Jüdisches Leben früher und heute

Aus sehr unterschiedlichen Perspektiven befassen sich zwei Autorenlesungen in Bad Camberg mit dem Leben von Juden in der Region. Sowohl die amüsanten Erlebnisse einer aus Israel zugewanderten Familie wie auch die Geschichtsforschung insbesondere über die Verfolgung der Juden finden ihren Platz.

Die Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg lädt für Freitag, 4. April, und Freitag, 9. Mai, zu Autorenlesungen in das Kurhaus Bad Camberg ein. Sarah Diehl und Dr. Bernd Weil werden dann aus ihren Werken lesen, die das Leben der Juden in der Gegenwart und in der Vergangenheit behandeln.

Sarah Diehl, geboren in Erbach, liest am 4. April um 19.30 Uhr aus ihrem Erstlingswerk „Eskimo Limon 9“: Eine jüdische Familie zieht aus Tel Aviv in die deutsche Provinz nach Niederbrechen, weil der Vater dort einen Job angeboten bekommen hat. Während sich Vater Chen in die Arbeit stürzt und Mutter Ziggy versucht, sich mit Hilfe des altlinken Dorfkauzes Rainer Koffel in der neuen Heimat zurechtzufinden, klärt der elfjährige Eran seine interessierten Mitschüler darüber auf, dass die Eis-am-Stiel-Filme, anders als von der Dorfjugend vermutet, nicht aus Italien, sondern aus Israel kommen – wo sie Eskimo Limon heißen. Während also kein Mangel an Gesprächsstoff besteht und die Voraussetzungen für eine gelungene Integration eigentlich bestens sind, verspürt die Dorfbevölkerung das zunehmende Bedürfnis, unter Zuhilfenahme der Zugezogenen das „Dritte Reich“ aufzuarbeiten. Dabei tritt in einem Reigen von Missverständnissen die Wahrheit zutage: Die Deutschen wissen zwar vieles über Judenvernichtung, aber kaum etwas über Juden... Die Lesung von Sarah Diehl wird mit Unterstützung und in Kooperation mit der Stadt Bad Camberg angeboten.

Jahrelange Forschung

Die zweite Autorenlesung am 9. Mai um 19 Uhr behandelt das Schicksal der jüdischen Familien aus Eisenbach. Der Eisenbacher Autor Dr. Bernd Weil wird einen Vortrag mit Bildpräsentation zu seinem neu erschienenen Buch „Unvergessene Nachbarn“ halten. Der promovierte Historiker hat in rund 80 Archiven in Deutschland, Polen, Tschechien, Israel, Großbritannien, Schweden, Österreich, Luxemburg und Amerika recherchiert und dokumentiert erstmals das Schicksal der Eisenbacher jüdischen Familien lückenlos über sieben Generationen. Den thematischen Schwerpunkt stellt die Zeit des Nationalsozialismus dar. Dr. Weil wird neueste Forschungsergebnisse vorstellen und durch zahlreiche Fotos und Originaldokumente (auch von überlebenden Angehörigen) belegen. Die Lesung von Bernd Weil wird mit Unterstützung und in Kooperation mit der Stadt Bad Camberg und dem Verein Historisches Camberg angeboten.

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