Anja Zei und Petra Hackert beim Bad Camberger Stadtlauf im Elzer Wald.
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Anja Zei und Petra Hackert beim Bad Camberger Stadtlauf im Elzer Wald.

Schon über 1900 Teilnehmer beim Bad Camberger Stadtlauf

Zeit zur Entschleunigung beim Laufen

  • VonPetra Hackert
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Das war erholsam. Sehr erfrischt haben wir unseren ersten Bad Camberger Stadtlauf absolviert. Eine Wohltat für Körper und Geist, denn es ging durch den Wald - und wir hatten keinerlei Zeitdruck.

Bad Camberg/Elz -Der Fuß tat weh - wochenlang. Ich bin noch nie gerne gelaufen - von Kindheit an. Weite Strecken zu Fuß zurückzulegen scheint so sinnlos, wenn es doch mit dem Fahrrad nur ein paar Minuten dauert. Alles gute Argumente gegen das Laufen.

Auf der anderen Seite: Das erste Mal wäre es möglich, den Bad Camberger Stadtlauf nicht nur zu fotografieren, sondern selbst mitzumachen. Dabei sein, sich die Strecke aussuchen und nebenbei die Teilnehmerzahl erhöhen, was dazu führt, dass noch mehr Bäume im Bad Camberger Stadtwald gepflanzt werden: Alles gute Argumente für das Mitmachen. Kurzentschlossen fällt die Entscheidung: Gemeinsam mit einer Freundin melde ich mich an. Sehr viele haben das vor uns schon getan. Wir sind jetzt auch dabei, haben die Nummern 1878 und 1886.

Unsere Verabredung steht: Wir haben uns durch Corona lange nicht gesehen und wollen abends nach der Arbeit laufen. Nun ja, eher wandern. So heißt die Disziplin über die Fünf-Kilometer-Strecke. Wir haben uns für das Spazierengehen entschieden, schließlich gibt es so viel zu erzählen. Und was für ein Glück: Die große Hitzewelle ist gerade vorüber. Dafür war der Arbeitstag recht lang. Normalerweise würde ich jetzt auf die Couch wechseln. Aber: Wir sind ja verabredet.

Kleine Schnecke und Bachlauf

Wir starten am Elzer Forsthaus und haben uns den Weg nach Niedererbach vorgenommen. Meine Freundin Anja kennt sich aus: "Hin und zurück ist das etwas länger als die fünf Kilometer." Sechs, sagt der Routenplaner. Das passt.

Kaum sind wir im Wald, ist die Luft schon viel besser. Wir wandern, walken, spazieren, laufen ein Stück - sind dauernd in Bewegung, und es gibt viel zu erzählen. Außerdem zu sehen. Schilder erklären, welche Turnübungen wir an den Trimmstationen machen könnten - aber wir haben ja keine Zeit, das würde zu lange dauern. Eine kleine Schnecke begegnet uns am Wegesrand. So niedlich: Das muss fotografiert werden. Und der Bachlauf, die Abendsonne, die so schön durch die Bäume scheint, der Martinsfund. Einheimische könnten erzählen: Das Mundloch dieses Schieferstollens ist der Eingang eines Bergwerks, das die Niedererbacher im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzstollen nutzten. Heute ist er ein Rückzugsort für Fledermäuse und Amphibien. Wer es nicht weiß, liest es auf der Tafel, die beschreibt, dass Niedererbach über Jahrhunderte ein Bergarbeiterdorf war.

Während wir lesen, fällt es uns auf: Die Strecke ist ganz schön kurz. Schon bald sind wir am Ortseingang, kehren wieder um und sind so schnell wieder in Elz - Laufen/Wandern/Walken ist gar keine öde Freizeitbeschäftigung. Schon gar nicht zu zweit oder mit mehreren. Auch andere sind unterwegs, genießen den Wald, die Natur, das Vogelgezwitscher, den Bachlauf und die nach dem Regen besonders stark duftenden Gräser.

Interessant: Viele sind in kleinen Gruppen coronagerecht in Bewegung, teils mit Kind und Kegel, mit oder ohne Hund, sehr wenige laufen alleine. Dieser Stadtlauf hat uns beide heute auch zusammengeführt, und während wir unsere Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit auffrischen, wird uns klar, wie gut wir es gerade haben. "Unsere Gegend ist doch wunderschön", sagt Anja. Genau das ist es. Ein wenig Zeit für etwas Gutes - die hatten wir gerade. Und wir stellen fest: Wir werden uns wieder verabreden. So ein Spaziergang - das geht auch ohne Stadtlauf.

Übrigens: Da aus den Startgeldern und mittels Sponsoring für jeden Teilnehmer ein Baum im Bad Camberger Stadtwald gepflanzt wird, hatten wir von Anfang an ein gutes Gefühl bei der Sache. Uns hat der Elzer Wald gerade gut getan. Wer weiß, vielleicht werden eines Tages Läufer/Walker/Wanderer auch an den Bäumen Nummer 1878 und 1886 in Bad Camberg vorbeiziehen. Ein guter Gedanke.

Wer macht noch mit?

Wer noch beim Stadtlauf mitmachen möchte: Bis 30. Juni, Mitternacht, ist es möglich, Ergebnisse einzutragen. Also sind Anmeldungen auf den letzten Drücker noch drin über www.stadtlauf-camberg.de . Bis jetzt sind über 1900 Teilnehmer dabei. Die veranstaltenden Vereine, Rotary Club, TG Camberg, SV und WSC, freuen sich über jeden, denn für jeden Teilnehmer wird ein Baum im Bad Camberger Stadtwald gepflanzt.

Namenlose Teilnehmerin am Wegesrand. Dürfte allerdings noch unterwegs sein.
Von der Strecke aus konnte man die Kirche in Niedererbach sehen.

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