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Jetzt sind Muttergefühle erwacht: ?Wutz? Emma Hafeneger und ?Urmel? Felix Schütz kommen sich näher.

Jugendbühne

Urmel aus dem Eis lässt keinen kalt

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Immer mehr Stühle wurden dazugestellt, der große Kurhaus-Saal war rappelvoll, und bei der dritten Aufführung musste sogar die Rückwand zum kleinen Saal weichen: Über 500 Zuschauer genossen „Urmel aus dem Eis“, dreimal zum Leben erweckt von der Jugendbühne „Individuell“.

Das kleine Tier blickt verschämt in die Welt. Während es am Daumen lutscht und nach oben lugt, weckt es den absoluten Beschützer-Instinkt. Im Publikum und bei den anderen Tieren auf der Bühne. Niemand hat je zuvor so etwas wie diesen kleinen grünen Drachen mit den winzigen Flügeln gesehen. Es ist ja auch noch ein Baby, und in Wirklichkeit gar kein Drache, sondern ein noch viel selteneres Tier: Ein Urmel.

Mit Hochspannung erleben die Jungen und Mädchen, wie es aus dem Ei schlüpft, die Welt kennenlernt. Und die ist so ganz anders als das, was die Kinder kennen. Isabelle in der zweiten Reihe ist komplett drin in der Story. Wir kennen ihren Namen jetzt, denn immer wieder tauscht sie sich mit ihren noch kleineren Nachbarn aus. Sie schreien, wenn Urmel in Gefahr ist, lachen lauthals, wenn Ping in Wah-Wahs Muschel steckt und amüsieren sich köstlich über die Sprachfehler der Tiere. „Mupfel hat der gesagt, Mupfel“, wiederholen sie eifrig das schwierige Wort. Sophie Arnold in der Rolle des Pinguins, der kein „Sch“ sprechen kann, avanciert schnell zum Publikumsliebling. Und das Urmel natürlich.

Felix Schütz ist viel größer, als es den Anschein hat. In der Rolle gelingt es ihm spielend, das süße Kleinkind, pardon Kleintier, zu geben. Und dann zu wechseln: Urmel erkundet die Welt, landet in der Höhle mit den gefährlichen Gasen, wird gejagt, fast erschossen! Die meisten Kinder kennen die Geschichte von Max Kruse, und unter den Erwachsenen dürfte es wohl kaum jemanden geben, der „Urmel aus dem Eis“ der Augsburger Puppenkiste nicht gesehen hat. Jetzt hängen die Figuren nicht an Fäden. Die jungen Darsteller der Bühne „Individuell“ holen sie ins Leben.

Da ist der singende See-Elefant, wunderbar gegeben von Yvo Heinen, die gute Wutz, die alles so blitzsauber putzt und ihre Muttergefühle fürs Urmel entdeckt – hingebungsvoll gespielt von Emma Hafeneger. „Tim Tintenklecks“, der nicht nur spielt, sondern auch erzählt und durch die Geschichte führt: Bastian Schmidt hat die Kinder vom ersten Moment an auf seiner Seite. Sie hängen an seinen Lippen, wenn er verrät, was noch passiert. Denn nicht alles ist zu sehen.

Aber sehr gut vorstellbar. Dafür sorgt das quicklebendige Ensemble, das unter der Regie von Eike Rücker-Klapper die Bühne zur professoralen Arbeitsstube, zur gefährlichen Höhle oder der idyllischen Insel Titiwu macht. Fein, wie sich Wah-Wah (Svenja Hindrischedt) und Ping um die „Mupfel“ streiten, fesselnd, wie sich „Professor“ Nils Langer, „Schusch“ Henrik Hille und die anderen auf die Suche nach dem geflüchteten Urmel machen. Dramatisch der Mord auf offener Bühne: Die Krabbe wird erschossen. Simon Hindrischedt gleitet leise vom Stein in die Dunkelheit – die Kinder passen gut auf und wissen jetzt: Das Gewehr ist echt, das Urmel wirklich in Gefahr. Sie bibbern, zittern, warnen mit. Und sind erleichtert, weil es „König“ Marius Meyer und „Sami“ Marit Mertes dann doch nicht übers Herz bringen, das goldige Tierchen zu erlegen.

Nehmen wir noch Romina Winkler und Oskar Hafeneger als Professoren hinzu, dann ist die Reige der Darsteller komplett. Dem jungen Regisseur Eike Rücker-Klapper und seinem Team ist es gelungen, große und kleine Besucher zwei Stunden prächtig zu unterhalten. Bravo!

Die Schauspieler kamen von der Bühne, und wer wollte, konnte sich gemeinsam mit Urmel, Ping, Wutz, Wah-Wah – und wie sie alle heißen – fotografieren lassen. Die Handykameras klickten wie wild.

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