Bauprojekt

Klares Votum gegen Eventhalle

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Die Absicht des Frankfurter Investors Abidin Yasar, die alte Nagel-Halle in Würges zur Eventhalle umzubauen, stößt weiter auf Widerstand. Der Schwiegersohn des in Oberselters lebenden Bauherren Arif Isik hatte in einer Bürgerversammlung die Bedenken gegen das Projekt nicht ausräumen können. Jetzt steht die Genehmigung durch das Kreisbauamt an.

Sie beharren eindringlich auf Klärung der Situation im Sinne der Würgeser. Unter Applaus hat die Stadtverodnetenversammlung einstimmig beschlossen, sich noch einmal mit Nachdruck dafür einzusetzen, die geplante Eventhalle mitten im Ortskern zu verhindern. Das Problem: Das Gebiet ist als Mischgebiet ausgewiesen, zuvor war dort die Firma Nagel angesiedelt.

Handwerksbetriebe sind etwas anderes als Eventhallen mit einem ganz anderen Publikum, besonders bei Großveranstaltungen. Die Würgeser fürchten die große Zahl der Besucher, den Lärm, den Verkehr und die Auswirkungen auf das Gemeindezentrum, das ebenfalls in diesem Bereich liegt, gleich dem Pfarrheim gegenüber. Schon jetzt ist die Parksituation bei Veranstaltungen angespannt.

Das Thema war nicht zum ersten Mal Gegenstand der Debatte in der Stadtverordnetenversammlung. Die Bad Camberger haben eine Unterschriftenliste übergeben, stehen in Kontakt mit dem Kreisbauamt, bei dem das Projekt Eventhalle nun zur Genehmigung ansteht. Sie fürchten, es aus rechtlichen Gründen (weil das Gebiet ein Mischgebiet ist) nicht verhindern zu können. Doch was ist mit der zu erwartenden Belastung und dem Frieden im Dorf? „Welcher Investor tut sich so etwas an?“, so eine der Fragen. Mehr als 100 Zuschauer aus Würges verfolgten die Debatte.

Der Würgeser Orstvorsteher und Stadtverordnete Klaus Wagner (CDU) erläuterte den Dringlichkeitsantrag seiner Fraktion. „Wie wird der Schutz der umliegenden Wohnbereiche vor unzumutbarer zusätzlicher

Lärmbelastung

, speziell durch Lärmquellen im Außenbereich und bei Ankunft und Abfahrt in der Nacht entstehenden unkalkulierbaren Belastungen, gewährleistet?“, fragt die CDU. Das besonders nachts. „Wie wird die ungehinderte Nutzung der Freiflächen von Gemeindezentrum, Pfarrheim inklusive der Pfarrer-Neubig-Straße und Teilen der Neuen Straße durch die Würgeser Vereine und Institutionen speziell an Feiertagen, zur Kerb, an Fasching, bei Großveranstaltungen im Gemeindezentrum gewährleistet?“, heißt es weiter. Unter anderem. Wie hoch wird die maximale Belegungszahl der Eventhalle sein, und wie gedenkt man, genehmigungsseitig zu gewährleisten, dass sie eingehalten wird?

Auflagen und

Kontrollen

waren weitere Punkte der Diskussion. Denn: Die Würgeser Vereine sprächen sich ab und legten Wert darauf, ihre Veranstaltungen im Rahmen und überschaubar zu halten. „Ich bin sehr skeptisch, ob man, wenn hier etwas nicht klappt, am Ende der Sache noch nachgeht. Am Ende des Tages wird keine Kontrolle erfolgen“, bezog sich Wagner auf die angespannte Personalsituation. „Ich erwarte, dass man mit der Genehmigungsbehörde diese Punkte durchgeht und klipp und klar abspricht.“ Schließlich habe er erfahren, dass das Tor zur Pfarrer-Neubig-Straße hin abgerissen wurde. Wagner: „Es kann nicht sein, dass die ehemalige Behelfsausfahrt der Firma Nagel jetzt zur Hauptzufahrt wird.“

Diese und weitere Punkte wurden einstimmig beschlossen, der Magistrat beauftragt, der Stadtverordnetenversammlung im August zu berichten und wegen der Eilbedürftigkeit bis 20. Juli den Fraktionsvorsitzenden und dem Ortsvorsteher einen Zwischenstand mitzuteilen. Wagner: „Wir haben auch die Befürchtung, dass die dauerhafte Nutzung des Gemeindezentrums in Frage gestellt wird und wir in Zukunft dafür keinen Pächter mehr finden werden.“ Es bestehe die Absicht, in den nächsten Tagen eine Bürgerinitiative zu gründen.

Jürgen Eufinger, Simon Steioff (beide SPD) und Dieter Oelke (Bündnis 90/Die Grünen) signalisierten sofort Unterstützung. Julia Schlösser (SPD) warnte, da auch das Fernsehen eingeschaltet werden sollte, vor einem falschen Bild, das nicht entstehen dürfe. „Das Thema türkische Großhochzeiten ist ja schon angesprochen worden. Aber es geht uns insgesamt um die Lärmbelästigung und die anderen Beeinträchtigungen, egal welche Events dort stattfinden werden. Ich möchte nicht, dass irgendwann die Schlagzeile erscheint, ,Camberger sind gegen türkische Hochzeiten‘.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Daniel Rühl sah das anders: „Wir haben in der Bürgerversammlung den Betreiber und Investor erlebt, die ganz klar gemacht haben, ,Wir feiern anders als Ihr‘. Diese Halle ist für türkische Hochzeiten. Wir sollten da nicht aus politischer Korrektheit verschweigen und nicht benennen, was offenkundig ist. Sonst brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn Menschen populistische Parteien wählen.“ Julia Schlösser reagierte mit einer persönlichen Erklärung am Schluss des Sitzung: „In der heutigen Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit wieder zunimmt, sollten wir als demokratisch denkende Parlamentarier besonders aufmerksam sein, diese Tendenz nicht zu unterstützen. Ich erwarte, dass es in diesem Parlament möglich ist, einen Redebeitrag zu leisten, der weder Personen oder andere Fraktionen angegriffen hat, noch andere politische Meinungen kritisiert hat, ohne dafür in einer derart persönlichen Weise von einem Parlamentskollegen diskreditiert zu werden.“

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