NNP-Redakteurin Petra Hackert genießt das Schneetreten an der frischen Luft.
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NNP-Redakteurin Petra Hackert genießt das Schneetreten an der frischen Luft.

Es bleibt nicht lange kalt

Kneipp-Tipp zum Start ins Jubiläumsjahr: Schneetreten

  • Petra Hackert
    VonPetra Hackert
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Wir nehmen den 200. Geburtstag von Sebastian Kneipp zum Anlass, die Serie "Fit mit Kneipp" fortzusetzen, in etwas anderer Form.

Bad Camberg -Seit Wochen liegt der Inzidenzwert bei über 200. Der Kreis Limburg-Weilburg ist ein Corona-Hotspot, auch wegen der zahlreichen Infektionen in Seniorenheimen und Krankenhäusern. Der Bewegungsradius ist auf 15 Kilometer bei touristischen Ausflügen beschränkt, es gibt nachts zwischen 21 und 5 Uhr eine Ausgangssperre, die täglichen Begegnungen sind begrenzt. Natürlich keine guten Voraussetzungen, um die Kneipp'schen Lehren bei Kursen oder Treffen zu vertiefen. Doch was geht?

Das älteste hessische Kneipp-Heilbad

"Sehr viel", meint der frühere Bad Camberger Bürgermeister Wolfgang Erk (SPD). Er ist nun Vorsitzender von "Wir für Bad Camberg" (früher Kur- und Verkehrsverein) und gemeinsam mit seiner Frau Susanne Kneipp-begeistert. Kein Wunder: Schließlich ist Bad Camberg, die einzige Kurstadt im Kreisgebiet, das älteste hessische Kneippheilbad und das drittälteste in Deutschland.

Auf fünf Säulen fußen die Kneipp'schen Lehren, die seit den 20er Jahren des vorhergehenden Jahrhunderts auch Camberg prägen: Wasser, Ernährung, Bewegung, Ordnung und Kräuterkunde. Bereits die Kinder lernen in den Kneipp-Kitas damit umzugehen. Jetzt, in der Winterzeit, empfiehlt der Deutsche Kneippbund eine Wasseranwendung. Fast. Denn eigentlich geht es um Schnee. Auch Wolfgang Erk hat es schon gemacht, noch öfters allerdings das Tautreten. Die Würgeser Kita-Kinder aus dem Spatzennest und die aus der Kinderoase in der Kernstadt kennen das schon. Sie haben ihren eigenen kleinen Kräutergarten und eine eigene Wiese, auf der sie das Tautreten praktizieren.

Doch zurück zum Schnee. Die Empfehlung des Kneippbunds liest sich so: "Eine besondere Kneipp'sche Anwendung für den Winter ist das Schneetreten. Denn Schnee ist ein äußerst wirksames Mittel zur Stärkung der Abwehrkräfte. Zudem kann er gegen Abgeschlagenheit, Müdigkeit und in manchen Fällen auch gegen chronische Kopfschmerzen helfen, senkt Infektanfälligkeit und vermindert sogar in einigen Fällen übermäßige Fußschweißbildung. Ein wahres Multitalent für die Gesundheit, das derzeit in vielen Gärten liegt."

Das könnte also fast jeder machen - sofern Schnee liegt. In Limburg gerade nicht, wohl aber im Homeoffice-Standort, weshalb es einfach ist, den Selbsttest zu starten. Ein langer Morgen mit Redaktionsarbeit, dann das gute Mittagessen: Jetzt wird man leicht müde. Ein kleiner Mittagsschlaf wäre spitze - wäre die viele Arbeit nicht. Und die Lust. Die Lust am Schreiben und Testen. Die Empfehlung des Kneippbunds liest sich so gut. Mit Handtuch, Mütze, Jacke und etwas kürzerer Hose geht es ab in den Schnee. Ich gebe zu: Kühle Temperaturen machen mir wenig aus. Das ist keine Überwindung. Wahrscheinlich, weil ich den ganzen Sommer geschwommen bin, noch bis Ende Oktober im Herthasee, wenn auch nur sehr kurz. Kalt-Warm-Anwendungen sind klasse. Zur Stärkung der Abwehr fällt in der Coronazeit der gewohnte Saunabesuch flach - nicht möglich. Deshalb freue ich mich auf diesen Test, und es fällt nicht schwer, raus aus den Stiefeln und hinein in den Schnee zu stapfen.

Fast wie im Kneipp-Tretbecken

Das Gehen im Storchenschritt erinnert mich an den Gang durch die Kneipp-Tretbecken im Bad Camberger Kurpark. Wir brauchen Bilder von der Aktion, also muss ich länger stapfen. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt und stelle fest: gar nicht so übel. Meinem Fotografen wird kalt. Er hätte die wärmere Jacke anziehen sollen. Ich schaue auf seine dicken, festen Winterstiefel und meine nackten Füße - und habe Spaß dran. Etwas mehr als drei Minuten später stecken auch die wieder in den warmen Schuhen, und es geht hinein. "Magst Du jetzt ein warmes Fußbad?", fragt er vorsorglich. "Nein, eher nicht." Im Gegenteil. Die Füße erwärmen sich von selbst. Das Gefühl ist wunderbar. Mehr noch: Ich bin hellwach. Keine Spur von Mittagsmüdigkeit. Gleich geht's weiter ans Schreiben. Ich nehme mir vor: Morgen muss ich wieder Schneetreten, wenn auch nicht aus redaktionellen Gründen. Meine Empfehlung: Probieren Sie es aus, sobald die Natur es zulässt. Ein kleines, feines und sehr erfrischendes Erlebnis, das geht. Auch in der Corona-Einsamkeit.

Das Video zum Schneetreten

Videos zum Tipp des Deutschen Kneippbundes finden Interessierte auf Instagram: kneippbund_de und Youtube: Kneipp-Bund e.V.

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