1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Bad Camberg

Mit wenigen Schritten durch das Brunnendorf

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Petra Hackert

Kommentare

Die Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Uta Pruscha, schaut sich mit dem Redaktionsteam des Bildbands Dr. Hans Gerd Böcher-Schwarz, Gudrun Schwarz, Bernd und Hilde Weil, Bettina und Marcus Gutwenger (von links) im Buchen- und im Eibenweg um.
Die Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Uta Pruscha, schaut sich mit dem Redaktionsteam des Bildbands Dr. Hans Gerd Böcher-Schwarz, Gudrun Schwarz, Bernd und Hilde Weil, Bettina und Marcus Gutwenger (von links) im Buchen- und im Eibenweg um. © Petra Hackert

1250 Jahre Oberselters - eine ganze Reihe von Veranstaltungen sind dem Dorfjubiläum gewidmet. So auch das Brunnenfest des Verschönerungsvereins, zu dem in diesem Jahr eine historische Bilderschau gehörte, bei der die Besucher durch die Geschichte wandern konnten.

Oberselters -Ahornstraße, Brunnenstraße, Hammersteg, Lärchen- und Tannenweg, Limburger Straße - wer an diesem Tag durch Oberselters geht, könnte das ganz schnell machen. Zwölf Straßen sind nämlich im Dorfgemeinschaftshaus nachgebildet. Genau gesagt: Die Straßenschilder stehen an Tischen, auf denen Bilder und Informationen zu den jeweilige Wegen liegen. Als ob man sie begeht, legt der interessierte Besucher so seine Strecken zurück, schreitet das Brunnendorf in Windeseile ab, macht eine Reise in die Vergangenheit und lernt Neues dazu. An manches erinnern sich Einheimische noch ziemlich genau. Zum Beispiel daran, dass für den Bau der Bahntrasse die Straße nach Limburg verlegt wurde. Oder dass die Brunnenstraße einst als Teil der Chaussee von Frankfurt nach Limburg durch das gesamte Dorf führte. "1930/31 wurde die B 8 östlich des Emsbachs gebaut, so dass nun die Hauptroute am Dorf vorbei führt", berichtet Bernd Weil.

Gemeinsam mit seiner Frau Hilde, Bettina und Marcus Gutwenger, Gudrun Schwarz und Dr. Hans Gerd Böcher-Schwarz hat er den Bildband "Oberselters gestern und heute" gestaltet und die Ausstellung konzipiert. "Viele wussten noch etwas zusätzlich zu den Bildern zu sagen", erklärt Hilde Weil. Auch während der Präsentation, zu der noch eine weitere Bilderschau, direkt an die Leinwand geworfen, gehört. "Richard Bauer ist dazu gekommen, hat sich hingestellt und fast die Moderation übernommen. So viele Leute hat er auf den Fotos erkannt. Das alles ganz spontan", freut sich Gudrun Schwarz. Mehr noch. "Bei Reiferts war der Schlittenberg", wissen etliche zu erzählen, und schon tauchen Jugenderinnerungen auf.

Auch Ortsvorsteher Ottmar Stahl (CDU) kann einiges beisteuern. Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) zeigt sich beeindruckt von den teils doch sehr persönlichen Erinnerungen - und der Art und Weise der Präsentation. "Ganz viele ehemalige Oberselterser, aber auch Zugezogene und Leute, die schon immer hier wohnen, sind gekommen", berichtet Hilde Weil noch während der Schau. Viele haben sich den Bildband mitgenommen, den der Verschönerungsverein herausgegeben hat und dessen Druckkosten ortsansässige Firmen bezuschusst hatten.

Schon vor über drei Jahren begonnen

Die Vorarbeit war intensiv. "Wir haben schon vor Corona damit angefangen", berichtet das Team. Dann gestaltete sich einiges schwierig, da die üblichen Treffen fehlten. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man die Leute direkt ansprechen muss. Von alleine kommt wenig."

Nur wenige Schritte entfernt vom Ausstellungsraum schließt sich hinter dem Bürgerhaus die Wiese an, wo parallel zum Innen-Programm unter schattigen Bäumen das Brunnenfest des Verschönerungsvereins gefeiert wird. Beides gehört in diesem Jahr zusammen. Die neue Vorsitzende des Vereins Uta Pruscha und der Zweite Vorsitzende Lothar Gendritzki bilden die Doppelspitze, die organisatorisch die Arbeit in die richtigen Bahnen gelenkt hat - unterstützt von vielen Helfern. "Der Festausschuss im Jubiläumsjahr, der Gesangverein, die Feuerwehr, die Jugendlichen des Sportvereins beim Kinderschminken, der Kindergarten mit Spielen und Tänzen, der Musikzug des TV Würges", zählt Uta Pruscha weitere Aktive auf, die sich beteiligt haben. Was sie im übrigen sehr freut. Denn vor einem guten Jahr zur Vorsitzenden des Verschönerungsvereins gewählt, ist das für sie die erste große Veranstaltung dieser Art. "Und man spürt richtig, wie gerne die Leute kommen." Das bestätigen viele, die unter den Bäumen an den Tischen sitzen, die Kinder spielen lassen, den gemeinsamen Plausch genießen. Einen echten Hingucker bietet die Kita "St. Antonius" Oberselters: Gemeinsam mit Nicole Weniger Sawetzki und Doreen Glöckner haben die Jungen und Mädchen einen Atzeltanz vorbereitet. Die Atzel (Elster), weil dieser Vogel ein Symbol von Bad Camberg und Oberselters ist. "Die Atzeln machten Krach im Gebück", heißt es, als die Walsdorfer Raubritter im Mittelalter Camberg überfallen wollten und die Wächter schliefen. Die Oberselterser nennen sich auch gerne die Atzeln. Der Musikzug des TV Würges sorgt später noch für ansprechende Unterhaltung.

Einschneidend: Der Bau der Bahnlinie

Übrigens: Wie sehr sich Oberselters verändert hat, wird deutlich, sobald man sich unterhält. Und dann hilft noch einmal ein Blick in den Bildband, um an ein sehr markantes Ereignis zurückzudenken: den Bau der Eisenbahnlinie der Main-Lahn-Bahn. Die Hessische Landesbahn verwirklichte sie 1872. "Den Bau von Eschhofen aus vorantreibend, wurde die Bahnstrecke 1875 bis Niederselters fertiggestellt. Der weitere Ausbau und damit auch die Streckenführung durch Oberselters erfolgte in den Jahren bis 1877", heißt es hier. Steigungen und Gefälle der Strecke ließen keine andere Möglichkeit zu, als die Trasse mitten durch Oberselters zu führen. "Aus diesem Grund mussten mehrere Häuser im alten Ortskern im Bereich der Eisenbahnbrücke abgerissen werden. Die Eigentümer wurden jedoch verhältnismäßig gut entschädigt." Die Chaussee nach Limburg wurde am Ortsausgang hinter den Mineralbrunnen verlegt, die Bahnstrecke zwischen 1911 und 1913 zweigleisig ausgebaut. Petra Hackert

Auch interessant

Kommentare