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Peter Reimer begeisterte sein Publikum im Kurpark.

Konzert

Peter Reimer will „entschleunigen“

Peter Reimer, der „Mann auf der Bank“, hatte bei seinem Konzert im Kurpark doch tatsächlich seine eigene rote Gartenbank dabei. Er fing einfach an zu spielen und es wurde ruhig, es beruhigte sich alles bei seinem Konzert aus der Reihe seiner „Entschleunigungskonzerte“ – man meinte fast, selbst die Mücken tanzten entspannter.

Es klingt mehr als nach einer Gitarre, schmunzelte er gleich zu Anfang und erklärte seine spezielle Art, aus den sechs Saiten und dem Klangkörper mit ein bisschen Technik dem Instrument weit mehr als den Gitarrenklang entlocken zu können. Der Looper nimmt Sequenzen auf, die beliebig lange schleifenartig gespielt werden können, der Oktaver generiert neben dem Gitarrenbasston noch einen um eine Oktave tieferen Ton. Jedoch nur auf den beiden tiefsten Saiten. Das erhöht den Tonumfang des gesamten Instruments und man denkt oft, dass ein Bassist mitspielt.

Mit Echo- und Halleffekten erzeugt Peter Reimer räumliche Wirkungen, die beim Zuhörer das Gefühl von Weite und grenzenlosen Horizonten erzeugen. Sehr wohltuend und entschleunigend. Während des zweiteiligen Konzertes ließ Peter Reimer das Publikum lyrisch-philosophisch an seinen Gedanken teilhaben. Ein Staunen ging durch die Reihen, als Peter sein Telefon emporhielt, welches weit weg von jeglichen heute angesagten Mobiltelefonen zu sein schien, doch das ist Peter. Peter Reimer entschleunigt eben in allen Bereichen und so lud er zum Gedankenexperiment ein: Wer würde schon seinen halben Hausstand, Akten, Kalender, Plattenspieler etc. mit in den Urlaub nehmen wollen, doch mit den modernen Mobiltelefonen tue der moderne Mensch genau das – verbunden mit der scheinbaren Verpflichtung, immer online sein zu müssen, alles fotografieren und online berichten zu müssen. Er lud ein, mal wieder zu Papier und Stift zu greifen, sich an der wohltuenden Haptik eines edlen Schreibgerätes zu erfreuen, dem Knistern des Papieres – „Schreiben macht kreativ und schlau!“, so fasste er seine Recherchen und Gedanken zum Thema „Handschrift“ zusammen. Er berichtete von Studien, wonach Studenten, die in den Vorlesungen mit Stift und Papier mitschreiben, bessere Noten schrieben als die, die mit dem PC arbeiten, da die Ersteren aufgrund des langsameren Schreibens mit der Hand sinnvoll zusammenfassen müssen und so das Gehörte besser lernen.

Für die Schüler im Konzert hielt er noch den Tipp bereit, dass ein Spicker überflüssig werde, wenn man ihn nur oft genug abgeschrieben und auf das richtige Format gebracht habe.

Anstelle anonymer Internetkäufe lud er ein, Face-to-Face, bei echten Menschen in echten Geschäften, zu kaufen und erntete dafür großen Applaus. Den Einkaufszettel einfach wieder mit der Hand schreiben, oder anfangen, ein Tagebuch zu schreiben. Peter Reimer lud ein, mit der Fünf-Finger-Regel zu starten: Warum nicht mal aufschreiben, was man am Tag besonders gut fand (hierfür steht der Daumen), der Zeigefinger steht für Dinge, die es sich zu merken lohnt, die einem helfen. Der Mittelfinger steht für Dinge, die uns geärgert haben, der Ringfinger stand für etwas, was mir heute besonders wertvoll war und der kleine Finger mag an die Dinge erinnern, die an diesem Tag zu kurz kamen. red

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