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Die Dekanatssynode hatte schwierige Themen zu beraten. Der Rückgang der Gemeindeglieder macht den Verantwortlichen zu schaffen.

Weniger Stellen, weniger Pfarrer

Die evangelischen Gemeinden im Rheingau-Taunus schrumpfen und schrumpfen

Die Synode des Evangelischen Dekanats Rheingau-Taunus hat den Haushalt 2019 beschlossen. Der bringt auch Einschnitte mit sich.

Die Dekanatssynode ist eine Art Kirchenparlament, wobei es dort keine Fraktionen gibt (siehe auch unten stehenden Text). In Ihrer jüngsten Sitzung hatte die Vertretung für das Dekanat Rheingau-Taunus den Haushalt für das Jahr 2019 zu beschließen. Es ist eine der „vornehmsten Aufgaben“ der gut 90 Vertreter aus den 52 Kirchenge-meinden und Diensten zu entscheiden, wofür die Zuweisungen in Höhe von 1,7 Millionen Euro ausgegeben werden. Knapp 1,3 Millionen Euro stammen aus Kirchensteuermitteln. Dabei präsentierte die Verwaltungsfachkraft Silvia Stafast den Synodalen einen ausgeglichenen Haushalt.

Fast drei Viertel davon werden für Personalkosten verwendet. Etwa im Kinder- und Jugendbereich, Bildung, Seelsorge in Kliniken und für Menschen mit Behinderungen, Seelsorge an Schulen, Kirchenmusik, Arbeit in den Kirchengemeinden, Ökumene, Erwachsenenbildung, Seniorenarbeit, Hospizarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, für Diakonische Arbeitsfelder oder für die Verwaltung.

Insgesamt sind im Dekanat Rheingau-Taunus und den dazugehörigen Kirchengemeinden etwa 500 Menschen Haupt- und nebenamtlich angestellt, darunter 47 Pfar-rerinnen und Pfarrer. Das Evangelische Dekanat Rheingau-Taunus hat etwa 52 000 Mitglieder.

Die Synodalen diskutierten lebhaft die Vorschläge des Dekanatssynodalvorstandes (DSV) zu den Personalplanungen zum Jahr 2024. 3,5 Pfarrstellen muss das Dekanat Rheingau-Taunus bis dahin abbauen. Das Kirchenparlament der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau (EKHN) hatte vor einiger Zeit beschlossen, dass pro Jahr 1,4 Prozent der Pfarrstellen gekürzt wer-den müssen. Das entspricht ungefähr dem demografisch begründeten Rückgang der Gemeindegliederzahlen. Nach 2024 wären dann im Dekanat noch insgesamt 40 „Personen-Stellen“ vorhanden.

Dekan Klaus Schmid wies daraufhin, dass man trotz aller schmerzlichen Einschnitte vermutlich gar nicht die Pfarrer haben werde, um alle Stellen zu besetzen. Allein im Dekanat Rheingau-Taunus gehen bis 2024 neun und bis 2028 27 Pfarrer, also über 63 Prozent, in den Ruhestand. Der Altersschnitt liegt derzeit bei 53,5 Jahren.

Mit Sorge nannte Schmid die zurückgehenden Gemeindegliederzahlen. Von 2011 bis 2016 seien sie um 4870 Mitglieder gesunken. Bis Ende 2018 seien es noch mal knapp 2000 Gemeindeglieder gewesen. Das seien mehr als vier Gemeinden, konstatierte der Dekan.

Der DSV schlug der Synode deshalb vor in Rüdesheim, Schlangenbad und Oberauroff/Görsroth ab 2024 jeweils eine halbe Stelle zu kürzen. „Im übergemeindlichen Dienst kürzen wir sogar überproportional“, erklärte Schmid. Hier schlug man vor, zwei Stellen zu streichen. Die Kürzungen, etwa auf dem Eichberg oder in Bad Schwalbach, seien vor allem den strukturellen Veränderungen im Gesundheitssystem geschuldet. Künftig überlege man aber auch weiterhin Gemeindepädagogen für die Klinikseelsorge einzusetzen.

Klinikseelsorger Manfred Wilfert gab zu, dass es „weh tue, den Bereich, in dem ich selber arbeite, zu kürzen“. Jedoch seien die Arbeitsvoraussetzungen in immer mehr privaten Kliniken und immer weniger werdenden Allgemeinkrankenhäusern, immer schwieriger. Die Kollegen in der Klinikseelsorger benötigten immer öfter umfangreiche Zusatzqualifikationen, im Idsteiner Land habe man bereits seit einiger Zeit eine Stelle deshalb nicht besetzen können.

Klaus Schmid wies eindringlich darauf hin, dass viele Kirchengemeinden knapp unter der Bemessungsgrenze für eine ganze Pfarrstelle lägen. Als Richtwert der EKHN gilt eine Pfarrstelle auf 1600 Gemeindeglieder. Im Dekanat Rheingau-Taunus pendelt dieser Wert zwischen 900 und 2100. Der Schnitt liege bei 1400 Gemeindeglieder pro Stelle.

Dekan Schmid betonte, dass, bedingt durch die Ruhestandswellen, es künftiger schwieriger werde, die Pfarrstellen zu besetzen. „Gemeinden müssen sich attraktiv aufstellen“, so der Dekan.

Pfarrer Frank Seickel (Kemel und Springen) betonte, „es führt kein Weg an Kooperationen vorbei“. Pfarrer Stefan Rexroth (Hennethal und Panrod) meinte, man müsse jetzt aufhören zu jammern und die Kirche neu denken. Man könne nicht mehr alles und alle Gebäude so aufrechterhalten, wie bisher. Dafür erhielt er spontanen Applaus.

Die Synode beschloss im Anschluss an die Diskussion, dass der DSV und der Pfarrstellenbemessungsausschuss bis zur Herbstsynode ein Zukunftskonzept für das Dekanat entwickeln soll, wie man sich in den nächsten 10 bis 15 Jahren mit weniger Kollegen und weiteren Kürzungen aufstellen wolle.

(og)

Info: Ehrenamtliche und Theologen

Das Dekanat Rheingau-Taunus erstreckt sich auf einer Fläche von über 800 Quadratkilometern vom Rheingau über Bad Schwalbach, Schlangenbad, Aarbergen, Heidenrod, dem Untertaunus mit Taunusstein und Hohenstein, dem Idsteiner Land (Idstein, Hüns-tetten, Waldems, Niedernhausen) bis hin nach Glashütten und nach Bad Camberg.

Die Dekanatssynode ist eine Art Kirchenparlament. Die gut 90 Delegierten wählen einen Vorstand (DSV), der zwischen den Ta-gungen die Geschäfte führt. Die Mitglieder der Synode setzen sich aus Delegierten der einzelnen Gemeinden zusammen. Die Kirchengemeinden entsenden je nach Größe der Gemeinde Vertreter in die Dekanatssynode. Die Pfarrer wählen ihre Vertreter für die Synode auf einer eigenen Versammlung. Das Verhältnis Ehrenamtliche zu Theologen beträgt 2 zu 1.

Ferner trifft die Synode wichtige Personalentscheidungen. Die öffentlichen Sitzungen der Synode finden zweimal jährlich statt. Ein Vorsitzender (Präses) – in diesem Fall Patricia Garnadt (Niedernhausen) – leitet die Synode.

(red)

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