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Auf der Terrasse des Restaurants, den Amthof im Rücken, nimmt die Kurhaus-Wirtsfamilie Abschied, von links: Martina, Bosco und Eva Tomic, Lara und Vesna Maric sowie Ante Tomic.

Neubeginn

Im Kurhaus endet eine Ära: Pächter-Familie Tomic verabschiedet sich nach 20 Jahren 

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Mit der Wiedereröffnung nach der Sanierung soll es im November einen neuen Pächter der Kurhaus-Gastronomie geben. Familie Tomic verabschiedet sich nach zwei Jahrzehnten. Bosco Tomic bleibt der Stadt als Hausmeister erhalten und wird im Sommer noch den Biergarten betreiben.

Gestern war ihr letzter Tag im Kurhaus-Restaurant. Das heißt, mit Gästen, denn bis zum Mittag wurde noch gekocht. Jetzt geht’s ans Aufräumen. Die Pächterfamilie Tomic verlässt das Kurhaus nach 20 Jahren. Nach der Sanierung soll es mit der für November geplanten Wiedereröffnung einen neuen Pächter geben. Die Ausschreibung wird erfolgen.

Die Bad Camberger hatten Glück: Während andere Kommunen immer wieder händeringend nach einem geeigneten Pächter für die Gastronomie ihrer Bürgerhäuser und Hallen suchen müssen, war das Kurhaus jahrzehntelang bestens versorgt. Das traf auf Bosco Tomic ebenso zu wie auf seinen Vorgänger Wolfgang Scholz. Keine großen Wechsel, Kontinuität, Qualität, die sich herumsprach – deshalb schätzten Besucher das Kurhaus, unter anderem.

Heimstatt der Vereine

Wir schreiben Kurhaus, weil es kürzer ist. Die offizielle Bezeichnung ist „Bürgerhaus/Kurhaus“, denn das Gebäude war von Anfang an dafür vorgesehen, diese Doppelfunktion zu erfüllen. Heimstatt der Vereine, Ort der Kappensitzungen, der Kurkonzerte, der kulturellen Veranstaltungen schlechthin. Der Gesangverein probt dort, es wird getanzt – der große und der kleine Saal sowie die Clubräume werden rege genutzt. Und das Restaurant.

„In den letzten Tagen haben sich 25 Vereine und Familien von uns verabschiedet“, sagt Ante Tomic und zeigt eines der Geschenke. Sigmar Gabriel, Heinz Riesenhuber, Lisa Fitz, Ingo Appelt, Bodo Bach . . . viel Prominenz war in all den Jahren zu Gast, die Silvesterbälle feste Termine im Jahreskreis.

Vorher war Ante Tomic 24 Jahre Pächter der Hadamarer Stadthalle. Man trennte sich nicht einvernehmlich. Als Sohn Bosco im Bad Camberger Kurhaus als Pächter einstieg, brachte er die ganze Familie mit. Deshalb florierte der Betrieb. „So etwas kann man nur als Familie machen. Ein Einzelner würde eingehen“, sagt der 41-Jährige. Mit ein Grund, weshalb er das Geschäft nun auch nicht alleine fortführt. Vater Ante wird demnächst 71, Mutter Eva ist 65, Tante Ljuba Matic, die viel geholfen hat, ist in ähnlichem Alter. Und natürlich haben Boscos Schwestern Vesna Maric, Martina Tomic und sogar Enkelin Lara Maric mit angepackt.

Freundschaftlich

Letztes Familienessen im Restaurant: Franz-Martin Wenz kommt durch die Tür. „Setz’ Dich zu uns“, begrüßt Martina Tomic den Bad Camberger. Der Conférencier des Kurorchesters lächelt. „Ich will Euch nicht stören.“ Sagt’s und setzt sich einen Tisch weiter. Vorher schaut er doch noch genauer hin: „Ist das Lara?“, sagt er erstaunt. Sie ist eine richtige junge Dame geworden. Der 86-Jährige kennt sie durch die lange Zeit des gegenseitigen Helfens im Kurhaus. Dann begrüßt er doch jeden am Tisch mit Namen, alles sehr familiär.

Genau das ist der Punkt: Die Chemie hat gestimmt zwischen den Bad Cambergern und den Tomics, die aus Kroatien stammen. Als Gastronomen haben sie sich reingekniet ins Alltagsgeschäft. „Anfangs hatten wir jeden Tag offen, dann den Montag als Ruhetag“, blickt Bosco auf die Zeit in der Kurstadt zurück. Er ist beliebt. Die Bad Camberger schätzen seine aufmerksame Art, nicht nur als Wirt, sondern auch als Hausmeister, der immer zur Stelle ist.

Das wird weiterhin so sein, denn in dieser Funktion bleibt er den Bad Cambergern erhalten. So hat er auch gestern die Halle für das Kino aufgeschlossen – nur zum ersten Mal nicht im Kurhaus-Saal, sondern übergangsweise in der Erbacher Erlenbachhalle.

Seine Eltern planen erst einmal einen kleinen Urlaub in ihrer Heimatstadt Split. Bosco wird im Mai den Biergarten vor dem Kurhaus wieder öffnen – ein Ersatz für diejenigen, die die Zeit bis zur Wiedereröffnung überbrücken wollen.

Als Pächterfamilie, die drei Bürgermeister – Gerhard Reitz, Wolfgang Erk, Jens-Peter Vogel – erlebt hat, nehmen die Tomics Abschied, danken allen Gästen, Mitarbeitern und der Stadt Bad Camberg: „Die Zusammenarbeit war immer sehr gut.“ Wer weiß, vielleicht wird man sie eines Tages als Gäste im Kurhaus-Restaurant wiedersehen.

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