndorf und ihr Team haben das Ganze auch pädagogisch - und mit Blick auf die Covid-19-Pandemie - gut vorbereitet. In den großen Räumen fällt das Abstandhalten von vornherein leichter. Dies wird den künftigen Betrieb sicherer machen. Bei der Besichtigung galt folgende Regel: Nur zusammen mit den Kindern schauen sich die Erzieherinnen ohne Maske um, sind Eltern dabei, werden Masken getragen.

Am Montag packen dann alle ihr Lieblingsspielzeug ein und ziehen ganz offiziell um. Das ist schon anders: Viel mehr Platz, und erst einmal viel weniger drin. "Erinnern Sie sich noch an die spielzeugfreien Zeiten?", fragt Annette Zinndorf. "Das Haus ist vom Feinsten, ebenso die Größe. Das bekommen wir als Rückmeldung von Kindern und Eltern." Die Ausstattung werde sich nun weiterentwickeln. Es gab Kinderkonferenzen, wöchentlich oder nach Bedarf. "Die Ergebnisse sind meist nicht an unseren Vorstellungen orientiert." Die Erwachsenen haben dazugelernt. Jetzt funktioniert alles so: Die Räume sollen nicht schon bei Einzug fertig möbliert sein. Die Grundausstattung ist natürlich da, doch das Lebensumfeld der Kinder entwickelt sich. Daran können sie jetzt selbst teilhaben, wenn sie ihre Kita mit Leben erfüllen.

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