Das große Vorbild: Kathleen und Luke Sliwa vor der Sebastian-Kneipp-Skulptur. Jems Robert Koko Bi, einer der bedeutendsten afrikanischen Künstler, hat sie für Bad Camberg angefertigt.
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Das große Vorbild: Kathleen und Luke Sliwa vor der Sebastian-Kneipp-Skulptur. Jems Robert Koko Bi, einer der bedeutendsten afrikanischen Künstler, hat sie für Bad Camberg angefertigt.

Bad Camberg: Wenn so viel verboten ist, wird das, was geht, zum geschätzten Hochgenuss.

Kneipp-Rallye: Erfrischend für Körper und Geist

  • vonPetra Hackert
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Wie die Kneipp-Rallye, die Eltern, Kinder und Erzieherinnen der Kneipp-Kita "Spatzennest" in diesem Jahr separat gemacht haben. Jeder kann das nun auch tun, denn sie geben ihre guten Gedanken weiter.

Corona, Angst, Corona. Alles was Freude macht, geht nicht. Alles? Nein! Es geht noch sehr viel. Gerade, wenn man Kneippianer ist und Spaß an der Bewegung an der frischen Luft hat. Dann ist alles möglich, mit Abstand, geschützt und mit sehr viel Input. Das hat gerade die Kneipp-Kita "Spatzennest" in Würges gezeigt. Die jährliche Kneipp-Rallye in Zusammenarbeit mit der Kurverwaltung hat jedes Jahr Hunderte von Kindern in Bewegung und in den Kurpark gebracht. Corona, Angst, Corona. Diesmal nicht. Fast.

Das "Spatzennest" hat sich entschieden, eine eigene Kneipp-Rallye zu entwickeln. Die Kinder, die Eltern, die Verwandten: Alle haben sich auf den Weg in den Kurpark gemacht, um die Rätsel zu lösen. Nicht gemeinsam, nicht zur gleichen Zeit. So war Abstand halten leicht möglich. Erst kurz vor Schluss haben sie die Presse informiert. Aber das macht nichts, denn weil das Ganze so gut war, haben sich zwei Kneippianer bereiterklärt, diese Rallye noch einmal zu machen. Begleitet, um veröffentlicht zu werden: Voller guter Gedanken, Freude und Ideen schritten sie ans Werk. Nachahmen ist erwünscht und empfohlen!

Luke ist zwei Jahre alt. Im Dezember wird er drei. Der Kleine ist so fit, er weiß schon zu Beginn der Rallye, was er will: "Ins Kneippbecken!" - "Nicht jetzt, das machen wir später", verspricht seine Mama Kathleen Sliwa. Denn sie weiß: "Wenn er einmal da drin ist, bekommen wir ihn nicht mehr da raus." Luke liebt das Wasser, und was für die Erwachsenen aussieht wie ein komfortables Tretbecken ist für ihn fast schon ein kleines Schwimmbad. Nur dass man das im Storchengang durchquert, doch davon später.

und Erkältung

Wir lassen also das mit frischem Wasser gefüllte Becken links liegen und gehen direkt in den Kräutergarten, vorbei am Insektenhotel, der Wildblumenwiese, gleich zu den anderen Pflanzen. Sofort hat das Kind die Minze erkannt. Das ist leicht. Wenn man die Blättchen reibt, steigt ein Geruch auf, wie Kaugummi. Kneipp-Erzieherin Claudia Beinstein hält das zarte Pflänzchen noch einmal unter die Nase. Es riecht stark und angenehm.

"Zu Hause haben wir auch Walderdbeeren", erklärt Kathleen Sliwa. Noch sieht man bloß die Blättchen, aber Luke wartet schon auf mehr. "Gibt's auch rosa Erdbeeren?", will er wissen. Die Mutter erklärt: "Wenn sie schlüpfen, sind die Erdbeeren noch ganz hell, weiß-gelb. Die Sonne färbt sie schon etwas rosa. Richtig reif sind sie dann rot." Weil Luke es so wollte, hat die Familie schwarze Johannisbeeren gepflanzt. Die mag er sehr. "Die gab's gestern bei Lenny im Garten", erzählt das Kind. Bis die eigenen Früchte tragen, wird es noch dauern.

Kräuter gegen Husten und Erkältung gibt es im Kneipp-Kräutergarten. Ein Kohlweißling fliegt vorüber. Luke hat genug gesehen. Er will weiter zum Wackelbalken. Der steht bei den Sportgeräten im Kurpark. Wie gut er balancieren kann, zeigt er sofort. Weiter geht es viel weiter hoch in den Park. Dort stehen Sonnenliegen. Ein klein wenig ausruhen und erfrischen tut gut nach der langen Wanderung durch den riesigen Kurpark - in Kinderschritten gemessen.

Der Weg über die Schlucht fällt leicht, dank der neuen Brücke. Die Familie bemerkt die Holzskulptur von Britta Röll. Sie stand einmal vor dem Familiencentrum (FaCe) als Dauerleihgabe und hat jetzt im Kurpark einen Platz gefunden. Und sie gibt Rätsel auf. "Wie viele Köpfe sind zu sehen?", lautet eine Frage des Kneipp-Quiz. Luke zählt. Hier ein Kopf, da noch einer. Am Schluss sind es elf. Das hätte er in den Kneipp-Fragebogen eintragen können. Komisch. Bei der Rallye hatte er nur zehn gezählt.

Hin und zurück geht es wieder zum Tretbecken. Jetzt hat Luke seiner Erholung und Erfrischung verdient. Ein Gang durchs Wasser oder ein Armbad - beides wirkt anregend auf den Kreislauf. Deshalb wird es auch der "Kneipp'sche Bohnenkaffee" genannt. Mitten in der Sonne liegt das Becken am Kurmittelhaus (Gesundheitszentrum im Kurpark). Nur: Gerade werden die Bäume geschnitten. Äste könnten herunterfallen und Luke auf den Kopf. Also ändern wir den Plan: Es geht Richtung Freiluft-Schach zum anderen Tretbecken.

Das ist das Problem: Es liegt im Schatten. Das Wasser ist bestimmt viel kälter, könnte man meinen. Luke bestätigt das sofort: Kaum hat er einen Fuß hineingestreckt, will er schon wieder hinaus. "Ich trau' mich. . . nicht!" Mehrere Male probiert er's, dann wird schnell ins Wasser gewetzt und gleich wieder raus. Die Mama zeigt den Storchengang, schön ordentlich. Was kommt danach? "Das Wasser abstreifen", sagt Luke. Mama hört. Er erklärt. Für den Selbsttest hat er jetzt nicht die rechte Muße.

der Dinge

Das ist eine der Kneipp'schen Lebenserfahrungen: Alles hat seine Zeit, und das rechte Maß der Dinge ist wichtig. Luke, der stundenlang im Kurpark verbringen kann, macht das jetzt deutlich. Er hat mit allen Sinnen viel erlebt: die Kneipp'schen Säulen Bewegung, Wasser, Ordnung, Kräuter. Die Letzte, die Ernährung, folgt mit einem riesengroßen Eis. Belohnung für seine zweite Kneipp-Rallye in diesem Jahr, die andere animieren soll, es einfach einmal selbst zu versuchen. Als Handreichung veröffentlichen wir an dieser Stelle die Fragen und Antworten, die das "Spatzennest" zusammengetragen hat - zum Selbsttest empfohlen. Und eins ist klar: Egal, ob es eine große, gemeinsame oder sonstwie geartete Kneipp-Rallye im nächsten Jahr geben oder nicht geben wird: Das "Spatzennest" wird wieder eine machen, sich neue Fragen ausdenken und einfach loslegen. Der Fundus an Interessantem im Bad Camberger Kurpark und den Lebensweisheiten des Wasserdoktors Sebastian Kneipp ist groß. Das reicht noch für viele, viele Rallyes.

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