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Zwei marode Brücken müssen weg

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Von: Petra Hackert

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Zuerst wurde die Tonnage reduziert, jetzt geht nichts mehr: Die Brücke "Am Dombach" in Erbach ist baufällig, erklären Bürgermeister Jens-Peter Vogel und Bauamtsleiter Jan Pieter Subat (von links).
Zuerst wurde die Tonnage reduziert, jetzt geht nichts mehr: Die Brücke "Am Dombach" in Erbach ist baufällig, erklären Bürgermeister Jens-Peter Vogel und Bauamtsleiter Jan Pieter Subat (von links). © Petra Hackert

Der Neubau lässt auf sich warten

Bad Camberg -Von oben sieht alles noch ganz gut aus, doch seitlich und besonders von unten betrachtet ändert sich das sofort: Der Beton bröckelt, Eisenteile sind mit den Fingern greifbar. Die Fußgängerbrücke in Oberseltersers am Bürgerhaus, etwa 200 Meter vom Hammersteg entfernt, ist marode. So baufällig, dass sie jetzt gesperrt und schnellstmöglich abgerissen werden soll. Das gleiche gilt für die Brücke in Erbach zwischen den Straßen "Am Dombach" und der Neugasse. Nur dass in Erbach vorher Kraftfahrzeugverkehr zugelassen war, zuletzt wegen des schlechten Zustands der Brücke auf zwei Tonnen beschränkt. Jetzt geht auch hier gar nichts mehr.

Beide Übergänge sollen abgerissen und neu gebaut werden. Zunächst sind sie gesperrt, da auch ein Abriss nicht so einfach ist. "In Erbach besteht die Gefahr, dass die Straße ,Am Dombach' nachrutschen könnte", erläutert der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD). Aktuell sei ein Planungsbüro beauftragt, die Statik der Widerlager zu untersuchen, damit nach Abriss der Brücke das Gelände nicht nachrutscht, beziehungsweise zu klären, welche Maßnahmen diesbezüglich erfolgen müssen. Wegen des Abrisses, aber auch eines noch zu planenden Neubaus werde in enger Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde agiert, bestätigt Stadtbauamtsleiter Jan Pieter Subat. Denn die neuen Brücken, die die bisherigen ersetzen sollen, müssen anders werden.

Spanneisen

durchgerostet

"Der Querschnitt ist im Hochwasserfall zu eng", sagt Subat. Weshalb die neue Brücke in Oberselters über den Emsbach auf jeden Fall ein Stück höher und länger werden müsse. Eine Betonschadensanalyse habe zudem ergeben, dass das jetzige, aus dem Jahr 1977 stammende Bauwerk, stark Chlorid-belastet ist. "Außerdem ist in Teilbereichen die Betonüberdeckung abgeplatzt, die Spanneisen sind durchgerostet und haben somit keine statisch relevante Wirkung zur Tragfähigkeit der Brücke mehr", so Subat.

Die Erbacher Brücke ist nur ein Jahr jünger. Sie stammt aus dem Jahr 1978. Auf Anregung des Ortsbeirats werde nun auch geprüft, ob dieser Zuweg bei Feuerwehreinsätzen gebraucht wird. Im Klartext: Reicht die vorgeschriebene Zeit von maximal zehn Minuten, um nicht über diese Brücke, sondern vom Feuerwehrgerätehaus im Horstweg über die Erlenbachstraße in die Neugasse zu fahren? Eine Strecke von vielleicht ein bis zwei Kilometern. Benutzt man die Brücke, ist man schneller am anderen Ende der weniger als einen Kilometer langen Neugasse. "Die letzten Jahrzehnte sind keine Feuerwehr-Einsatzfahrzeuge über diese Brücke gefahren", sagt der Bürgermeister. Was zuletzt auch wegen der Beschränkung auf zwei Tonnen Traglast nicht möglich gewesen wäre. Die Frage ist: Muss die neue Brücke stabil genug sein, um Feuerwehrfahrzeuge zu tragen? Wie massiv müsste dann gebaut werden?

Absperrung

beseitigen

Planungen gibt es noch nicht - zunächst einmal geht es um den Abriss, was auch dauert. Denn abgesehen vom wasserbehördlichen Genehmigungsverfahren, das durchlaufen werden muss, sei es sehr schwer, die nötigen Firmen zu engagieren, sagt Bauamtsleiter Subat. Die Nachfrage ist riesig.

Die beiden Brücken aus den 70er Jahren wurden rege genutzt. Die in Erbach wohl immer noch. Während die Oberselterser offenbar einen Umweg von gut 500 Metern in Kauf nehmen, hat sich in Erbach die Gewohnheit entwickelt, die Absperrung zu beseitigen oder Fahrräder/Kinderwägen seitlich drüber zu heben, um die Brücke zu überqueren, bestätigt ein Ortstermin. "Einmal hatte ich die Absperrung morgens in meiner Hecke liegen", sagt Anlieger Burkhard Schmitz. Er wohnt in der Straße "Am Dombach", hat die Brücke bei seinen regelmäßigen Gewässerreinigungen immer wieder von unten gesehen und beobachtet, wie sehr sich der Zustand verschlechtert hat; besonders in den letzten beiden Jahren.

Verkehrstechnisch wurde sie gerne genutzt, um die Ampelkreuzung in Erbach Richtung Schwickershausen zu vermeiden. "Das geht jetzt nicht mehr", sagt Schmitz. Und: Er sei nicht der einzige, der sich über sehr viel weniger Kraftfahrzeugverkehr freut. Denn die Anliegerstraße "Am Dombach" sei "zu 80 Prozent nicht von Anliegern genutzt" worden.

Ein anderes Problem beobachtet Schmitz jeden Tag, wie er sagt: Fußgänger, Radfahrer, Mütter mit Kinderwagen, die die Absperrung überwänden und die Brücke überquerten, weil sie offensichtlich davon ausgehen, "dass das schon noch hält". Auf der anderen Seite, an der Neugasse, liegt nämlich ein großer Spielplatz. Die Brücke ist ein wichtiger Zugangsweg. Nur kein sicherer, wie die Fachleute ermittelt haben. "Hier ist Gefahr in Verzug. Deshalb wurde gesperrt", sagen Vogel und Subat.

Den Zugang soll es nach dem Abriss auch wieder geben. Obwohl mit einem Neubau nach Auskunft der Stadtverwaltung nicht mehr in diesem Jahr zu rechnen sei. Das gilt für beide Brücken, die in Erbach und die in Oberselters.

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