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Kaum ein Bahnhofsgebäude liegt so idyllisch an einem Fluss, wie das 1862 erbaute Empfangsgebäude von Balduinstein. Mit dem Umbau der Lahntalbahn hat es ab Sommer keine Funktion mehr für die Deutsche Bahn. Der neue Eigentümer muss aber zahlreiche Verpflichtungen von Bahn und Denkmalpflege beachten.

Bahnhof versteigert

Das klassizistische Empfangsgebäude des Bahnhofs Balduinstein hat in Kürze einen neuen Besitzer. Die am Samstag in Berlin erfolgte Versteigerung erbrachte mit 120 000 Euro einen außergewöhnlich hohen Verkaufspreis.

Während im vergangenen Jahr die Main Asset Management GmbH im Auftrag des luxemburgischen Eigentümers Patron Elke S.a.r.L den beiden langjährigen Mietern das Objekt für 110 000 Euro zum Kauf angeboten hatte, erfolgte am Samstagmittag der Zuschlag erst nach einem aufregenden Bieter-Wettstreit.

Reinhold Kaiser aus Schlangenbad, der Repräsentant des Auktionshauses Karhausen AG für Hessen, berichtete, dass sich zu Beginn der Versteigerung zunächst zwölf Interessenten gemeldet hätten. Von den verbliebenen neun seien noch sieben bis in den sechsstelligen Bereich mitgegangen. Den Zuschlag habe ein Bieter mit Wohnort in Limburg erhalten, der selbst nicht anwesend war, sondern einen Agenten des Auktionshauses beauftragt hatte, für ihn das Objekt zu ersteigern.

Die Ortsbürgermeisterin von Balduinstein, Marie-Theres Schmidt, kennt den Käufer noch nicht, setzt aber einige Hoffnung auf eine gute Entwicklung, da der zukünftige Eigentümer des ortsbildprägenden Gebäudes aus der Region stammt. Noch ist unklar, wie das Gebäude genutzt wird, wenn es ab Mitte August keine Funktion für den Bahnbetrieb mehr hat. Derzeit bewohnen zwei Mietparteien das Gebäude, von denen eine seit Juni 1995, die zweite seit November 2002 dort zu Hause sind. Die DB hat noch bis Ende Dezember 2015 zwei Diensträume mit 43 Quadratmetern für einen monatlichen Mietpreis von rund 250 Euro angemietet. Für die Warteräume und den Durchgang zum Bahnsteig hat die DB offenbar keine Miete gezahlt.

Vonseiten der Unteren

Denkmalschutz

behörde des Rhein-Lahn-Kreises war die Deutsche Bahn vor Kurzem darauf hingewiesen worden, dass die im Zuge der Umrüstung der Lahntalbahn vorgesehenen Maßnahmen, wie eine Entfernung der Außenbeleuchtung, der dauerhafte Verschluss sämtlicher Türen zum Bahnsteig hin, die Entfernung der Bahnsteig-Ausstattung und der Abriss der Bahnsteigkante sowie des für Balduinstein typischen Zwergsignals bislang nicht abgestimmt sind. Das mit den Planungen für den Umbau beauftragte Planungsbüro IVV aus Berlin hatte 2013 nur mit der Main Asset Management GmbH, als Eigentümerin, nicht jedoch mit dem Landesdenkmalamt oder der

Denkmalschutz

behörde das Benehmen hergestellt.

Nachdem die Deutsche Bahn AG das Gebäude im Februar 2004 zunächst an die im Herbst 2007 in Insolvenz gegangene „First Real Estate Grundbesitz GmbH“ (FRE) verkauft hatte, traten in der Folge eine „Property First GmbH“ aus Dortmund und später das Luxemburger Unternehmen als Eigentümerin auf. Im Lahntal gibt es noch ein weiteres Bahnhofsgebäude, das zum Verkauf steht und vielleicht schon zum Herbst versteigert werden könnte: Das 1916 im Heimatstil erbaute und ebenfalls unter

Denkmalschutz

stehende Stationsgebäude von Dausenau.

(hpg)

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