Vieles zu entecken: Margaretha Kilian führt die Besucher in die Welt der Pflanzen ein.
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Vieles zu entecken: Margaretha Kilian führt die Besucher in die Welt der Pflanzen ein.

Dagegen ist ein Kraut gewachsen

Neues Team hält Garten in Schuss

Kräutergarten-Führung mit Margaretha Kilian

Bad Camberg -Im Kräutergarten kann man nicht nur die verschiedensten Kräuter und Heilpflanzen sehen, sondern vor allem mit allen Sinnen wahrnehmen: Der Geruchssinn und der Geschmacksinn werden genauso angesprochen. In der Führung riechen wir an der Eberraute, die viele auch als "Colapflanze" kennen und schätzen, und schmecken den Fenchel, der gerade im Sonnenlicht prächtig wächst.

"Aus der Eberraute kann man auch sehr leckere Limonade machen. An einem heißen Sommertag kann man sie mit Eiswürfeln ganz wunderbar als Erfrischungsgetränk servieren!", verrät Margaretha Kilian, die die Besucher seit vielen Jahren durch den Garten führt. Besonders häufig begegnen wir der Katzenminze, die sich im Kräutergarten derzeit austobt. Einen echten Geheimtipp erfahren wir auch während der Führung: Im Oktober wird in einem Beet das teuerste Gewürz der Welt, Safran, für zwei bis drei Wochen zu entdecken sein.

Für jedes Problem eine Lösung

Egal ob Frauenleiden, Magen und Darmprobleme oder Herzleiden, im Kräutergarten findet sich zu jedem Problem eine passende Lösung: Getreu Sebastian Kneipps Leitspruch "Die Natur ist die beste Apotheke!". Manche Kräuter wirken beruhigend und entzündungshemmend, wohingegen andere anregend und energetisierend wirken.

Bei der Führung berichtet Margaretha Kilian von ihren eigenen Erfahrungswerten und von den Rückmeldungen mancher Kurgäste. Beispielsweise erzählt sie, dass eines ihrer Kinder vor Klassenarbeiten wahnsinnig unruhig war und nicht schlafen konnte. "Dann habe ich ihm einen frischen Baldriantee aufgebrüht. Als er ihn getrunken hatte konnte er leichter einschlafen und die Klassenarbeit konzentriert meistern", erinnert sie sich. Allerdings lenkt die erfahrene Führerin auch ein, dass es für die Wirkung von hoher Bedeutung sei, an die Kraft der Pflanzen zu glauben. Bei der Nutzung von Heilpflanzen warnt die erfahrene Gärtnerin jedoch vor allem Unerfahrene "immer zuerst einen ärztlichen Rat einholen und nach der Dosierung fragen", denn manche Kräuter seien giftig.

Exoten im Kräutergarten

Um in die Kneippsche Welt einzutauchen erklärt Margaretha Killian zu Beginn die fünf Säulen der Kneipp Philosophie und wie der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Naturheilkundler zur populären Kaltwassertherapie kam. Im fließenden Übergang gibt es Informationen zu dem Kräutergarten, für den sich die Besucher ganz besonders interessieren: In den verschiedenen Beeten, die jeweils einem bestimmten medizinischen Problembereich zugeordnet sind, wachsen die verschiedensten Pflanzen. "Auf 800 Quadratmeter haben wir nicht nur Heilpflanzen, sondern auch Kräuter und. Das ist schon ganz schön ordentlich", berichtet Margaretha Kilian.

Selbst so mancher Exot wie beispielsweise die Bitter-Orange fühlt sich in der Camberger Wohlfühloase pudelwohl und sprießt in die Höhe. Was viele nicht wissen: Im Kräutergarten wird auf das Düngen vollkommen verzichtet, weil die Pflanzen es nicht nötig haben. Auch beim Gießen vertraut das Kräutergarten-Team der Kraft der Natur. Gegossen werden die Pflanzen nur dann, wenn es wirklich notwendig ist.

Nicht alle Pflanzen kommen im Kräutergarten zurecht, aber Margaretha Kilian erklärt: "Das ist die Natur. Entweder die Pflanzen schaffen es aus eigener Kraft, oder es soll einfach nicht sein".

"Pflanzenexpertin aus Leidenschaft"

Bei der Führung merkt man sofort: Margaretha Kilian ist vollkommen in ihrer Passion zur Natur, sie begeistert die Besucher mit ihrem umfassenden Wissen rund um die Flora, dass ihr sozusagen in die Wiege gelegt worden ist. Besonders glücklich macht sie vor allem, dass ehrenamtliche Helfer den Kräutergarten seit diesem Sommer in Schuss halten: "Die sind alle sehr engagiert und motiviert. Vor allem interessieren sie sich wirklich für den Kräutergarten."

Bevor ein ehrenamtliches Team aus zehn Helfern zusammengestellt worden ist, hatten die Stadtgärtner die Pflege des Gartens übernommen. Fachkundig und erfahren sei das Team zwar nicht, allerdings wäre das überhaupt kein Problem, erklärt Kilian. Jede Woche findet ein gemeinsames Treffen am Garten statt, bei dem sie immer als Ansprechpartnerin rund um die Pflanzenwelt zur Verfügung steht.

Wer den Kräutergarten, der nach den Prinzipien von Sebastian Kneipp angelegt worden ist, kennenlernen will, sollte unbedingt eine Führung mitmachen. Dabei erfährt man vieles, was man noch nicht wusste. Oder wussten Sie, dass Rosen keine Dornen, sondern Stacheln haben? Margaretha Kilian erklärt nicht nur die Wirkung und Kraft der Pflanzen, sondern gibt auch noch praktische Tipps für den heimischen Garten: Beispielsweise erklärt die Pflanzenexpertin, wie man Rosen richtig zurückschneidet. Elena steiger

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