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Eine Statue der Justizia.

Elysium-Verfahren

Kinderpornos: Prozess beginnt ungewöhnlich schnell

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Die vier Angeklagten im „ELYSIUM“-Verfahren kommen ungewöhnlich schnell vor Gericht: Am 2. August beginnt in Limburg der Prozess, in dem es um die bandenmäßige Verbreitung von kinderpornografischen Fotos und Videos im Internet geht. Als Haupttäter gilt ein 40-Jähriger aus Bad Camberg.

Es ist einer der größten Prozesse um Kinderpornografie in Deutschland. Der Vorsitzende Richter Marco Schneider hat vorerst zwölf Verhandlungstage angesetzt – aber noch keine Zeugen geladen. Die Beteiligten werden sich zunächst auf das Anschauen von Bild- und Videodateien beschränken. „Das wird sicher nicht schön für die Kollegen“, sagte Landgerichtssprecher Henrik Gemmer gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Die Aufnahmen zeigen unter anderem schwersten sexuellen Missbrauch von Kindern, darunter auch von Kleinstkindern.

Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatte Mitte Mai Anklage gegen vier Männer im Alter von 40 bis 62 Jahren erhoben. Das Landgericht hat daraufhin zügig das Hauptverfahren gegen sie vor der ersten großen Jugendkammer als Jugendschutzkammer eröffnet. Auftakt ist am 2. August. Danach sind elf weitere Termine bis zum 29. November geplant.

Inwieweit der Prozess öffentlich ist, bleibt abzuwarten. Es liegen bereits Anträge vor, die Öffentlichkeit zumindest teilweise auszuschließen.

Den Angeklagten wird insbesondere zur Last gelegt, die kinderpornografische Plattform „ELYSIUM“ im sogenannten Darknet, dem verborgenen Teil des Internets, betrieben beziehungsweise sich am Betrieb beteiligt zu haben. Die als Forum gestaltete Plattform war international ausgerichtet und diente einem weltweiten Austausch von Kinderpornografie durch Mitglieder sowie für Verabredungen zum sexuellen Missbrauch von Kindern. Bis der Kinderporno-Ring vor einem Jahr aufflog, hatten die Mitglieder insgesamt 1866 Thread-Beiträge verfasst. Ein Team des Bundeskriminalamtes wertete Millionen Dateien aus.

Die vier Hauptbeschuldigten sitzen in Untersuchungshaft, darunter ein 40-Jähriger aus Bad Camberg. Der Vater von zwei Kindern hatte die Technik für „ELYSIUM“ in seiner Autowerkstatt installiert. Er soll die Plattform im Dezember 2016 mit einem 58-Jährigen aus dem Landkreis Tübingen federführend aufgebaut und der kinderpornografischen Szene zur Verfügung gestellt haben.

Der Handwerksmeister soll laut Anklage für den Betrieb des Servers der Plattform verantwortlich gewesen sein und ausschließlich Zugriff auf diesen gehabt haben. Neben der Administration der Darknet-Plattform mit am Ende über 111 000 Mitgliederkonten soll er auch als Moderator in einem der Chat-Bereiche fungiert haben. Ihm wird zudem zur Last gelegt, einen gesondert verfolgten Tatverdächtigen mehrfach veranlasst zu haben, Aufnahmen eines Kindes in sexuell aufreizenden Posen herzustellen und ihm zu übersenden.

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