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Preisverleihung bei "Ab in die Mitte" (von links): Bad Cambergs Erster Stadtrat Peter Bermbach, Patricia Heckler, Stadtmarketing-Beauftragte Sabine Rubröder, Janina Klein mit Leni und Axel Funke.

Tolle Auszeichnung für Bad Camberger Geschäft

"Geht nach Bad Camberg und schaut es Euch an"

  • vonPetra Hackert
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Das Ladenlokal "Für immer dein" in der Strackgasse ist einer von fünf Preisträgern beim Landeswettbewerb "Ab in die Mitte"

Bad Camberg -Patricia Heckler setzt die Säge an. Das Metallstück wird etwas kleiner. Noch ist die Arbeit nicht ganz so filigran. Das wird sich ändern. Während ihr ein Besucher im Laden über die Schulter schaut, blickt eine Passantin von der Strackgasse aus ins Schaufenster. Sie kann sehen, wie die Goldschmiedin drinnen arbeitet. Wer näher tritt, erkennt auch ihre Kollegin Janina Klein, die ein neues Brautkleid absteckt. Die Dritte im Bunde, Natascha Müller, berät einen Kunden. Dann ist da noch Leni. Die Zweieinhalbjährige fühlt sich so wohl, dass sie sich an Mamas Nähmaschine setzt, bevor sie mit viel zu großen weißen Stöckelschuhen durch den Laden stapft.

Ein Ort der Kreativität und des Schaffens

"Sie liebt Stöckelschuhe", sagt Janina Klein. Und manche Kunden hätten das Bedürfnis, ihre Schuhe auszuziehen, wenn sie eintreten. Weil es so gemütlich wirkt wie daheim. Genau so soll es sein. Ein Ort zum Wohlfühlen, der Kreativität und des Schaffens. Das alles sind Gründe dafür, dass "Für immer dein" in Bad Camberg einer von fünf Landes-Preisträgern des Wettbewerbs "Mein LieblingsLadenlokal" bei "Ab in die Mitte 2020" ist.

700 Kilometer durch Hessen - die hatten Axel Funke und Chiara Lomber am Dienstagabend zurückgelegt, um alle Preisträger zu besuchen und persönlich zu gratulieren. Funke ist Vorstandsvorsitzender von FokusDevelopment. Das vor sieben Jahren gegründete Unternehmen ist Projektentwickler für innerstädtische Handelsimmobilien und Sponsor dieser "Ab-in-die-Mitte"-Aktion.

"Sehen Sie nur die Kupferrohre", zeigt Funke hoch Richtung Decke. Sie sind blitzblank poliert. Wer eine schnöde Wasserleitung erwartet, der irrt. In diesem Fachwerkhaus dienen sie als Halterung für die Brautkleider, die auf Kupferbügeln hängend ins rechte Licht gerückt werden. Sparsam dekoriert und mit genügend Platz gehängt - das ist wichtig. Denn Janina Klein, Modedesignerin aus Leidenschaft, wie sie selbst sagt, legt Wert auf Details. Folgerichtig setzt die 34-Jährige auf Wohlfühl-Atmosphäre, gute Beratung und die Erfüllung von Kundenwünschen. Ein Trend: Eheringe selbst herstellen. Das bietet dieser besondere Laden auch. "Wir geben Kurse und haben einige Brautpaare, die ihre eigenen Ringe selbst angefertigt haben", sagt Patricia Heckler. Die 27-Jährige wird seit kurzem von Natascha Müller (24) unterstützt, ebenfalls Goldschmiedin.

Der Laden läuft - auch in der Corona-Zeit. "Den Lockdown im März haben wir genutzt, um Aufträge abzuarbeiten", erzählt Janina Klein. Parallel dazu stärkten sie ihre Internet-Präsenz. Das hat dazu geführt, dass sich der Kundenstamm weiter vergrößert hat. Dortmund, Trier, Niederbayern - von dort kamen weitere Anfragen. "Doch die meisten kommen schon aus der Region", sagt die Geschäftsfrau. Eines möchte sie doch noch wissen: "Wer war denn nun von ,Ab in die Mitte' hier?"

Mehrere Juroren waren inkognito da

Die Ladenlokale, die für den Wettbewerb vorgeschlagen werden (im Bad Camberger Fall von der Stadtmarketing-Beauftragten Sabine Rubröder) werden nämlich inkognito besucht. "Mehrere waren da", verrät Axel Funke. Er selbst diesmal nicht. "In einem Brautmoden-Laden wäre ich wohl aufgefallen." Seine Mitarbeiterin Chiara Lomber hatte vorbeigeschaut - allerdings privat als Gast in Bad Camberg. Doch sie wusste gleich: "Das ist das Geschäft, das sich im letzten Jahr beworben hatte." 2019 wurde es noch nichts mit der Ab-in-die-Mitte-Prämierung. Ein Grund waren die eingeschränkten Öffnungszeiten. Das Team von "Für immer dein" hatte im März 2018 zurückhaltend begonnen. Dann kam Leni auf die Welt, der Laden entwickelte sich positiv, die Öffnungszeiten ebenso.

Bad Cambergs Erster Stadtrat Peter Bermbach (CDU) hob bei der Prämierung die Schaffenskraft und den Mut der Inhaberinnen hervor. Axel Funke bewertete es so: "Schauen Sie sich um, das Fachwerkhaus, das Schaufenster, das Innere. Diesen Laden könnte man 1:1 nehmen und an einen anderen Ort bringen oder anderen, die so etwas machen möchten, sagen: ,Geht nach Bad Camberg und schaut es Euch an'."

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