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Die Jugendlichen Darsteller beim Casting sind auch das erste Publikum, das sich mit der Bad Camberger Version des ?Herrn der Diebe? im Kurhaus beschäftigt hat.

Der Herr der Diebe

Jugendbühne „Individuell“ bereitet sich auf drei Aufführungen vor

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Noch stehen sie mit Textheft und in Zivilkleidung auf der Kurhaus-Bühne, im Januar wird sich das ändern. Elf Kinder und Jugendliche waren zum Casting für den „Herrn der Diebe“ gekommen. Die Jugendbühne „Individuell“ des Bad Camberger Festspielvereins wird es im Januar mehrmals aufführen. Jetzt konnte jeder kommen, der mitmachen möchte.

„Wahnsinn“, sagt Bo. Er bewundert den „Herrn der Diebe“, dem es gelingt, der Kinderbande immer wieder die besten Beute mitzubringen. Die Zuckerzange ist schon etwas Besonderes. Sehr wertvoll. Das wissen die Kinder zu schätzen, die die einzelnen Stücke verkaufen und damit ihren Lebensunterhalt bestreiten werden. So auch Bo.

Diesmal ist alles etwas anders: Hanna ist dreimal Bo. Die Neunjährige ist mit Abstand die Kleinste beim Casting der Jugendbühne „Individuell“ im Bad Camberger Festspielverein. Regisseur Eicke Rücker-Klapper hat sie gesehen, und gleich festgestellt: „Die Rolle würde ich gerne in Deiner Größe besetzen.“ Er zeigt auf Hanna, sie greift sich das Manuskript, und los geht’s. Immer wieder wird die gleiche Szene gespielt, und weil Bo eine recht kleine Rolle ist, die größeren Kinder und Jugendlichen sich an mehr Text wagen, ist Hanna erst einmal gebucht. Sie wird immer sicherer, je öfter sie liest. Und sie sieht: Einige ihrer potenziellen Mitschauspieler sind schon ganz schön fit.

Henrik spielt den Conte, den würdigen, alten Mann, der „Räuberhauptmann“ Scipio beauftragt, etwas Besonderes zu stehlen. Einen Flügel. „Ein Klavier?!?“, fragt Bastian ungläubig. „Ein Klavier?!?“, wird auch die ältere Hanna fragen, die gleich Scipio ist. Den Conte gibt nun Rosalie, ebenfalls sehr streng und würdevoll.

Die Kinder beginnen, sich in ihre Rollen einzufühlen, und das ist schon ein wenig mehr als lesen. Sie nutzen die Bühne im kleinen Kurhaus-Saal. Bei den Aufführungen im Januar werden sie auf die noch größere Bühne im großen Saal wechseln. Doch das Lampenfieber ist jetzt schon da. Luis (14) spielt selbstsicher, mit sehr deutlicher Aussprache, er nutzt einen weiten Teil der Bühne, bleibt nicht auf der Stelle stehen. Seine Augen blitzen. Hellwach. Er ist zum ersten Mal bei einem Casting in Bad Camberg. In der Schule hat er schon Theater gespielt. „Es hat Spaß gemacht“, sagt er anschließend. Und: „Ja, ich war aufgeregt.“

Das geht auch den anderen so, obwohl manche schon Festspielerfahrung haben. Zum Beispiel Svenja (16). Ihre Eltern spielen in Bad Camberg auch Theater, deshalb hat es sich irgendwie ergeben, dass sie mit eingestiegen ist. Es macht ihr großen Spaß. Emma (16) war im letzten Jahr zum ersten Mal dabei und hat Lunte gerochen. Auch Eicke Rücker-Klapper, der in der Taunusschule und für den Festspielverein als Darsteller aktiv ist, mag das Spielen nicht mehr lassen. Mehr noch: Zum zweiten Mal ist er der Regisseur der Jugendbühne. Das Casting hat er gut vorbereitet.

Vereinsvorsitzender Timo Pfanzer, selbst Schauspieler, Regisseur und Autor, sowie Irmgard Abend, Darstellerin und oft auch Souffleuse, geben Tipps. „Lass sie sich doch erst einmal vorstellen“, hieß es am Anfang. So konnte jeder Interessierte sagen, wer er ist, warum er spielen möchte, sich ein wenig frei reden – hilfreich, auch wenn sich manche schon durch das gemeinsame Spielen kennen.

Theaterspielen stärkt das Selbstbewusstsein. Das haben die Kinder und Jugendliche gemerkt. Es fällt beim Zuschauen auf, schon beim Casting, das noch gar keine Probe ist. Wer sich ins Zeug legt, braucht kaum noch das Textblatt. Auch wenn die ein oder andere Rolle sicher noch ganz anders angelegt wird. Das wird die Regiearbeit zeiten. Kalt und ein wenig abweisend wünscht sich Eike Rücker-Klapper den „Herrn der Diebe“ Scipio manchmal. Dieser Charakter ist noch vielschichtiger. So hat es Kinderbuchautorin Cornelia Funke angelegt, und das wird noch herausgearbeitet bis zu den Aufführungen im Januar.

Premiere ist am Freitag, 25. Januar, um 18 Uhr im großen Saal des Kurhauses, weitere Aufführungen finden am Samstag und Sonntag, 26. / 27. Januar, jeweils um 16 Uhr ebenfalls im großen Kurhaus-Saal statt. Karten kosten im Vorverkauf für Kinder bis 14 Jahre fünf, für Erwachsene neun Euro (mit Ehrenamtskarte oder Camberg-Pass zwei Euro Ermäßigung, Inhaber einer Kurkarte erhalten keine Ermäßigung). Der Kartenvorverkauf startet ab dem 1. Dezember.

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