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Bernd Pfüger (rechts) hilft beim Äpfelwaschen.

Mit viel Kraft

Über 500 Kinder stellen im Amthof-Innenhof Apfelsaft her

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Sie waschen Äpfel, häckseln, keltern, bauen Nisthilfen und Behausungen für Ohrschlitzer, lassen die Sorte ihrer selbstgeernteten Äpfel bestimmen, kosten von den leckeren Apfelwaffeln oder den Kartoffelkreppeln mit Apfelmus – mehr als 500 Kinder sind beim großen Kinder-Apfeltag aktiv. Ein Genuss für alle!

Drei Tage lang hatten die 400 Jungen und Mädchen auf der Würgeser Streuobstwiese Äpfel gesammelt. Vier Zentner sind dabei herausgekommen. Stundenlang haben die Aktiven des Obst- und Gartenbauvereins Waffelteig vorbereitet, die Äpfel noch gestern Morgen in aller Frühe hineingeschnippelt – denn frisch muss das Ganze sein. Das Ergebnis: 20 Eimer Teig. Gestern wurde das alles verarbeitet. Dies und noch viel mehr, denn beim großen Kinder-Apfeltag kamen rund 500 Kinder und viele, viele Erwachsene im Amthof-Innenhof auf ihre Kosten.

Dabei geht es nicht nur ums Essen. Es gibt sehr viel zu lernen. Handwerkliches: Sabrina hat eine einfache Frage: Sie legt einen schönen, grünen Apfel auf den Tisch vor Werner Nußbaum. Der Pomologe schaut ihn sich an, zückt ein Buch, zeigt der Siebenjährigen und ihren beiden Freundinnen Bilder verschiedener Apfelsorten. Eine ist dabei, die ihrem Apfel aufs Haar gleicht. Könnte er es sein?

Am Nachbarstand ist noch mehr Getümmel: Schon in den ersten beiden Stunden des Tages werden die Kinder gemeinsam mit Dieter Knapp und seinen Helfern mehr als 100 Behausungen für Ohrschlitzer geschaffen haben. Ein kleines, blondes Mädchen zuckt zurück, als sie hört, was da gebastelt werden soll. „Keine Angst, die gehen nicht in Eure Ohren“, lacht Knapp. Okay – sie nimmt den Blumentopf in die Hand, der mit Holzwolle gefüllt und später mit der Öffnung nach unten zu Hause in den Obstbaum der Eltern gehängt werden soll. „Die Bad Camberger Ohrwürmer werden sich freuen, die Blattläuse nicht“, schmunzelt Knapp. Denn das haben die Kinder verstanden: Es geht um natürlichen Umweltschutz.

So ähnlich ist das beim Apfelpressen. Bernd Pflüger mit dem Helferteam des Kinder-Apfeltags zeigt die Produktionskette. Die Kinder waschen selbst die Äpfel, die sie in den vergangenen drei Tagen gepflückt haben. Dann kommen sie in den „Muser“. Der Obsthäcksler zerkleinert alles, die Apfelmasse kommt in die Obstpresse. Doch nicht einfach so. Fleißig schaufeln die Kinder die Substanz in die Handpressen – gemeinsam mit den erwachsenen Helfern. Anschließend drehen sie, was das Zeug hält. Sie lernen aber auch die hochmoderne Hydropresse kennen. Hier müssen sie nichts mehr tun, nur noch abwarten, bis der fertige Saft unten herauskommt.

Julian (8) kennt sich schon gut aus. Gemeinsam mit Marlene (8) und dem gleichaltrigen André ist er noch einen Schritt weiter in der Produktionskette: Er holt sich den Apfelsaft. „Ja, das habe ich schon ein paarmal gemacht“, erklärt er schnell, wie das Apfelpressen funktioniert. Als Kindergarten- und Schulkind war er schon beim Kinder-Apfeltag, jetzt zum vierten Mal.

Vier Tonnen Äpfel

– sie werden verputzt, sei es in flüssiger oder fester Form. Am Stand des Carenvalvereins gibt es Kartoffelkreppel mit Apfelmus, der Duft von Zimt zieht vom Crêpes-Stand über den Platz, Apfelkuchen, Apfelmarmelade, Äpfel zum Drehen – denn so entfernen die Kinder selbst die Schalen, die zu langen, langen Schlangen werden: Beim schönsten Sonnenschein genießen sie den Herbst im dicht bevölkerten Amthof-Innenhof.

Die Zahl der Apfelsäcke nimmt stetig ab, der Trester-Berg wächst. Trester, das sind die festen Rückstände, die nach dem Pressen übrig bleiben. Vom Obst- und Gartenbauverein kommen noch ein paar Apfelschalen hinzu. Diese natürlichen Abfälle werden ebenfalls zu einem Teil der Nahrungskette: Der Erbacher Hobby-Schäfer Thomas Schüler freut sich darüber.

„Wir geben es ihm gerne, und das Beste: Alles ist ungespritzt, völlig natürlich. Wir dürfen zwar kein Bio-Label verwenden, aber das hier ist frei von jeglichem Spritzmittel“, sagt Bernd Pflüger. Klar, auf der Würgser Streuobstwiese wird ohne Chemie gearbeitet. Das kommt den Kindern, aber auch den Tieren zugute.

Übrigens: Der Amthof-Innenhof hat sich im zweiten Jahr als Ort der Veranstaltung gut etabliert. „Schön ist, dass keine Autos drumherum fahren“, sagt eine Mutter. Und stimmt: Man hat alles gut im Blick. Dann können die Kinder arbeiten, essen, sich mit ihren Freunden austauschen, und für die betreuenden Erwachsenen sind die Abläufe trotz aller Arbeit sehr entspannt. Bürgermeister Jens-Peter Vogel und Stadtverordnetenvorsteher Heinz Schaus (beide SPD) legen selbst mit Hand an und stellen fest: Diese Ab-in-die-Mitte-Aktion hat sich wieder einmal gelohnt!

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