Als Familie am Start: Thomas Laux und Jutta Rumpf laufen mit ihren Töchtern, vorne, v. l.Lotte und Greta.
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Als Familie am Start: Thomas Laux und Jutta Rumpf laufen mit ihren Töchtern, vorne, v. l.Lotte und Greta.

Bad Camberger laufen für den Wald

Rekord: Bis jetzt schon 1500 Teilnehmer beim Stadtlauf

  • VonPetra Hackert
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1500 Menschen sind bis jetzt dabei. So viele wie noch nie, und so anders: Diesmal ist der Bad Camberger Stadtlauf nicht an einem Tag, sondern coronabedingt einen ganzen Monat. Noch bis Ende Juni werden Kilometer gesammelt. Alles für einen guten Zweck: Pro Teilnehmer wird ein Baum im Stadtwald gepflanzt. Mitmachen ist bis Monatsende möglich.

Bad Camberg -Dieser Stadtlauf wird in die Geschichte eingehen. Nicht nur, weil es ihn im Gegensatz zum ersten Coronajahr wieder gibt, sondern auch, weil alle so sehr darauf hingefiebert haben, dass schon jetzt ein Teilnehmerrekord aufgestellt ist. 1000 Leute, die an einem Tag durch Bad Camberg laufen - das ist ja mittlerweile schon ein alter Hut. Jetzt melden sich immer mehr an, über 1500 bis gestern. Und: Gelaufen wird auf den Strecken, die das Vorbereitungsteam ausgewiesen hat, und außerdem überall. Sogar in Köln und München. Das geht so: Jeder, der will, kann sich über die Website www.stadtlauf-camberg.de anmelden und mitmachen. Die Bedingungen sind klar. Und: Im Gegensatz zu sonst muss man sich nicht für eine Disziplin entscheiden. Wer mag, kann gleich fünfmal dabei sein, vom Nordic-Walking bis hin zu den Laufstrecken über verschieden lange Kilometerabschnitte.

Gemessen wird selbst. "Da vertrauen wir auf unsere Teilnehmer. Wir sind alle Sportler und ehrlich", sagt Ulrich Menken vom Orga-Team. Gemeinsam mit Stefan und Christiane Schütz sowie Thomas Rosa (Turngemeinde), Herbert Falkenbach, Sven Huppertsberg und Claudia Ickenroth (Sportverein), Michael Wirsing und Gerhard Rothenberger (Wintersportclub Goldener Grund), Carsten Weilnau, Harald Pabst, Wolfgang Wolter und Prof. Steffen Kind (Rotarier) hat er im Orga-Team alles vorbereitet. Anders als sonst: Normalerweise erfolgt die elektronische Zeit-Abnahme über Start und Ziel in der Obertorstraße, es gibt Streckenposten, viele weitere Helfer aus den Vereinen, Servicestationen mit Speis und Trank, ein Warm-up im Amthof-Innenhof: Allein dafür werden schon über 100 Helfer gebraucht. Das ist jetzt anders. In der coronabedingten Abstandszeit gehen alle an verschiedenen Tagen auf Tour, manchmal sogar öfters, denn man kann, wenn man unzufrieden mit der eigenen Leistung ist, noch einmal laufen und das Ergebnis verbessern. Die Daten, die die einzelnen Teilnehmer übermitteln, werden auf der Website gleich aktualisiert.

Uli Menken: Normalerweise steht er am Rand und passt auf, dass für die Läufer alles okay ist. Deshalb konnte er bis jetzt an keinem einzigen Stadtlauf, den er von Anfang an mit organisiert, teilnehmen. Seine erste Chance, und er ist dabei - wenn der 56-Jährige auch verletzungsbedingt etwas kürzer treten muss.

Burkhard Becker: Der Schwickershäuser ist gleich für mehrere Gruppierungen am Start. Das zeigt sein Shirt. Eine der Aufschriften vorne: "Tokio 2020". Auf dem Rücken steht ". . . oder später". Das hat allerdings mit Corona nichts zu tun. Sein Jahrgang hatte sich schon 2019 dieses Motto ausgesucht und festgestellt, dass sie olympiareif sind. Jetzt oder eben später. . . Er läuft, so wie es passt. "Beim letzten Mal bin ich noch zweimal 150 Meter ums Haus gelaufen, weil die Strecke zu kurz war." Jetzt stimmt's wieder.

Einmal musste er ganz früh raus. Laufen um 5.30 Uhr. "Das war nicht leicht, aber der Sonnenaufgang richtig schön", erzählt der 55-Jährige. Schuld an der frühen Zeit war sein Jahrgangskollege Stefan Thies. Der arbeitet für eine große Patentfirma - jetzt im Homeoffice. Mit Fortschreiten der Pandemie haben sich die beruflichen Termine verändert. Sehr viel läuft online zu Fixzeiten. "Da konnte ich nur ganz früh oder ganz spät." Er hat sich entschieden, vor Dienstbeginn 7 Uhr, also um 5.30 Uhr, zu laufen - und einen Abend länger zu arbeiten, damit er dafür Luft hat.

Die Familie Thies ist übrigens vielfältig aktiv. Seine Mutter Brigitte ist 81, topfit und natürlich dabei. Weitere Verwandte hätten beim üblichen Stadtlauf gar nicht mitmachen können. Doch jetzt sind im "Team Familie" auch noch vier Geschwister, Tante, Onkel, Neffen am Start - insgesamt neun Leute. Sie laufen in Bad Camberg, Aachen, Erlangen und Bayreuth.

Ausgleich für zehn Stunden am Computer

Hans-Jürgen Geller sprintet ebenfalls für zwei Teams. Letzten Dienstag zum Beispiel für die TG bei der Sportabzeichenabnahme. Ihm hat die Coronazeit den Sport ganz schön verhagelt. "Sonst habe ich Triathlon gemacht und bin nach der Arbeit in den Sport. Jetzt sind es zehn Stunden daheim am Tag am Computer", beschreibt er. Schwimmen war nicht möglich, das Radfahren und jetzt das gemeinsame Laufen kommen gerade recht. "Fehlt nur noch der Marathon. Vielleicht gib's den ja nächstes Jahr", sagt er mit einem Augenzwinkern.

Thomas Laux und Jutta Rumpf legen ihren Töchtern Greta und Lotte als Familie los. Die Bad Camberger sind in der LSG Goldener Grund aktiv. "Die Strecke ist top", sagt die 46-Jährige mit Blick auf einer der Routen, die am Parkplatz gegenüber dem Hotel "Waldschloß" am der Hochtaunusstraße beginnt. "Alles ist super vorbereitet", ergänzt ihr Mann. Dem 47-Jährigen ist aufgefallen: Das Orga-Team hat ganze Arbeit geleistet, und entlang der Strecke liegt kaum Müll. Da wird extra drauf geschaut, denn am heutigen Samstag, 5. Juni, ist Umwelttag. Dann wird "geploggt". Plogging, die neue Idee aus Schweden heißt: Alle nehmen beim Laufen Müll mit. "Verbunden mit Sqats oder Ausfallschritten. Wir sind ja schließlich Sportler", sagt Ulrich Menken und macht's vor. Greta und Lotte genießen den Sport mit der Familie, sind aber auch froh, wieder mehr Freunde zu sehen. Greta ist nach einem halben Jahr endlich wieder im Präsenzunterricht. Die 13-Jährige hat ihre Schulkameraden sehr vermisst. Lotte würde gerne wieder ins Ballett gehen, zum Jazz- und Showtanz. Die Zehnjährige ist im Showtanzkader. "Das lief jetzt alles online über Zoom, aber da kommt's auf die Gruppe und die Synchronität an." Es gibt also viel nachzuholen.

Am Umwelttag, Samstag, 5. Juni, wird laufend Müll gesammelt

Die Stadt Bad Camberg ruft gemeinsam mit dem Orga-Team des Stadtlaufs dazu auf, den Lauf am Welt-Umwelttag, Samstag, 5. Juni, mit einer aktiven Umweltmaßnahme zu verbinden, dem Plogging. Das ist ein Trend aus Schweden. Das Wort setzt sich zusammen aus "plocka" (schwedisch aufheben; pflücken) und Jogging. "Müll sammeln, der uns Läufer ohnehin stört, während der sportlichen Betätigung. Gut für die Umwelt, gut für uns", meinen die Organisatoren und raten: Jedes Aufheben eines sorglos weggeworfenen Papiertaschentuchs kann dann zur zusätzlichen Kniebeuge oder zum Ausfallschritt werden.

Mülltüten und Einweghandschuhe sind an der Tourist-Information im Kurhaus Bad Camberg ausgeteilt worden. Wer spontan mitmachen möchte, ist natürlich willkommen, sollte nur eigene Handschuhe und Tüten verwenden.

Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) und die Umweltbeauftragte der Stadt Isabel Thieme freuen sich über die Initiative und sind gespannt auf die Ergebnisse. Die Anregung kam übrigens aus dem Kreise der Stadtlauf-Teilnehmer. Uli Diehl, unter anderem bekannt als Chorleiter ("Die Coolen") hatte die Idee.

Der gesammelte Müll kann am Samstag, 5. Juni, an folgenden Stellen abgelegt werden:

Kernstadt: vor einem großen Hallentor für Fahrzeuge am Bauhof.

Oberselters: neben der Bushaltestelle am Weg zum Bürgerhaus.

Erbach: hinter der Erlenbachhalle.

Schwickershausen: am Dorfgemeinschaftshaus.

Dombach: am Jugendheim.

Würges: neben dem Gemeindezentrum.

Die entsprechenden Stellen werden beschildert.

Der städtische Bauhof sorgt für die fachgerechte Entsorgung. pp

Das ist Plogging: Müll sammeln beim Stadtlauf. Heute beim Umwelttag kommt's drauf an. Weil es sportlich gemacht wird, ist jedes Aufheben verbunden mit einem Ausfallschritt oder einer tiefen Kniebeuge, zeigen (von links) Burkhard Becker, Stefan Thies, Ulrich Menken, Hans-Jürgen Geller und Erik Kiefer.

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