Unser Archivbild aus Nicht-Coronazeiten zeigt: Das Bad Camberger Freibad wird rege genutzt.
+
Unser Archivbild aus Nicht-Coronazeiten zeigt: Das Bad Camberger Freibad wird rege genutzt.

Schließung hatte zu Protesten geführt

Bad Camberger Freibad: Sanierung für rund zehn Millionen Euro

  • vonPetra Hackert
    schließen

Zehn Millionen Euro: Auf diese Summe wird die Sanierung des Bad Camberger Freizeit- und Erholungsbades geschätzt. Die Stadt will das angehen.

Bad Camberg - Über 1000 Menschen haben sich nach Angaben der Petitionsbewegung für die Öffnung des Freizeit- und Erholungsbades in der Kurstadt ausgesprochen. Es blieb geschlossen. Nicht nur wegen Corona, sondern weil es sanierungsbedürftig ist. Rund 17 000 Euro hätten nach Angaben der Stadtverwaltung von vornherein in Reparaturen investiert werden müssen, um diese Saison vernünftig arbeiten zu können. Dies unter Pandemie-Bedingungen. Das Bad blieb geschlossen. Das soll es aber nicht bleiben. Die Stadtverordnetenversammlung hat sich vorgenommen, am Ball zu bleiben.

Die Diskussion ist über ein Jahr her. Was wird aus dem renovierungsbedürftigen Freibad "Am Eltwerk" nahe der Pfortenwiesen? Wird es saniert, umgebaut, gar an anderer Stelle neu gebaut? Kommt ein Waldbad in Frage? Doch eine herkömmliche Lösung? Wie viel Spaßbad-Anteil darf es angesichts des Kurgedankens geben? Was kann man sich leisten? Mit diesen Fragen hatte sich die Stadtpolitik bereits beschäftigt. Am Ende stand das Votum für eine Sanierung an der bisherigen Stelle.

Die Entscheidung fiel im Dezember 2019. Auf Antrag der CDU, wie die Christdemokraten am Dienstagabend in der ersten Stadtverordnetenversammlung seit Beginn der Pandemie im Bad Camberger Kurhaus deutlich machten. "Die CDU hat's nicht erfunden", konterte SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Eufinger mit Hinweis auf die Urheberschaft. Das Votum stand am Ende eines Diskussionsprozesses. Auch jetzt ist klar: Die Stadtoberen wollen das Bad sanieren. Wie genau, damit wird sich bereits beschäftigt. Nur zu langsam, meinten die Grünen und haben das Thema - ebenso wie die CDU - erneut über Anträge ins Parlament gebracht.

Die CDU beantragte außerdem eine stärkere Bürgerbeteiligung über die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft. Das wurde mit 14 Ja-Stimmen der CDU so beschlossen gegen die acht Stimmen von SPD und Grünen. "Wir satteln doppelt auf", verwies Jürgen Eufinger auf das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) für das Fördergebiet Aktive Kernbereiche Bad Camberg. Es betrifft die Frankfurter Straße und die Pfortenwiesen. In diesem Zusammenhang werde es bereits die gewünschte Bürgerbeteiligung geben. Damit sei das Freibad hier mit im Boot.

Die Notwendigkeit

ist allen bewusst

"Das soll keine dauerhafte Institution werden, sondern bei der Richtungsentscheidung helfen zwischen den Alternativen vom Luxusbad zum Tümpel", begründete Tarik Cinar (CDU) den Vorstoß seiner Fraktion. Wichtig sei, ins Gespräch zu kommen, aber keine Zeit zu verlieren.

Letzteres sahen alle Fraktionen so. Deshalb, so begründete Dieter Oelke (Bündnis 90/Die Grünen), sei es an der Zeit, dass etwas geschehe. Seine Befürchtung, wenn das Freibad über das Programm "Lebendige Zentren" in den Focus genommen werde, dauere alles viele Jahre, entkräftete Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD). "Das Programm ist auf zehn Jahre angelegt, aber das heißt nicht, dass wir zehn Jahre lang alles sammeln und dann beginnen, etwas umzusetzen." Das geschehe von vornherein und sukzessive. Allen sei bewusst, dass es kein Luxusbad geben werde, doch eine sinnvolle Sanierung sei unumgänglich. Bürgermeister Vogel: "Die Notwendigkeit ist uns bewusst, und wir müssen die finanzielle Leistungsfähigkeit im Auge behalten. Auch, weil wir nicht wissen, wie lange uns das Thema Corona noch beschäftigen wird."

Eine finanzielle Auswirkung der Coronakrise wurde in der Sitzung bereits deutlich: Das Parlament verabschiedete einstimmig ein Haushaltssicherungskonzept. Dies deshalb, weil die Gewerbesteuereinnahmen wegen der Pandemie eingebrochen sind. Konkret fehlen dadurch rund 1,4 Millionen Euro, die aus der aktuellen Haushaltsplanung gestrichen werden mussten.

Doch zurück zum Freibad: Den Vorwurf der Grünen, dass nichts geschehen sei, wollte Tarik Cinar so nicht stehen lassen. "Die Verwaltung ist bereits fleißig am Arbeiten." Im Magistrat sei bereits eine Machbarkeitsstudie vorgestellt worden.

Antrag

angenommen

Die CDU ziele nun darauf, weiter Fördermittel zu generieren. Konkret wurde auf Antrag der CDU beschlossen, dies über das Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur" zu beantragen. Erst im August habe das Bundesinnenministerium einen weiteren Projektaufruf für dieses Programm gestartet. Mit dem Nachtrag zum Bundeshaushalt 2020 (Konjunkturpaket) stelle der Bund erneut Mittel von über 600 Millionen Euro für die Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur bereit. Hier könne das Freibad profitieren. Der Antrag wurde bei einer Enthaltung aus Reihen der SPD einstimmig angenommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare