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Geniales Publikums-Kostüm: Der Roboter BB 8.

Star-Wars

Ein Kurpark voller Jedi-Ritter

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Die Jedi-Ritter hatten eine harte Zeit. Wie gut, dass sie sich im Kurpark ausruhen konnten. Nachwuchs generierten sie auch, denn viele neue Lichtschwert-Kämpfer wurden ausgebildet. Rund 2000 Besucher strömten am Wochenende in die Innenstadt und genossen die Parade der 501st Legion sowie des kostümierten Teils des Publikums.

Das röchelnde Atmen ist gut zu hören, die Schritte langsam und gemessen: Darth Vader schreitet durch den Kurpark. Der hochgewachsene Mann in der schwarzen Rüstung mit dem düsteren Helm zieht die Blicke auf sich. Eine der Hauptfiguren aus George Lucas’ Star-Wars-Filmen. An den Wasserspielen steht ein kleiner Darth Vader. Der Junge ist vielleicht einen halben Meter groß. Ehrfürchtig schaut er zu dem Mann in die Höhe. Sein Vater überwindet den Höhenunterschied, nimmt den Kleinen auf den Arm. Beim Umzug durch die Stadt gibt ein sehr kleines Kind in den Armen der Mutter den furchterregendsten Kriegergestalten immer wieder die fünf. Seine kleine Hand bleibt oben, seitdem der erste Sturmtruppler beim Vorbeigehen drauf geklatscht hat. Ein Jedi-Ritter mit weitem Umhang hält, klatscht ab, der Kleine ist begeistert.

Viele schöne Begegnungen gibt es beim Star-Wars-Event von „Ab in die Mitte“ in der Altstadt. Im Kurhaus blickt Physiklehrer Jürgen Satony tiefer und erklärt zum Beispiel, warum ein Laserschwert viel länger sein müsste. Und er warnt: „Bitte nicht in den Strahl blicken!“ Kennt man doch vom Laser-Pointer. Oder: Ein so gewaltig großes Schiff wie der „Millenium Falke“ könnte nicht einfach einmal in der Gegend landen, stellt ein Junge fest. Die Ausmaße hat Satony berechnet und zeigt: Ein Sternenzerstörer würde das Tal des Goldenen Grundes komplett füllen.

Ich gehe in den Kurpark. Eine Jedi-Ritterin kommt mir entgegen. Sie ist schwarz-weiß geschminkt, zwei lange „Körperteile“ entwachsen dem Kopf und biegen sich nach hinten. Das Kostüm ist sicher warm. Melanie (33) lacht. Die Heidelbergerin gehört zur 501st Legion (German Garrison), dem weltgrößten Star-Wars-Kostümclub mit über 10 000 aktiven Mitgliedern. Mit über 30 Darstellern sind sie nach Bad Camberg gekommen. Doch dort sind noch viel, viel mehr Filmfiguren zu sehen. Denn: Auch das Publikum ist aufgerufen, sich zu kostümieren. An einem heißen Tag keine leichte Sache.

Seit Tagen Temperaturen um die 30 Grad, und heute haben die Bad Camberger wieder Glück: Am Morgen hat es geregnet, direkt vor der Parade noch einmal kurz. Deshalb ist es etwas kühler. Trotzdem: Ich bin froh über mein dünnes Kleid. Wie muss es jetzt einem Sturmtruppler gehen? Oder Darth Vader? „Das Kostüm wiegt 20 Kilo“, erzählt Melanie Held. Sie gehört zum Förderverein Bad Camberger Ferienspiele, der sich nun auch im Rahmen von „Ab in die Mitte“ engagiert. „Darth Vader“ Benjamin Kiepurning: Der 32-jährige Düsseldorfer schlüpft immer wieder in diese Rolle. Wenn er einmal im Kostüm steckt, die Uniform angelegt hat, wird sie nicht mehr ausgezogen, bis das Event vorüber ist. „Das ist wie mit Feuerwehr-Einsatzstiefeln“, erklärt Melanie Bauer. Einmal drin, bleibt die schwere Kleidung so lange, bis die Arbeit geleistet ist.

„Du hast das beste Kostüm“, sagt Alex Less zu seiner Tochter. Der 42-Jährige ist ein Sturmtruppler, ähnlich schwer bepackt wie Vader, nur weiß statt schwarz gekleidet. Tochter Lara (8) ist Prinzessin Leia. Ihre Haare sind über den Ohren zu Schnecken geformt. Das weiße Kleid ist luftig mit Schlitz am Bein, zeigt sie und hüpft ein paar Schritte. Das richtige Sommer-Outfit. Ihr Bruder Lars (11) hat es schwerer. Er wird sein Jawa-Kostüm manchmal ablegen, denn nicht nur die braune Kutte ist warm. Die schwarze Gesichtsmaske mit den leuchtend orangeroten Augen wirkt unter der Kopfbedeckung, als würde ein fremdartiges Wesen darunter hervorblicken. Ein heißes Kostüm! „Die Jawas sind klasse“, sagt ein Besucher beim Umzug. „Sie habe sogar die richtige Größe!“ Stimmt: Im Film sind es kleine Schrottsammler, die aus Abfall alles Mögliche zusammenbauen. Leonard und Friedrich Rißland aus Bad Camberg haben die gleiche Idee: Auch sie sind Jawas. Dafür werden sie beim Wettbewerb der nicht-professionellen Kostüme prämiert. „Eigentlich hätten alle einen Preis verdient“, sagt Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD). Ludger Becker vom Förderverein Bad Camberger Ferienspiele ergänzt: „Sie haben sich richtig viel Mühe gegeben.“ Kurhaus-Wirt Bosco Tomic und seine Familie bewirtschaften an diesem Tag einen Biergarten, in dem die seltsamsten Gestalten sitzen. Die Darsteller von „Lightwars“ zeigen im Kurpark, wie der Kampf mit dem Lichtschwert funktioniert. Es sieht aus wie ein Tanz. „Den rechten Arm ans Schwert, das Bein zurück“, erklärt der Lehrer. „Oder bist Du Linkshänder?“ Sein Gegenüber nickt. Dann geht alles genau anders herum. Es wird geschlagen, das rote und das blaue Lichtschwert leuchten und sirren. Es folgt die Drehung. Das sieht aus wie ein Tanz. Den lernen an diesem Tag ganz viele. Gut 2000 Gäste sind in den Kurpark und zur Parade gekommen. Direkt nach einem Regenguss reißt der Himmel wieder auf, und es geht pünktlich los. Präsentation der Darsteller, Erinnerungsfoto vor dem „Alten Rathaus“, viele, viele Bilder mit den Jedi-Rittern im Kurpark. Jede Menge Handys werden gezückt.

Eine ist besonders gefragt. Die schöne, blaue Frau aus den Filmen ist ein Hingucker. „Vorsicht, bitte nicht meine Hand berühren“, sagt die Darstellerin noch, die sich gerne mit den Gewinnern des NNP-Sommerrätsels zum Erinnerungsfoto stellt. Susanne Schüler (Kelkheim), Lydia Schilling (Rüsselsheim) und Daniela Schulz (Wiesbaden haben Star-Wars-Preise erhalten. Die Bad Camberger Stadtführung hat ihnen gefallen. Und die gute Stimmung im Kurpark, die so viele genießen.

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