+
Manfred Kausch ist fast 80 Jahre alt und Tochter Daniela kann den Laden nicht übernehmen.

Familienunternehmen

Aus nach 142 Jahren: Porzellan- und Haushaltswarengeschäft schließt

  • schließen

Die Nachricht ist eingeschlagen wie eine Bombe: Porzellan- und Haushaltswaren Kausch in Bad Camberg schließt nach 142 Jahren. Für Inhaber Manfred Kausch endet ein Lebenswerk. Nächstes Jahr wird er 80. Mehr als 60 Jahre trug er Verantwortung im Familienunternehmen.

„Niemand hat es gewusst“ – Daniela Kausch nickt. Die Familie hat die Entscheidung lange mit sich herumgetragen. Dann hat sie sich verbreitet wie ein Lauffeuer. „Hier sind Leute, die habe ich zuvor noch nie gesehen“, sagt Ursula Thimm. Die Vorsitzende des Gesangvereins 1846 Bad Camberg gehört zu den Stammkunden im Haushaltswaren- und Porzellangeschäft. Dass es einmal schließt, und dann auch noch so plötzlich, daran wollte niemand denken. Jetzt ist das so. Und die Familie hat alle Hände voll zu tun. „Wir mussten sogar noch zukaufen“, sagt Daniela Kausch. Das geht aber auch nur begrenzt. Denn plötzlich ist der Run enorm.

Der Katzenjammer auch. Jedem tut es leid, der das schöne Geschäft in der Obertorstraße sieht. Hier gibt es alles – nur nicht mehr lange. Im April wird Schluss sein, hat die Familie entschieden. Denn: Der Inhaber Manfred Kausch wird nächstes Jahr 80. Tochter Daniela kann das Geschäft leider nicht übernehmen. Und: Das erzählen gute Kunden: Es ist doch klar, dass der Internethandel denen zu schaffen macht, die gut beraten, sich Zeit nehmen und ein breitgefächertes Angebot vor Ort zur Verfügung halten.

„So einen Laden gibt es im weiten Umkreis nicht mehr“, sagt Manfred Kausch. Er hat recht. Beim ersten Nachdenken fällt ein: „Der Fittich“ in Elz – früher, denn seit einigen Jahren hat sich Schäfer auf Elektronik spezialisiert. Euteneuer in Diez, Beer in Hadamar – das sind noch solche Traditionsgeschäfte, in denen es wirklich alles gibt. Und Kausch. Die Kunden kommen aus dem ganzen Taunus. Vom Dosenöffner bis zum Festtags-Service gibt es Nützliches, Praktisches, Schönes und sehr viele gute Geschenkideen. Aber es machte sich auch ein Wechsel bemerkbar: Muss ein Schnellkochtopf repariert werden, ist man bei Kauschs an der richtigen Stelle. Doch bei Einkäufen nutzen viele gerne das bequeme Internet. Wo die Waren herkommen, die dann nach Hause transportiert werden, wird oft nicht gefragt. Und auch nicht so stark nach der Qualität, die man sieht und fühlt, wenn man einen Gegenstand in die Hand nehmen kann.

Manfred Kauschs Lebenswerk: Mehr als sechs Jahrzehnte war er im Familienunternehmen aktiv. Wenn er in den Fotoalben blättert, die Familiengeschichte Revue passieren lässt, sucht, was er für einen Presseartikel weitergeben kann, muss er schon schlucken. Auch seine eigene Arbeit wird ein Stück Geschichte werden. Ein Bild zeigt den Laden 1918. Das Foto verrät noch mehr: So hat es in der Obertorstraße einmal ausgesehen. 142 Jahre gibt es „Kausch in Camberg“, viel länger noch als den Titel Bad.

Außerdem engagiert sich die Familie seit jeher im Vereinsleben – unter anderem in der Bad Camberger Fastnacht. Manfred Kausch war jahrelang „der Oberfuchs“, sprich, Oberhaupt der närrischen Altstädter, die sich jedes Jahr zu Karneval humoristische Scharmützel mit den Bad Camberger „Streitbürgern“ liefern – strikt getrennt nach der Regel „Hibb de Bach und dribb de Bach“. Der Bach als Grenze. Die wurde schon mit selbstgebauten „Waffen“ und enormem Einsatz an Material- und Manpower verteidigt. Bis zum Ende der Kampagne, denn dann waren sich alle wieder einig. Monika Kausch engagiert sich in der Hessentagsgruppe des Kur- und Verkehrsvereins sowie in der Fastnacht, Tochter Daniela war die Cambergia – alles Aufgaben mit vielfältigen Repräsentationsfunktionen. Soweit zum Draußen. Dann wieder das Drinnen: Bei Kauschs im Laden gab es viele kreative Anregungen für ein gemütliches Zuhause. Und stets die Gelegenheit zu einem Schwätzchen. Sogar jetzt, wenn Manfred, Monika, Daniela Kausch und ihre drei Mitarbeiter die Kunden bedienen. So viele auf einmal waren es noch nie.

„Uns wird eine Riesen-Wertschätzung entgegengebracht“, sagt Daniela Kausch. Kein Wunder: Die Stammkunden wissen, was sie bald verlieren werden. „Das Angebot in dieser Breite und Tiefe, die Beratung, die riesige Auswahl“, sagt Ursula Thimm. Und: „Ein solcher Laden tut natürlich auch der Altstadt gut, wenn ich einfach nur einmal bummeln gehen will.“ Wie werden unsere Städte ohne diese Geschäfte einmal aussehen? „Deshalb ist das schon ein Schock in der Bevölkerung“, sagt die Stammkundin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare