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Der Spaß beim Bad Camberger Schwimmbadfest war in den vergangenen Jahren ungetrübt.

Schwimmbadsaison

Petition: Bad Camberg soll das Freibad öffnen

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Nächsten Mittwoch dürfen die Freibäder in Rheinland-Pfalz öffnen. Hessen hat darüber noch nicht entschieden. Im Kreis Limburg-Weilburg gehört Bad Camberg zu den Kommunen, die ihr Bad geschlossen lassen wollen. Dagegen regt sich Widerstand.

Bad Camberg -Die Pandemie-Beschränkungen werden nach und nach gelockert. Gast- und Sportstätten dürfen ebenso wie die Geschäfte wieder öffnen, alles mit Auflagen. Über die Freibäder hat das Land Hessen noch nicht entschieden, ein Großteil der Kommunen im Kreis Limburg-Weilburg schon. Die meisten Bäder sollen sicherheitshalber geschlossen bleiben, auch das in Bad Camberg. In Limburg, Elz und Hadamar sehen Magistrat und Gemeindevorstand die Sache anders. Die drei Kommunen wollen abwarten, bis es eine Vorgabe des Landes Hessen gibt, ob und in welcher Form die Bäder öffnen können, bevor sie selbst entscheiden. Rheinland-Pfalz hat beschlossen, ab dem 27. Mai die Öffnung zu erlauben.

Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen hat einen Pandemieplan erstellt, den die Kommunen auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zuschneiden müssten. Unter diesen Bedingungen könne man öffnen, so der Verein.

Einige Bad Camberger setzen sich dafür ein, genau das zu tun. Thomas Maurer und Uwe Grunert haben eine Online-Petition gestartet. Auf der Website http://freibad.badcamberg24.de/ fordern die Unterzeichner eine Öffnung des Freizeit- und Erholungsbads. Dies noch bis zum 1. Juli. Am Freitag ging die Petition online. Über 300 Unterzeichner setzen sich bereits dafür ein. Außerdem liegen Unterschriftenlisten in Bad Camberger Geschäften aus.

Kein Urlaub, wie man ihn kennt

"Ich denke, viele Menschen können sich aufgrund Kurzarbeit, drohender Arbeitslosigkeit und der eingeschränkten Reisemöglichkeiten überhaupt keinen Urlaub leisten. Auch die Ferienspiele stehen in vielen Orten auf der Kippe oder sind bereits abgesagt. Es gibt so gut wie keine Veranstaltungen in den Sommerferien", sagt Thomas Maurer. Aktionen wie Sommer im Park, Konzerte, sogar das Lampionfest wird es in diesem Jahr nicht geben. "Vielleicht könnte man im Schwimmbad das einen oder anderen Klein-Event starten", meint der Bad Camberger Geschäftsmann.

Der Magistrat der Stadt Bad Camberg begründet seine Entscheidung mit Blick auf die derzeitigen Einschränkungen zur Vermeidung der Ausbreitung der Corona-Pandemie und das bis Ende August geltende Verbot von Großveranstaltungen. Hinzu komme die besondere Situation in Bad Camberg: Das Freibad ist sanierungsbedürftig, sogar von einem Neubau war schon die Rede. "Das aus gutem Grund", sagt Bürgermeister Jens Vogel (SPD). Um den derzeitigen Betrieb aufrechtzuerhalten, seien jedes Jahr Investitionen von 70 000 bis 80 000 Euro nötig - solange das Bad noch nicht grundlegend saniert ist. Diese Summe werde dann auch in diesem Jahr fällig. Allein die Vergabe der entsprechenden Aufträge und die Arbeiten machten es aus der Sicht des Bauamts unrealistisch, jetzt noch einen Öffnungstermin 1. Juli anpeilen zu können. Es würde sicher später im Sommer. Vielleicht noch für einen Monat zu öffnen, dies in der derzeitigen Lage, sei ein Kostenfaktor und ein hohes Risiko. "Wie wollen Sie das steuern?", fragt der Bürgermeister, wenn es um einen geregelten, corona-angepassten Betrieb geht. "Sind die Kinder wirklich so diszipliniert, Abstand zu halten?" Wie verhalten sich die übrigen Nutzer? Müsste es zeitliche Reglementierungen geben? Nach derzeitigem Kenntnisstand überträgt sich das Virus nicht im Wasser, das gechlort wird. Doch die Situation draußen, auf der Wiese, in den Toiletten, sei schwerer zu handhaben. "Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas passiert? Es wäre fatal, wenn dort ein Infektionsherd entsteht." Aus diesen Gründen habe sich Bad Camberg, wie die Mehrzahl der Kommunen, entschieden, nicht zu öffnen. "In Rheinland-Pfalz dürfen bald alle Bäder wieder öffnen. Wir gehen davon aus, dass die Entscheidung in Hessen auch so fällt", hält Thomas Maurer dem entgegen. Wenn die Freibäder geschlossen blieben, sei eines klar: "Die Kinder werden jeden Teich, jeden Tümpel, jeden Bach stauen, wo sie es können." Dies sei viel gefährlicher als ein kontrollierter Umgang im Freibad, wo zudem das Wasser gechlort wird. "Wir brauchen in Bad Camberg das Schwimmbad."

Organisatoren suchen Sponsoren

Die beteiligten Geschäftsleute der Initiative haben bereits nachgedacht, welche Auflagen es geben könnte. "Zum Beispiel eine Bändchenregelung, so dass farblich markiert und durchgerufen wird, wer wann ins Wasser darf", sagt Maurer. Auf das Abstandhalten auf der großen Liegewiese müsse natürlich geachtet werden, auch auf die hygienischen Bedingungen. Dies sei möglich. Vorstellbar sei auch, die Eintrittszeiten zu begrenzen, zum Beispiel von 8 bis 10 Uhr für die über 60-Jährigen, später für Kleinkinder und Erwachsenen. "Wir könnten auch Veranstaltungen wie ein Abendschwimmen organisieren", sagt Maurer. Dafür sei denkbar, dass ein Bad Camberger Unternehmen den Eintrittspreis übernehme. "Es gibt viele Ideen in unseren Reihen." Die Öffnung des Freibads sei gerade jetzt wichtig. Und: "Wir suchen Bad Camberger Unternehmen die auch diese Aktion mit Spenden fördern würden."

Petra Hackert

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