Jens Bermbach zeigt: Im Bereich zwischen den Feldern hat er der Stadt Bad Camberg Land verpachtet, damit der Hecken-Bereich größer werden kann.
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Jens Bermbach zeigt: Im Bereich zwischen den Feldern hat er der Stadt Bad Camberg Land verpachtet, damit der Hecken-Bereich größer werden kann.

"Wir Bauern sind Umweltschützer"

Würges: Zwei Landwirte erklären nachhaltige Arbeit

  • vonPetra Hackert
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Für Jens Bermbach (37) und Norbert Hanson (74) gibt es keinen bessere Berufstätigkeit als die Arbeit in der Landwirtschaft. Sie sehen ihre Familien nicht als Ausbeuter sondern als Schützer der Natur - und das schon seit Jahrhunderten.

Würges -"Rücksicht macht Wege breit" - das hat ihn gefreut. Der Spruch, den Würgeser Bauern auf die Wege geschrieben hatten, um gerade in der Coronazeit alle, die die Feldwege für die unterschiedlichsten Zwecke nutzen, zu einem guten Miteinander zu bewegen, hatte der Kreisbauernverband aufgegriffen und übergreifend Piktogramme aufbringen lassen. "Ackerrandstreifen auch. #Landraub" - das stand vor kurzem plötzlich daneben. Weit verbreitet im gesamten Bad Camberger Stadtgebiet, wie Jens Bermbach sagt.

Über 35 bäuerliche Familienbetriebe

Das hat ihn nicht gefreut. Nicht, weil es nicht tatsächlich vorkommt, dass Ackerrandstreifen oder sogar ganze Feldwege verschwinden, sondern weil hier ein Thema angeschnitten werde, das nicht ganz stimme. Und wie das so mit Teil- und Halbwahrheiten ist: Es trifft immer die falschen. Doch genau erklärt:

Jens Bermbach ist Landwirt aus Leidenschaft, wie er selbst sagt und was schnell deutlich wird, wenn der 37-Jährige erzählt, was er und einige Kollegen so machen. Im Stadtgebiet Bad Camberg gibt es noch über 35 bäuerliche Familienbetriebe. Zurzeit bewirtschaftet Jens Bermbach etwa 200 Hektar im Vollerwerb. Der Magdalenenhof liegt im Hessenweiler in Würges, die Ackerflächen in Würges und dem Bad Camberger Gebiet. 2014 hatte er den Hof von seinem Vater Ernst übernommen - der immer noch kräftig mit anpackt. Ebenso wie Jens Bermbachs Frau Ramona. Die Zwillinge Willi und Moritz (11) sind manchmal auch schon mit dabei - wie Kinder nun einmal mit hineinwachsen.

Jens Bermbach.

Die Eltern hatten ihn nicht gedrängt, dort weiterzumachen, wo die Familie schon seit über 200 Jahren tätig ist. Jens Bermbach machte erst eine andere Lehre. Doch es zog ihn genau da hin, wo er heute ist: "Ich wollte schon immer Bauer werden. Das ist der beste Job der Welt für mich." Konventioneller Ackerbau - das ist es, was er macht. "Was aber nicht heißt, dass man nicht ökologisch arbeiten kann", sagt er. Sein Beruf lebt von der Erfahrung. Manches, was heute wieder in Mode kommt, ist auch schon viele Jahrzehnte alt und wird wiederentdeckt. Gerade unter dem Aspekt nachhaltiger und ökologischer Landwirtschaft.

Er erklärt: "Ich habe zum Beispiel die Fruchtfolge aufgelockert und habe nicht nur zwei, sondern sieben Kulturen im Anbau, von früher noch den Standard-Brotweizen, Gersten, Mais, Rüben, seit dem letzten Jahr auch Dinkel, Erbsen und Sojabohnen, keine genveränderten Organismen." Als der Maiszünzler unterwegs war und die Felder belastete, versuchte er es mit natürlichen Feinden - Insekten. "Ich setze seit Jahren kein Glyphosat mehr ein, weil wir es nicht brauchen", sagt er. Man müsse unterscheiden zwischen dem, was der Landwirtschaft und deren Ruf schade (Monsanto ist da ein sehr gutes schlechtes Beispiel) und der Vorgehensweise der heimischen Landwirte. Norbert Hanson kann das nur bestätigen. Der Würgeser Ortslandwirt wird dieses Jahr 75, hat seine Felder an Jens Bermbach übergeben und weiß auch aus seiner früheren kommunalpolitischen Erfahrung: "Das Feldwegekataster ist ein uraltes Bad Camberger Thema." Immer wieder kam es aufs Tapet, wird daran gearbeitet. Und: "Ich finde es gut und nötig, um zu zeigen, wo was liegt, was vorgesehen und gestattet ist." Unter anderem deshalb, weil tatsächlich nicht immer alles war, wie es sein sollte, oder weil es sogar noch bessere Vorschläge gibt, sei der "runde Tisch" gegründet worden. Die Stadt Bad Camberg, das Bauamt, die Landwirte, die Umweltschützer - sie arbeiteten zusammen, um das zu tun, was langfristig nötig und gut ist.

Norbert Hanson.

Ökologisch wertvoll für den Artenschutz

Jens Bermbach nennt ein Beispiel: "Ursprünglich waren die Feldwege dazu da, damit ein Bauer seine Felder erreicht. Wenn aber mehrere Flächen zusammengelegt werden, sind manche Feldwege gar nicht mehr nötig. An anderer Stelle wiederum könnte man etwas Besseres machen." Das Bessere zeigt er am eigenen Hof: "Wir haben zwei Wege langfristig von der Stadt gepachtet und bewirtschaften sie nun. Dafür haben wir der Stadt von unserer Hoffläche ein Stück verpachtet, das am Graben liegt. Da gab es schon eine Hecke. Jetzt kann das Ganze erweitert werden." Der Bereich ist eingezäunt, gut erkennbar. "Es macht sich für den Artenschutz besser und ist ökologisch wertvoller als ein reiner Feldweg", sagt Jens Bermbach.

Über Förderprogramme für Heckenpflanzungen entstehen so Rückzugsflächen für das Niederwild, Hase, Rebhuhn, Haselmaus, Insekten. "Das Instektensterben betrifft uns ja auch. Wir brauchen die Bestäuber für unsere Felder", sagt der Experte. Er allein habe 5,5 Hektar Blühflächen eingerichtet, die er regelmäßig mit Pflanzen einsäht. Genau deshalb sei der runde Tisch ein gutes Mittel geworden für den gemeinsamen Austausch.

Natürlich: Es gibt einen Unterschied zwischen Feldwegen, die nicht mehr gebraucht und von der Stadt zur Bewirtschaftung verpachtet werden, und solchen, die schmaler oder verändert werden, weil sie nicht berechtigterweise "angeackert" werde. Doch man habe kein Interesse daran, hier auf der falschen Seite zu stehen. "Unsere beiden Familien machen seit 200 bis 300 Jahren Landwirtschaft auf diesem Gebiet. Wir sind keine Heuschrecken, die den Boden ausbeuten und dann weiterziehen", sagt Jens Bermbach. Petra Hackert

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