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Die Kinder fühlen sich wohl. "St. Antonius" in Oberselters ist eine der drei Bad Camberger Kitas in kirchlicher Trägerschaft.

Betreuung

Stadt Bad Camberg und Kirche arbeiten bei drei Kitas weiter zusammen

  • vonPetra Hackert
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Für drei Einrichtungen wurden neue Betriebsverträge geschlossen.

Bad Camberg – Die Auseinandersetzung um den Bau des neuen Kindergartens in Erbach hat Wellen geschlagen. Letztlich hat die Stadt Bad Camberg das Gebäude ohne Zutun der katholischen Kirche errichtet. Wesentlich leiser ist ein Verwaltungsakt vonstatten gegangen: Stadt und Kirchengemeinde haben einen neuen Kindergartenbetriebsvertrag geschlossen.

"Er festigt die Zusammenarbeit", meint Frank Bermbach, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates und Kindergartenbeauftragter von St. Peter und Paul. "Trotz kontroverser Diskussionen sind wir zu einer guten Lösung gekommen", sagt der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) auch mit Blick auf die neue Kita in Erbach. Der Vertrag gilt außerdem für die beiden kirchlich getragenen Kitas in der Kernstadt (St. Marien) und in Oberselters (St. Antonius).

Zwei weitere der fünf Kindertagesstätten in Trägerschaft von St. Peter und Paul sind von diesem Vertrag unberührt, denn sie liegen im Gebiet der Gemeinde Selters. Dies deshalb, weil die Pfarrei seit dem Zusammenschluss aus den Kirchorten Bad Camberg, Würges, Dombach, Schwickershausen, Erbach, Oberselters, Niederselters, Eisenbach, Haintchen und Hasselbach besteht.

Von der vertraglichen Neuregelung sind die Einrichtungen in Bad Camberg, Oberselters und Erbach mit fast 300 Betreuungsplätze betroffen. "Sie bilden eine wichtige Stütze in dem Betreuungsangebot für Kinder im Alter von einem Jahr bis zum Eintritt in die Grundschule in Bad Camberg", sagt Frank Bermbach. Dies nun schon seit Jahrzehnten.

Neun Kindergärten in Bad Camberg

Insgesamt gibt es auf städtischem Gebiet neun Einrichtungen, außer den genannten dreien noch die Kinderoase, die Rappelkiste (beide in der Kernstadt) und das Spatzennest in Würges (alle in städtischer Trägerschaft) sowie ebenfalls in der Kernstadt die Kritzelburg (betrieben von den Lahn-Kinderkrippen), der Waldkindergarten (Träger ist der Verein "Waldkindergarten Wurzelzwerge") und die Krabbelstube (Deutscher Kinderschutzbund). Florian Thuy, bei der Stadt Bad Camberg zuständig für diesen Bereich, berichtet von aktuell 560 Kindern, die in den neun Einrichtungen betreut werden.

Eine Anpassung des bisherigen Kindergartenbetriebsvertrags zwischen Stadt und Kirche wurde auch deshalb erforderlich, weil sich sowohl die Kinderbetreuung selbst als auch deren Förderung durch die Überarbeitung des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuches wesentlich verändert haben. Außerdem war der neuen Eigentumssituation bei der "Kinderwelt St. Mauritius" Erbach Rechnung zu tragen, da der Neubau von der Stadt ohne finanzielle Beteiligung der Kirchengemeinde erstellt wurde. Dort gelten künftig also die gleichen Regelungen wie bei der vor 40 Jahren errichteten Kindertagesstätte "St. Antonius" Oberselters.

Kirche trägt 15 Prozent der Betriebskosten

Inhaltlich verändere sich nicht viel. "Nach wie vor trägt die Kirchengemeinde für wesentliche Teile des Betreuungsangebotes einen Kostenanteil von 15 Prozent der laufenden Betriebskosten, was andere freie Träger nicht bieten", sagt Bermbach. Der früher einmal übliche erhöhte Personalbestand gegenüber kommunalen Kindertagesstätten ist nicht mehr vorgesehen, weil die Anpassung des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuches von vornherein eine bessere Personalausstattung vorsieht.

Außerdem legt der neue Vertrag fest, dass ein "Fachbeirat Katholische Kindertageseinrichtungen" installiert wird, der in der Regel vierteljährlich tagen soll, um den gemeinsamen Austausch zwischen Stadt und Kirchengemeinde zu verbessern. Inhaltliche Schwerpunkte des Fachbeirates sollen die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit, Angebotsentwicklung und -veränderung, Prognose- und Planungsrechnung, Prüfung der Jahresrechnung, Jahresabrechnung, Bau- und Investitionsplanung sowie Änderungen der Stellenpläne in den Katholischen Kindertagesstätten sein.

In diesem Vertrag ist auch festgehalten, dass sich die Kirchengemeinde mit einem Zuschuss von 240 000 Euro an der Einrichtung der neuen, 5,5 Millionen Euro teuren "Kinderwelt St. Mauritius" Erbach beteiligt. Dies deshalb, weil sich die Stadt Bad Camberg im Gegenzug bereit erklärt hatte, die Planungskosten für den ursprünglich gemeinsam geplanten Neubau zu tragen. "Diese Planung ist durch den in Eigenregie der Stadt nun fertiggestellten Neubau in Erbach hinfällig geworden", so Bermbach.

Vertrag läuft bis Ende 2025

Der Vertrag ist zunächst mit einer Laufzeit bis zum 31. Dezember 2025 geschlossen und kann mit einer Frist von 24 Monaten gekündigt werden. Damit soll sichergestellt sein, dass Kontinuität gewährleistet ist und bei einer Veränderung ausreichend Zeit für Kinder, Eltern, Mitarbeiter sowie die Vertragsparteien bleibt, um sich darauf vorzubereiten. Peter Hackert

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