Reise in die Geschichte

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Das Stadt- und Turmmuseum ist ein echtes Kleinod in der Region. Liebevoll betreut von den ehrenamtlichen Helfern des Vereins Historisches Camberg bietet es einen Überblick über wesentliche Bereiche des Lebens in Bad Camberg. In einer Serie stellt die Nassauische Neue Presse Museen in der Region vor.

Melisse, Ringelblume und Liebstöckel sehen so anders aus. Nein, nicht die Pflanzen, sondern die Schrift. Marianne Adam beherrscht die altdeutsche Schreibweise. Und wie es ist, in Schönschrift auf der Kreidetafel eigene Versuche zu unternehmen, das lernten die Schüler von heute bei einer Stunde von gestern – es ist schon länger her, war aber ein kleiner Höhepunkt im „Klassenraum“ der Hohenfeldkapelle. Sie gehört nämlich mit dazu und ist ein besonders schöner Part beim Besuch des Stadt- und Turmmuseums in Bad Camberg.

Der Verein Historisches Camberg, der das Museum betreut, sorgt seit vielen Jahren dafür, dass es ein beliebter Anziehungspunkt bleibt – das mittlerweile bei freiem Einritt. Wer den Sonntagsspaziergang mit dem Museumsbesuch verbinden möchte, kann sogar ein wenig Sport treiben: 101 Stufen führen zu den höchstgelegenen Museumsräumen, der Türmerwohnung. Dieser Weg lohnt sich! Von hier im oberen Bereich des Obertorturmes, in der noch um etwa 1900 ein Türmer mit seiner neunköpfigen Familie gewohnt hat, kann man den Ausblick auf die Altstadt und hinauf zur Kreuzkapelle während der Abendstunden genießen. Der viergeschossige Turm ist übrigens das einzige noch vollständig erhaltene Bauwerk der ehemaligen Stadtmauer aus dem Jahre 1385.

Doch zurück zum Inhalt: Das Museum erstreckt sich auch in einen Teil des historischen Amthofs hinein, und so ist es kein Wunder, dass es dem Besucher immer größer erscheint. Hochinteressant ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Freiherr-von-Schütz-Schule für Hörgeschädigte. Hier ist ein kompletter Klassenraum aufgebaut, und wer möchte, kann sich die Entwicklung der Technik anschauen. Das ist auch ein besonderer Tipp der VHC-Vorsitzenden Doris Ammelung: „In der Ausstellung der Gehörlosenschule, welche sich im Amthofteil des Museums befindet, sind unter anderem Originalschriftstücke des Gründers Hugo von Schütz-zu-Holzhausen zu sehen. Der gut ausgestattete Gehörlosen-Schulraum enthält die unterschiedlichsten über die Epochen angewendeten Lern- und Lehrmittel.“

Bad Camberger Leben – dies spiegelt sich wider in der alten Handwerkskunst, die ausgestellt und bei besonderen Gelegenheiten auch gerne gezeigt wird. Wer erinnert sich noch an die Demonstrationen von Schuhmachermeister Herbert Schmitt? An einer Stelle wurden Schuhe besohlt, nur wenige Meter weiter der Webstuhl bedient. Das ist nicht nur für Kinder eine Attraktion. Und natürlich spielen auch die Gebäude eine Rolle. So zeigt das Modell der historischen Zehntscheune, wie sie einmal ausgesehen hat. Heute steht an dieser Stelle das Bad Camberger Kurhaus.

Noch mehr Leben: Die Kur. Natürlich ist das älteste Kneippheilbad Hessens und das drittälteste in Deutschland auch mit diesem Aspekt im Museum präsent. Die Büste von Pfarrer Kneipp, die Dame beim Armbad – hier wird kurz gezeigt, wie es geht – sind Teile dieser kleinen Ausstellung. Wer möchte, kann sich sogar noch näher informieren, nicht nur im Museum, sondern gerne auch bei der Städtischen Kurverwaltung Bad Camberg im Amthof, die die aktuellen Möglichkeiten vorstellt. Wer es weiß, nutzt ohnehin immer wieder einmal die Gelegenheit, eines der Kneipp-Tretbecken im Kurpark zu besuchen. Ein Gang durch das kalte Wasser ist besonders bei Sommerhitze höchst erfrischend. „Der Kneipp’sche Bohnenkaffee“ werden Güsse und der Gang durch das Wasser daher gerne genannt.

Doch zurück zum Museum: Ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte ist der Karneval. Der CVC ist mit seinen 183 Jahren der älteste Carnevalsverein in der Region – noch älter als die närrischen Korporationen in Mainz und Köln. Darauf sind die Camberger Narren natürlich zu Recht besonders stolz. Und so gilt ihnen auch ein besonderes Plätzchen im Museum. Wie sie feiern können, haben sie gerade bei der letzten sehr gelungenen Kampagne gezeigt – mit den beiden Hoheiten Prinz Florian I. und Cambergia Christina Irmgard I. an der Spitze. Das Besondere: Der Prinz und die Cambergia repräsentieren fünf Jahre lang die Geschicke der Stadt im Karneval. Nur alle fünf Jahre ist Großfastnacht, dann wechseln die Würdenträger. Nächstes Jahr also sind die beiden noch einmal dran – und 2017 wird auch ihre schöne Amtszeit Geschichte sein. Wie vieles, von dem das Stadt- und Turmmuseum erzählt.

Das Stadt- und Turmmuseum ist von April bis Oktober an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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