+
Josef Urban hat die Weichen für die Neuausrichtung des Kur- und Verkehrsvereins gestellt. Die Entscheidung werden die Mitglieder am 25. April treffen.

Kur- und Verkehrsverein

"Wir für Bad Camberg": Der KVV erfindet sich neu

Das Lampionfest war ein Selbstläufer, dann Verlustgeschäft, seit der neuen Konzeption und dem Wechsel in den Kurpark eine der erfolgreichsten Veranstaltungen in Bad Camberg. Josef Urbans "Kind". Unter anderem. Zwölf Jahre hat er als Vorsitzender den Kur- und Verkehrsverein geprägt. Jetzt hört er auf und hat Weichen gestellt. NNP-Redakteurin Petra Hackert sprach mit dem 51-jährigen Geschäftsmann.

Herr Urban, der KVV will sich zukunftsfähig machen, hat in der letzten Mitgliederversammlung vor einem Jahr neue organisatorische Strukturen geschaffen. Fällt es Ihnen nicht schwer, jetzt an der Spitze des Vereins aufzuhören?

JOSEF URBAN: Nein, gar nicht. Ich hatte es ja auch schon bei meiner Wiederwahl vor drei Jahren angekündigt. Zwölf Jahre sind eine lange Zeit. Im Vorstand bin ich schon seit 18 Jahren. Da kann man viel einbringen, aber manches läuft sich auch fest. Es ist wichtig, wieder neue Impulse zu setzen. Damit haben wir ja auch schon begonnen.

Sie meinen die Veränderungen, dass es die Werbegemeinschaft und den Kurausschuss als eigene Untergliederungen nicht mehr gibt?

URBAN: Zum Beispiel. Diese Arbeiten werden künftig im Vorstand erledigt. Jedes Mitglied wird eine Aufgabe haben. Das ist ja auch jetzt schon so: Brigitte Kelm kümmert sich um die „Blaue Nacht“, mein Bruder Andreas um den Christkindlmarkt. Auch die Kur wird ein Vorstandsthema sein.

Werden Sie in irgendeiner Form weitermachen?

URBAN: Ja. Die Wahl ist in der Mitgliederversammlung am 25. April. Ich würde für den Vorstand kandidieren und mich weiter um das Lampionfest kümmern wollen.

Ein Markenzeichen dieser Großveranstaltung im Kurpark ist nicht nur der enorme Zuspruch von Tausenden Gästen, auch die große Unterstützung. Andere Vereine helfen dem KVV. Wie haben Sie das weiter vor?

URBAN: Genau das ist unsere Absicht: Wir haben viele mit ins Boot geholt. Für so ein Fest braucht man über 100 Helfer. Das wäre alleine mit dem KVV und seinen rund 200 Mitgliedern gar nicht zu schaffen. Der CVC ist mit dabei, seit letztem Jahr auch der RSV Würges – unter anderem. Die Helfer, unter anderem auch mein Freundeskreis, machen das gerne, sind gut gelaunt dabei. Aus unserem Überschuss können wir spenden und die Stadtentwicklung unterstützen – eine runde Sache. Wir wissen aber auch: Der Verein muss sich öffnen, um mehr aktive Mitglieder zu bekommen. Das wollen wir in der Jahreshauptversammlung vorschlagen: Eine Umbenennung des Vereins, um uns für die Zukunft breiter aufzustellen. Doch die bisherigen Schwerpunkte wie die Kur und die Stadtentwicklung werden nicht aufgegeben.

Ein neuer Name nach 91 Jahren?

URBAN: Ja genau. Fragen Sie doch einmal junge Leute, was sie mit dem Namen „Kur- und Verkehrsverein“ verbinden. Wir suchen eine andere Art der Zusammenarbeit. Einige Anstöße haben wir auch durch das Projekt „AG Vision“ erhalten, das anderthalb Jahre lief. Die Absicht ist, unsere Stadt gemeinsam voranzubringen. Wir wollen es schaffen, dass sich Menschen weiter engagieren, aber auch Neue hinzukommen. Vielleicht projektbezogen, hoffentlich dauerhafter. Bleiben sollen unsere sehr beliebten Veranstaltungen wie die Märkte, das Engagement der Hessentagsgruppe, die Volksliedersingen. Hinzu kommen sollen neue Impulse. Deshalb würden wir den Namen gerne in „Wir für Bad Camberg“ ändern.

Das heißt, es gibt ein Projekt oder ein Thema, das mich interessiert, und da könnte ich mich einbringen?

URBAN: Genau.

Es gibt einige Probleme, die gelöst werden sollten. Zum Beispiel, dass es in Bad Camberg keine Lehmbehandlung mehr gibt oder im Einzelhandel Traditionsgeschäfte aufhören.

URBAN: Das stimmt. Da müssen wir weiter ran, aber es ist auch so: Wenn die Menschen mehr das Internet zum Bestellen nutzen, muss ich wissen, was ich will. Was kann ich tun, um sie zu animieren, zu kommen? Manches, was sich ändert, ist aber auch eine Zeiterscheinung. Die Leute müssen wissen, wie sie ihre Stadt haben möchten und welche Auswirkungen es hat, wenn sie nicht mehr in bestimmte Geschäfte gehen. Zur Lehmbehandlung: Da ist die Stadt am Ball, soweit ich weiß. Es ist schade, dass sie zurzeit nicht angeboten wird, aber es ist nicht das einzige Merkmal in Sachen Kur. Bad Camberg hat sich sehr stark um das Kneipp-Thema gekümmert, wie man zum Beispiel in Würges sieht: Da gibt es den Kneipp-Kindergarten und die Kneipp-Grundschule. Da wird die Kneipp’sche Gesundheitslehre von klein auf praktiziert.

Wobei wir bei der Nachfolge-Frage wären. Gibt es einen Wunschkandidaten für den Vorsitz des KVV, vielleicht bald „Wir für Bad Camberg“, der beide Schwerpunkte des Vereins im Blick haben wird, Kur und Wirtschaft?

URBAN: Es gibt einen einstimmigen Vorstandbeschluss. Wir werden jemanden vorschlagen, der sich schon sehr lange eingesetzt hat, unter anderem auch für die Kneippkur und die Stadtentwicklung.

Und wer ist das?

URBAN: Altbürgermeister Wolfgang Erk.

Wie haben Sie geschafft, dass er sich dafür bereiterklärt?

URBAN: Wir haben ein halbes Jahr gebraucht und Gespräche geführt. Uns freut: Er hat zugesagt. Die Zusammenarbeit mit der Stadt war immer sehr gut, ist es jetzt übrigens auch mit seinem Nachfolger Jens-Peter Vogel. Da läuft vieles unkompliziert, Hand in Hand.

Jetzt könnte man auf die Idee kommen, ein Führungswechsel, bei dem der Nachfolger älter ist als der Vorgänger ist nicht zukunftsfähig?

URBAN: Genau. Jemand, der sich immer noch so einsetzt und die richtigen Anstöße gibt, wäre sicher der Falsche (lacht). Wolfgang Erk hat die besten Verbindungen. Er ist sehr gut vernetzt, hat schon vorher gute Ideen entwickelt. Und: Ein solcher Posten ist keine Ein-Mann-Show. Deshalb war uns auch das einstimmige Vorstands-Votum wichtig. Bei mir hatte es vor zwölf Jahren auch gedauert, bis wir uns so zusammengefunden hatten und die neuen Projekte umsetzen konnten. Hier wollen wir das Bewährte erhalten, uns aber auch den neuen Herausforderungen stellen. Dazu gehört sehr stark, dass wir auf ein breites Miteinander setzen. Noch einmal: Es hatte etwas gedauert, und wir im Vorstand sind froh, dass Wolfgang Erk bereit ist, zu kandidieren. Die Wahl ist dann in der Mitgliederversammlung im April.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare