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Spiel ohne Grenzen: So glücklich sehen Sieger aus

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Von: Petra Hackert

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Und sie mögen sich doch: Die Mannschaften aus Dombach und Schwickershausen.
Und sie mögen sich doch: Die Mannschaften aus Dombach und Schwickershausen. © Petra Hackert

Das waren spannende, schöne und sehr, sehr lustige Wettbewerbe mit Gegnern, die am Ende gemeinsam feierten.

Bad Camberg -Was für ein Tag! Das Wetter spielte mit, denn zum ersten Mal gab es keine hochsommerlichen Temperaturen. So kamen alle Teams beim Bad Camberger "Spiel ohne Grenzen" schnell ins Rennen: Die Organisatoren waren baff. Nicht nur sie. Moderator Mirco Liefke musste die Beginn-Zeiten der nächsten Wettbewerbe immer wieder nach vorne ziehen, weil die Bad Camberger, Erbacher, Würgeser, Oberselterser, Schwickershäuser und Dombacher so wahnsinnig schnell waren. In Windeseile hatten sie die Aufgaben geknackt, sehr, sehr fix Bierkrüge geschoben, Eiswürfel in Gläser geworfen, obwohl der, der es tat, mit beiden Händen an eine Latte gefesselt war, Eierlaufen mit Tennisbällen auf dem Kirchplatz absolviert, sich beim Maulwurfspiel eingesetzt. Doch das schönste, herausforderndste Spiel - und der absolute Publikumsliebling - war der Wasser-Wettbewerb in der Obertorstraße.

Allez les bleus: Die Bad Camberger sind in Form.
Allez les bleus: Die Bad Camberger sind in Form. © Petra Hackert

Auslosung konnte nicht besser sein

Hier ging es gleich heftig zur Sache, denn die Auslosung hatte ergeben: Dombach trifft auf Schwickershausen. Die beiden kleinsten Stadtteile, von denen jeder gesagt hatte, die Endplatzierung ist egal, Hauptsache (das jetzt aus Dombacher Sicht) vor Schwickershausen. Und dann das: Als sie alle Stationen auf Marktplatz, Kirchplatz und Obertor gegeneinander absolviert hatten, stand es für beide Teams unentschieden. Der Einsatz musste vergrößert werden. Die Lose hätten es nicht besser zuordnen können: Erbach traf auf die Kernstadt, also deren "Äbbelkrautskremer". Die foppten die "Bad Erbacher" Konkurrenz zurück. Mit Würges und Oberselters maßen sich der südlichste und der nördlichste Stadtteil. Insgesamt traf jeder Stadtteil auf drei andere. Jeder gegen jeden war nicht möglich, sonst hätte das Spiel bis in den Abend gedauert. Oder doch nicht?

Die Helfer des DRK müssen zum Glück keine schweren Fälle verarzten. Alles gut gegangen.
Die Helfer des DRK müssen zum Glück keine schweren Fälle verarzten. Alles gut gegangen. © Petra Hackert

Vielen stand das ins Gesicht geschrieben. Bei der Punkte-Vergabe applaudierten die Oberselterser am lautesten, als die Erbacher vom Kirchplatz fünf Punkte mit nach Hause holten. Damit war klar: Für sie selbst blieb im Ranking dieser Etappe nur noch der erste Platz. Genauso ging es ziemlich oft weiter. Das bei einer Mannschaft, die sich erst in der letzten Woche vor dem Spiel formiert hatte. "Wir wussten erst gar nichts davon", erklärte Boris Pabst. "Beim Brunnenfest haben wir zum ersten Mal davon gehört", ergänzte Menelik Kist. Beide sind Oberselterser Kerbeburschen. Gleich vier Stück haben sich spontan fürs Team gemeldet, waren mit Adrian Sandner einig: "So etwas sollte es wieder geben." Bürgermeister Vogel musste man nicht lange überzeugen. "Wir haben schon darüber nachgedacht", bestätigte er. Vielleicht nicht gerade jedes Jahr, doch zu besonderen Gelegenheiten. Eine solche könnten die Feierlichkeiten zur Bildung der Großgemeinde Bad Camberg in zwei Jahren sein. Die kommunale Gebietsreform 1974. Nach 50 Jahren könnte man das mit einem Spiel ohne Grenzen der Stadtteile feiern.

Die Würgeser freuen sich über den schönen, gelungenen Tag.
Die Würgeser freuen sich über den schönen, gelungenen Tag. © Petra Hackert

Auf dem Kirchplatz waren alle blitzschnell. "Dombach, Dombach", feuerten die Umstehenden ihr Team beim Eierlauf mit Tennisbällen an, während die Oberselterser dort schon Zielwerfen machten. Alles unter den scharfen Augen von Albert Bastian und Klausjürgen Herrmann. Auf dem Marktplatz gab Karl-Heinz Sellheim den Ton an. Gemeinsam mit Ludger Becker hatte er als Schiedsrichter ein Auge auf das Cocktailmixen - abgeschaut von "Joko und Klaas" aus dem Fernsehen. "Wasser macht keine Bierflecken", schallte Sellheims Stimme über den Marktplatz. Wer es nicht sehen, sondern nur hören konnte, bekam die gute Stimmung allein beim Applaus mit.

So ist es schwer, einen Cocktail zu mixen - doch die Erbacher haben das drauf.
So ist es schwer, einen Cocktail zu mixen - doch die Erbacher haben das drauf. © Petra Hackert

Die Obertorstraße: Hier gab es sogar vier Schiedsrichter mit Helfern, denn das Spiel war deutlich aufwendiger. Wassertransport über eine Leitung, die selbst zusammengesetzt werden musste, in einen Schubkarren, durch Trichter in Wasserflaschen - so die letzten Etappen. Das war schwierig. Gretel Kilian, Waltraud Götzel, Roman Pflüger und Erich Grzesista hatten alles im Griff, spornten die Teams zu Höchstleistungen an. "So viele Menschen aus allen Stadtteilen habe ich noch nie hier versammelt gesehen", meinte Zuschauerin Ilka Becker auf dem Marktplatz. "Das hat Spaß gemacht, schweißt zusammen. Das ist echtes Teambuilding", berichtete Tanja Buchert. Ihr Sohn Jona war mit dem vorgeschriebenen Mindestalter von zwölf Jahren der Jüngste im Team und stellte fest: "Das war alles gut." Die Schwickershäuser hatten sich Verstärkung aus der Ukraine geholt. "Weil wir direkt gegenüber von Burkhard Becker wohnen. Der hatte gefragt", erzählte Natalia Lobova. Ihre Kinder Ivanka (14), Jewgenia und Sergej (beide 16) traten mit an und waren begeistert. Was war am schwersten? "Nichts", lachten die Kinder. "Die Spiele sind super." Auch ihr Favorit war die Obertorstraße. Bad Camberg und das Wasser werden sie so schnell nicht vergessen.

Die Schwickis beim Eierlauf auf dem Kirchplatz.
Die Schwickis beim Eierlauf auf dem Kirchplatz. © Petra Hackert

Wenig zu tun hatten glücklicherweise die Helfer des Roten Kreuzes. Einen guten Eindruck hatte Kurdirektor a. D. Bodo Schäfer. Das Spiel hatte ihn zurück in die Kurstadt geholt, und so nutzte er eine kurze Pause, um mit Michael Sinn Gedanken auszutauschen. Sinn, seit knapp zwei Monaten Kurdirektor, hat seine Sache bis jetzt schon mehr als gut gemacht, hörte man von allen Seiten. "Ein echter Glücksgriff für Bad Camberg", bestätigte Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD). "Unser Spiel ohne Grenzen ist genau das, was der Ab-in-die-Mitte-Wettbewerb will: Es geht um Gemeinsamkeiten, sich gegenseitig zu stärken. Das haben die Ortsteile getan, aber auch alle insgesamt." Oder, wie es Zuschauerin Ursula Selchow formulierte: "Hier legen sich alle ins Zeug, aber nicht in den Gruppen oder Vereinen, in denen sie sonst aktiv sind, sondern kreuz und quer." Deshalb war es für alle neu, spannend und sehr lustig.

So sehen Sieger aus: Alle Teams aus den Bad Camberger Stadtteilen haben sich einen wunderbaren, bewegten Tag mit vielen schönen Momenten beschert. Vorne in Dunkelrot und Gelb die Dombacher und Schwickershäuser, rechts in Grün die Würgeser, in Blau das Team der Kernstadt, in Rot Oberselters und in Orange die Erbacher
So sehen Sieger aus: Alle Teams aus den Bad Camberger Stadtteilen haben sich einen wunderbaren, bewegten Tag mit vielen schönen Momenten beschert. Vorne in Dunkelrot und Gelb die Dombacher und Schwickershäuser, rechts in Grün die Würgeser, in Blau das Team der Kernstadt, in Rot Oberselters und in Orange die Erbacher © Petra Hackert
Bürgermeister Jens-Peter Vogel gratuliert der Siegermannschaft aus Oberselters
Bürgermeister Jens-Peter Vogel gratuliert der Siegermannschaft aus Oberselters © Petra Hackert
Nach Publikumsmeinung das schönste Spiel: Wassertransport über viele Wege in der Obertorstraße. Würgeser (links) und Erbacher (rechts) legen sich gerade mächtig ins Zeug.
Nach Publikumsmeinung das schönste Spiel: Wassertransport über viele Wege in der Obertorstraße. Würgeser (links) und Erbacher (rechts) legen sich gerade mächtig ins Zeug. © Petra Hackert
„Allez, les bleus“: Es ist nicht einfach, bei diesem fesselnden Spiel mit der rechten Hand einen Eiswürfel links ins Glas zu werfen.
„Allez, les bleus“: Es ist nicht einfach, bei diesem fesselnden Spiel mit der rechten Hand einen Eiswürfel links ins Glas zu werfen. © Petra Hackert

Alle Stadtteile feierten gemeinsam

Bad Camberger, Erbacher, Würgeser, Oberselterser, Schwickershäuser und Dombacher taten das am Samstag noch zur Genüge - zu den fetzigen Klängen von Ben'tagons Camberg-Lied, Boris Kolbs genialem Song-Medley und Burkhard Beckers motiviertem Gesang, bevor das Duo "Twilight Project" übernahm. Alan Parsons Songs auf dem Marktplatz - die machten Laune aufs Entspannen, Klönen, Beieinander-Bleiben. Der Würgeser Ortsvorsteher Georg Minde (CDU) hielt treffend fest: "Das hat sich wirklich gelohnt." Petra Hackert

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