Rodungen auf dem "Kuhbett" bis Ende Februar

Windpark soll dieses Jahr ans Netz

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Mit der Genehmigung von vier auf dem „Kuhbett“ beantragten Windkraftanlagen geht das Projekt in die Bauphase. Bis spätestens Ende Februar müssen aus rechtlichen Gründen die Rodungen erfolgt sein. Die projektierende Firma DunoAir rechnet mit einem Baubeginn im Sommer.

Die Genehmigung von vier Windkraftanlagen auf dem Bad Camberger „Kuhbett“ zum Ende letzten Jahres hat zu unterschiedlichen Reaktionen geführt – und dem Vorwurf an das Regierungspräsidium in Gießen, übereilt gehandelt zu haben, wie ihn zuletzt die heimische FDP erhoben hatte. Kritik kam auch aus Schwickershausen. Ortsvorsteher Burkhard Becker zeigte sich enttäuscht, dass die Schönheit und Artenvielfalt dieses Waldgebiets keine Rolle gespielt habe. Für Marc Wiemann, Projektleiter des geplanten Windparks der Firma DunoAir, kommt die Genehmigung zur rechten Zeit: „Immerhin reicht die Vorarbeit schon drei Jahre zurück.“ Da könne man nun wirklich nicht von einem Schnellschuss reden.

Thorsten Haas, Sprecher des Regierungspräsidiums in Gießen, bekräftigt dies. Haas: „Hier wurde versucht, sämtliche genehmigungsfähigen Verfahren noch im alten Jahr abzuschließen, auch vor dem Hintergrund der Änderung des Erneuerbare Energien-Gesetzes.“ Die vier Anlagen auf dem „Kuhbett“ seien entscheidungsreif gewesen. Zwei weitere befänden sich noch im Genehmigungsprozess. Das sind die beiden Standorte, die Schwickershausen am nächsten stehen. Die Gesetzesnovelle sieht unter anderem vor, dass künftig die Vergütung für Windstrom nicht mehr gesetzlich festgelegt, sondern durch Wettbewerb ermittelt wird. Eine Ausnahme sind Anlagen, die vor dem 1. Januar genehmigt wurden, was nun auf vier der beantragten sechs Windräder zutrifft.

Wie Marc Wiemann erläutert, hätte aus seiner Sicht auch eine fünfte Anlage bereits jetzt genehmigt werden können. Allein die Tatsache, dass dies weiter geprüft werde, zeige, dass das Regierungspräsidium keineswegs übereilt handele. Und eines sei klar: „Wir hätten den Windpark auch gebaut, wenn die Genehmigung erst in 2017 erfolgt wäre.“ Der Park ist also aus seiner Sicht wirtschaftlich – und auch ökologisch – sinnvoll. Denn: Wer die Energiewende wolle, müsse nach Alternativen suchen. „Ich sehe das auch im Hinblick auf zukünftige Generationen. Wir haben in den letzten 100 Jahren einiges vermasselt. Irgendwann muss man einfach einmal anfangen.“

Der Anfang auf dem „Kuhbett“ wird bald folgen: Bis spätestens Ende Februar sollen die Rodungen vorgenommen sein, um den Bau der Anlagen vorzubereiten. Auch hier gibt es Auflagen, die zum Beispiel im Sektor Naturschutz dem Schutz der Haselmaus gelten, außerdem werden Baugrundgutachten erstellt. Er rechne mit einem Baubeginn im Sommer. Und: Er hoffe auf die Genehmigung der beiden weiteren Anlagen. Denn: Ursprünglich war einmal geplant, drei der sechs Anlangen in Regie der Stadt Bad Camberg zu führen, drei von Hessen Forst. Jetzt ist das Verhältnis bei den genehmigten Anlagen 3:1. Alle Hessen-Forst-Anlangen sind genehmigt sowie eine der Bad Camberger Anlagen.

Für die Kurstadt passt die Genehmigung ins Konzept, wie der Erste Stadtrat Peter Bermbach (CDU) bekräftigt hat. Er verweist auf die politischen Gremien, die das Projekt beständig mit großer Mehrheit befürwortet haben und auf das Ziel, den Bad Camberger Stromverbrauch vollständig durch erneuerbare Energien decken zu können. Auf diesem Weg seien die neuen Anlagen ein wichtiger Schritt. Doch die Stadt denkt nicht nur in Richtung Windkraft: Über die Gesellschaft Erneuerbare Energie GmbH Bad Camberg, ein städtisches Tochterunternehmen, hat die Kurstadt zum Beispiel die Holzhackschnitzelheizung und das dazugehörige Nahwärmenetz für den Bereich der städtischen Verwaltungsgebäude im Bereich Amthof/Kurpark errichtet und sieht dies als weiteren Beitrag, die Energiewende regional umzusetzen. Hinzu kommen vier Photovoltaik-Anlagen, die die Stadt Bad Camberg über die GmbH betreibt.

Bei der Standortsuche für mögliche Windkraftanlagen hatte die Stadt Vorrangflächen ausgewiesen, zu denen auch das „Kuhbett“ gehört sowie der „Steinkopf“. Dort betreibt die Altus AG seit dem letzten Jahr drei neue Windkraftanlagen.

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