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Nachhaltig und wegweisend: Brita in Bad Camberg

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Von: Petra Hackert

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Strahlende Gesichter: Der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel, Brita-Firmenchef Markus Hankammer, Architekt Dietmar Riecks und Finanzchef Stefan Jonitz (von links).
Strahlende Gesichter: Der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel, Brita-Firmenchef Markus Hankammer, Architekt Dietmar Riecks und Finanzchef Stefan Jonitz (von links). © Petra Hackert

Brita Filtertechnik hat 35 Millionen Euro in den Produktionsstandort Bad Camberg investiert. Verwaltung, Forschung und Entwicklung bleiben in Taunusstein.

Bad Camberg -Für Markus Hankammer, Firmenchef des Familienunternehmens Brita Filtertechnik, steht fest: Die neue Produktionsstätte in Bad Camberg soll wegweisend sein. Dies gleich in mehrfacher Hinsicht: Baulich (denn die Holz-Stahl-Betonkonstruktion hebt sich von den üblichen Industriebauten ab), produktionstechnisch (die Arbeitsplätze sollen angenehm und inspirierend sein) und nicht zuletzt nachhaltig - mit Blick auf Recycling, ressourcenschonende Produktionsweisen, Energieeffizienz. "Leit-Werk" nennt er das Ganze. Zukunftweisend und beispielhaft für die weitere Entwicklung des Unternehmens.

Deshalb habe Brita mehr als 35 Millionen Euro in den Standort Bad Camberg investiert, gerade ein Nachbargrundstück dazugekauft. Das Ganze sieht er in einem größeren Rahmen. Denn Brita Filtertechnik ist weltweit tätig, das Engagement in Bad Camberg Teil des Investitionsprogramms Infrastruktur, für das in einem zeitlichen Rahmen von fünf bis sechs Jahren über 120 Millionen Euro ausgegeben werden sollen.

Die offizielle Eröffnung des Standorts Bad Camberg kam spät - Corona geschuldet. 2020, im Jahr des Baustarts, schlug die Pandemie zu und veränderte alles. Das wird sich auch auf die Zukunft auswirken: Hybrides Arbeiten, teils im Home-Office, ist ein Thema geworden; nicht nur bei Brita Filtertechnik. Jens-Peter Vogel (SPD) und Sandro Zehner (CDU), die beiden Bürgermeister von Bad Camberg und Taunusstein, werden das Familienunternehmen künftig gerne weiter begleiten, mit Rat und Tat zur Seite stehen, sicherten sie zu. Beim Teil-Umzug des Betriebs war das schon der Fall, sagte Hankammer und lobte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Bad Camberger Stadtverwaltung.

Produktion in Bad Camberg

Die Verlagerung der Produktion war nicht einfach. Teilweise wurde noch an beiden Standorten gearbeitet, bis alles in Bad Camberg war. Mit der Verlagerung von Maschinen wurde im Februar 2021 begonnen, seit September 2021 wird vollständig in Bad Camberg produziert. Taunusstein ist jetzt Großbaustelle - auch hier steht eine ganze Reihe von Neuerungen an. Architekt Dietmar Ricks skizzierte die Entwicklung in Bad Camberg, vom ersten Bauantrag 2018 bis zum Einzug der Firma im Februar 2021. Der Holzbau solle "ein neues Zuhause" für die Mitarbeiter werden. "Eigentlich weiß man, wie ein Industriebau aussieht", sagte Riecks. Beispiele sind überall erlebbar. "Brita wollte einen anderen Weg gehen, und definitiv sind wir dankbar", sagte der Architekt. "Aus Holz zu bauen ist schlau und wird immer schlauer." Seine Bilanz: "Hier bei Brita haben wir mit dem ersten Bauabschnitt auf einer Grundstücksfläche von rund 35 000 Quadratmetern auf 12 500 Quadratmetern eine hochmoderne Fertigung einschließlich Laboren, Qualitätsprüfungseinrichtungen, einer Kantine, Büros, Logistik." Die Energiebilanz im Betrieb: "Der Gesamt-Primär-Energiebedarf von lediglich rund 50 Kilowattstunden je Quadratmeter im Jahr wird weitgehend über die auf dem Dach installierte Photovoltaikanlage mit der Leistung von im Endausbau rund 360 Kilowatt-Peak gedeckt."

Beitrag in Sachen Umweltschutz

Stefan Jonitz, Finanzchef der Brita-Gruppe, hatte als Erster die Idee, auf diese Weise zu bauen, sagte Firmenchef Hankammer. Beide sind sicher, dass es sich auszahlen wird. "Nachhaltiges Bauen liegt mir sehr am Herzen", sagte Jonitz und verwies auf die Firmenphilosophie. Die Vermeidung von Flaschenwasser sei ein wichtiger Beitrag in Sachen Umweltschutz. "Weltweit werden eine Million Wasserflaschen verkauft - in der Minute", sagte Jonitz. "90 Prozent davon landen am Ende in der Deponie und in den Weltmeeren. Nur zehn Prozent werden tatsächlich recycelt." Der CO2-Fußabdruck spiele auch eine Rolle bei den Überlegungen in Sachen Logistik/Transport/Produktion. Noch einmal zurück zum Thema Energie: Das Stammwerk in Taunusstein ist zurzeit eine große Baustelle. "Dort werden wir zum Beispiel Gebäude mit Thermalenergie heizen. Das sind zusätzliche Investitionen, die sich mit Blick auf die Folgekosten schnell rechnen."

Schnell: Damit meint er eine andere Denkweise als bei mittlerweile üblichen Aktiengesellschaften. "Uns als Familienunternehmen zeichnet aus, dass wir mittel- und langfristig denken, nicht in Quartalsabschnitten, damit die Analysten zufrieden sind."

"Überzeugendes Angebot"

Zufrieden ist in jedem Fall der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD). "Mir war schon vor meinem Amtsantritt 2017 bekannt, dass Brita auf der Suche nach einem weiteren Standort in der Region ist, und es freut mich ganz besonders, dass es mir gelungen ist, der Geschäftsführung ein überzeugendes Angebot in unserem Gewerbegebiet machen zu können. Definitiv ein Gewinn für beide Seiten." Die Anbindung an die A 3, das Umfeld des ältesten hessischen Kneippheilbads, das Thema Wasser - hier werde man sich perfekt ergänzen. "In rund zwei Wochen ist Brita übrigens beim dritten Bad Camberger Berufs-Infotag vertreten, der unter anderem auch in Kooperation mit der Taunusschule veranstaltet wird." Vogel dankte allen Verantwortlichen bei Brita, Planern, Handwerkern, dem Kreisbauamt und dem städtischen Bauamt für ihr Engagement. "Für mein Team in der Stadtverwaltung verbinde ich das auch mit einer Entschuldigung, denn ich weiß, dass ich manchmal das fast Unmögliche verlangt und auch bekommen habe. Aber die Bedeutung dieser Ansiedlung war uns allen bewusst."

Frank Arletter, Geschäftsführer der IHK Hessen, bezeichnete die Unternehmensentscheidung als "ein klares Bekenntnis zum Standort Hessen". Klimaschutz: "Die Politik geht das Ziel ambitioniert an, und auf die Unternehmen kommt einiges zu." Brita habe da schon jetzt Standards gesetzt. "Nicht alle Unternehmen sind in ihrem Denken und Handeln schon so weit." Petra Hackert

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