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Die Fotografin Marlies Imhof hat einen Wohlfühl-Ort festgehalten, so wie es ihn nur einmal gab: Der Amthof-Innenhof, für ?Ab in die Mitte? illuminiert. Die alte Amthof-Linde war den ganzen Abend über grün angestrahlt, die Lichter an der Fachwerk-Umgebung wechselten. Ganz bewusst verfließen in der Fotografie die Farben, denn alles ist vergänglich.

Wohlfühl-Plätze

Die Künstler der Amthof-Galerie zeigen ihre besonderen Momente

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Marlies Imhoff hat einen Wohlfühl-Ort mit dem Fischauge unter ganz besonderer Beleuchtung fotografiert – den illuminierten Amthof bei der „Ab-in-die-Mitte“ Aktion. Das war für sie ein besonderer Platz. Noch viele mehr sind in der aktuellen Ausstellung der Amthof-Galerie zu sehen.

Für das kleine Mädchen ist der Schoß der Mutter der absolute Wohlfühl-Ort. Da braucht es kein Motto, auch keine Aktion. Während sie die Beine spreizt, mit den Händen locker die Zehen erreicht, welche sie übrigens noch alle einzeln bewegen kann, fängt dieser Glücksmoment alle ein, die das Bild betrachten. Klausjürgen Herrmann hat es gemacht. Genau das Richtige für die Ausstellung der Amthof-Galerie „Wohlfühl-Ort mit Wohlfühlklima“ – so heißt auch die diesjährige „Ab-in-die-Mitte“ Aktion.

Seit 2003 beteiligt sich die Kurstadt an der hessischen InnenstadtOffensive, zehnmal als Preisträger, so auch jetzt. Daran erinnerte Stadtverordnetenvorsteher Heinz Schaus (SPD) bei der Vernissage am Samstagabend. Umgeben von 100 Kunstwerken, Malerei, Fotografie, Zeichnungen, Skulpturen, großen und kleinen Exponaten, genossen die Zuschauer in den alten Fachwerkräumen das Gespräch über die Kunst bei Rotwein und Schmalzbroten. So wurde auch die Galerie zum Wohlfühl-Ort. Sie ist einer durch die Menschen, die sie beleben, mit ihrer Kunst erfüllen, hegen und pflegen.

Franziska Kopp gehört dazu. Gerade hat sie noch den Vorsitzenden der Amthof-Galerie Klaus-Jürgen Herrmann bei der Begrüßungsrede abgelöst, schon steht sie in der kleinen Küche, schmiert ein Brot nach dem anderen, gemeinsam mit vielen weiteren guten Geistern, die durch die Galerie huschen und es für alle heimelig machen. Da fühlt man sich wohl. Deshalb kommen die Gäste gern. Doch die Kunst ist mehr als Beiwerk. Die Mitglieder der Galerie haben sich ihre Gedanken gemacht.

Da sind die Fotografen, die Wohlfühl-Momente festgehalten haben – oder das Gegenteil. Ein Foto zeigt einen Berg von Aktenordnern und Ablagen – wohl sortiert, aber gar nicht gemütlich. Diese kalte Umgebung im Bild hängt mitten unter den Wohlfühl-Orten. Blanke Ironie. Und doch geht es um Kunst, sie ist nur nicht zu sehen. Klausjürgen Herrmann hat den Nachlass des Limburger Malers Klaus Panzner katalogisiert, gut sortiert und diesen Arbeitsplatz festgehalten. Nicht gemütlich, aber der Aufwand dient einem guten Zweck: Jedes Jahr werden Stipendiaten durch den Nachlass des Künstlers gefördert.

So hat es Klaus Panzner verfügt. In diesem Jahr geschieht es zum ersten Mal. Drei Kunststudenten werden im November die Amthof-Galerie mit ihren Arbeiten bestücken – parallel zu einer Schau von Panzners Bildern, die detailgetreu und gut beobachtet typische Szenen im Nassauer Land wiedergeben. Doch noch zur aktuellen Ausstellung: Da ist das Schwein in Aquarell – gemacht von Beate Stucki – das sich so „sauwohl“ fühlt. Der fotografierte Luftsprung hoch oben in den Bergen, der Weg in den Wald, den Sigrid Bungarten so gemalt hat, dass man gleich drauflos und hineinspazieren möchte – viele feine Wohlfühl-Momente. Und wieder das Gegenteil: Traudel Collet ist eine sehr wandelbare und aufmerksame Künstlerin. Ihr kleines, farbenprächtiges Aquarell in der unteren Etage ist ein Farbtupfer, der zum Hingucken anregt. Eine filigrane Zeichnung in Schwarz-Weiß, akkurat und höchst genau, zeigt eine weitere Facette der Künstlerin. In der oberen Etage hängt ihr schwerstes Bild – inhaltlich betrachtet. Der Weg von der Geburt bis zum Tod und dem Moment des Daseins, auf das viele nach dem irdischen Leben hoffen. Hier hat sie Licht und Schatten vereint, macht sehr nachdenklich – und setzt sich bei der Vernissage zu den Besuchern an den Tisch. Denn auch darüber darf geredet werden.

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