Pilotenlegende aus Bad Camberg

Walter Eichhorn flog schon mit Tom Cruise

Willkommen im Club! Die Pilotenlegende Walter Eichhorn aus Bad Camberg hält Einzug in die „Hall of Fame“ der internationalen Luftfahrt. Und er trifft dort auf viel Prominenz.

Darauf hatte es der Mann in seinem auch schon 82 Jahre währenden Leben nie bewusst angelegt. Der Bad Camberger Walter Eichhorn ist dort angekommen, wo er eigentlich auch hingehört: in der „Hall of Fame“ der globalen Fliegerei. Der „Stifftekopp“ aus dem Hessischen zählt zu den schillerndsten Figuren der Luftfahrt. Und das hat er inzwischen auch schriftlich: Eichhorn ist jüngstes Mitglied der „Living Legends of Aviation“, einem exquisiten Zirkel, dem, ihn mitgerechnet, rund um den Globus verteilt gerade mal 103 Stars der Weltluftfahrt angehören.

Klangvolle Namen stehen auf der Kladde dieses Eliteclubs: Der von Stratosphären-Jumper Felix Baumgartner ebenso wie der von Dick Rutan, der 1986 mit der „Voyager“ ohne aufzutanken in neun Tagen die Welt umrundet hatte. Und da wäre Buzz Aldrin, der zweite Mensch, der den Mond betreten hat. Und dessen deutscher kosmischer Kollege Ulf Merbold. Und der Walter mittendrin.

Wer die Liste durchgeht, stolpert zwangsläufig über viele weitere bekannte Namen. Denen von „Indiana-Jones“ Harrison Ford, John Travolta, Morgan Freeman, Kurt Russel, Tom Cruise oder auch Dr. Tom Enders. Das sind nicht nur Kino-Legenden oder Wirtschaftsführer, sondern „nebenbei“ auch herausragende Piloten und Persönlichkeiten, die der Luftfahrt entscheidende Impulse vermittelt haben. Mit dem smarten Ethan Hunt aus „Mission Impossible“ hatte Eichhorn 2008 den Blockbuster „Valkyrie“ gedreht. Er selbst mimte damals in Echtzeit einen Me 109-Piloten, Cruise den Hitler-Attentäter Stauffenberg. Seitdem sind die beiden Freunde.

Noch nicht allzu viele Deutsche sind für würdig befunden worden, die Ruhmeshalle der Flying Legends zu betreten. Neben Enders hatten hier bereits der frühere Lufthansa-Chefpilot Dieter Friedrich Uchtdorf und Astronaut Merbold Sitz und Stimme. Erst im Januar dieses Jahres war Segelflug-Meister Bruno Gantenbrink in Beverly Hills inthronisiert worden.

Das fliegerische Lebenswerk Eichhorns Revue passieren zu lassen, würde den Rahmen sprengen. Deshalb nur ein paar kurze Streiflichter. Der drahtige, mit allen aerodynamischen Wassern gewaschene Überflieger war Flugkapitän, Fallschirmspringer, Test-, Film- Show- und Stuntpilot. Er hat unter anderem in dem bekannten britischen Kriegsfilm „Memphis Belle“ (1990) mitgewirkt, ebenso in der Fernsehserie „Piece of Cake“.

Tatsächlich hat Walter Eichhorn im Laufe seiner Karriere mehr als 60 verschiedene Flugzeugtypen und -Baumuster „geritten“, ob nun jene der kolbengetriebenen Art oder solche mit Jet-Antrieb. Und das während seiner 30-jährigen Dienstzeit bei der Deutschen Lufthansa, davor und danach. Die „Tante Ju“, das Traditionsflugzeug der Kranich-Airline, pilotierte er als verantwortlicher Kapitän 15 Jahre lang durch den europäischen und US-amerikanischen Luftraum. Er gab der P 51 „Mustang“ der Airforce nebenbei ebenso die Sporen wie der britischen Spitfire. Zu seinen absoluten Favoriten zählen jedoch die gute alte North American T-6, mit der er bis heute unterwegs ist.

Michael Linke, ein Vereinskamerad aus Eichhorns Heimatverein, der Flugsportgruppe Elz, hat dieses himmlische, abenteuerliche Leben detailliert und spannend nach- und aufgezeichnet. Mit „36 000 Stunden am Himmel – Erlebnisse zwischen Null und 36 000 Fuß Flughöhe“ ist die packende und inzwischen schon in dritter Auflage erschienene Biografie betitelt. Zu beziehen über .

Wenn der Mann, den obligatorischen weißen Schal um den Hals, dem Publikum vor dem Take-Off oder nach der Landung aus dem Cockpit seines 600-PS-Boliden zuwinkt, ist die Welt in Ordnung. Für ihn selbst und die Zuschauer. Doch damit könnte es in absehbarer Zeit vorbei sein. Walter Eichhorn hat angekündigt, künftig kürzertreten, wenn nicht ganz mit dem Kunstfliegen aufhören zu wollen. Das wäre ein herber Verlust für die Szene. Gut, die Rolling Stones befinden sich seit 30 Jahren auf Abschiedstournee. Doch bei Walter Eichhorn muss man davon ausgehen, dass er auch tut, was er sagt. Das war schon immer so bei ihm.

Doch der berühmte Name wird nicht vom Himmel verschwinden. Der Junior, Toni Eichhorn, ist aus dem gleichen Holz geschnitzt. Er wird das Erbe bewahren, pflegen und fortentwickeln.

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