Nicht alle Gastronomen können sich über einen Gästeansturm freuen. Die Gäste von Anja Simon (stehend) vom Plazores Café & Bar in der Diezer Altstadt lassen sich an einer Hand abzählen. Die Inhaberin bietet ihren Gästen auch Schnelltests an.
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Nicht alle Gastronomen können sich über einen Gästeansturm freuen. Die Gäste von Anja Simon (stehend) vom Plazores Café & Bar in der Diezer Altstadt lassen sich an einer Hand abzählen. Die Inhaberin bietet ihren Gästen auch Schnelltests an.

Unterschiedliche Ansichten im Westerwald und Rhein-Lahn-Kreis

Bei schönem Wetter kommen auch mehr Gäste

  • VonMariam Nasiripour
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Gastronomen kämpfen mit Regen und niedrigen Temperaturen

Im Westerwald lag gestern die Inzidenz nun schon den fünften Tag in Folge unter 100. Aus diesem Grund wird am morgigen Freitag dort die Bundesnotbremse außer Kraft gesetzt, dann gilt die Verordnung des Landes Rheinland-Pfalz. Die erlaubt die Öffnung des Einzelhandels ohne Test und Termin. Dann darf auch die Gastronomie wieder ihre Türen für Gäste öffnen, aber nur den Außenbereich mit Test und Termin. Vollständig Geimpfte oder Genesene brauchen keinen Negativtest nachzuweisen.

Gleiches gilt für Hotels und Jugendherbergen, die "kontaktarm" öffnen dürfen. Das Frühstück muss dann auf dem Zimmer serviert werden, das über ein eigenes Bad verfügen muss. Übernachtungen in Ferienwohnungen oder Urlaub mit Wohnmobilen ist bei eigenen sanitären Anlagen wieder möglich. Auch sportliches Training ist unter Einschränkungen gestattet.

Ganz besonders freuen sich die Gastronomen und Hotelbetreiber über die neuen Öffnungsschritte. Denn sie gehören zu den größten Verlierern der Pandemie. Müssen jetzt die Hotels oder Restaurants mit einem Gästeansturm rechnen?

Schnelltest direkt im Restaurant machen

Orhan Güroglu, Inhaber des Roundabout in Montabaur, freut sich über die Lockerungen. Er habe auch schon einige Anfragen und Reservierungen für das Pfingstwochenende. Er habe sogar die Außenterrasse seines Lokals vergrößert. Dafür habe er das Geld aus der Überbrückungshilfe 3 verwendet. Das Außenzelt, das er angeschafft hat, soll die Gäste vor der Witterung schützen. "Wir sind wetterabhängig", betont Güroglu. Er bietet seinen Gästen zwar keine Schnelltests an, wenn sie vorher keine Zeit dafür hatten. Aber die Gäste können ihren eigenen Schnelltest mitbringen und ihn dort vor seinen Augen durchführen. Er bescheinigt dann den Negativtest, so Güroglu.

Lieber ein paar Tage abwarten will Gaetano Felice vom Ristorante La Storia in Wallmerod. Das aktuelle Wetter sei ihm zu unbeständig. "Niemand will mit einer dicken Jacke draußen sitzen. Das macht keinen Spaß", sagt er. Außerdem will er sich gründlich auf die Öffnung vorbereiten und dafür ein ordentliches Hygienekonzept erstellen. Er habe auch bisher noch keine Reservierungen, nur ein paar Anfragen.

Schönes, sonniges Wetter und wärmere Temperaturen wünscht sich auch Celal Karaca, vom Neuen Mühlchen in Diez. Denn dann kann er sich über viele Gäste in seinem Restaurant freuen. Im Rhein-Lahn-Kreis durften die Gastronomen bereits am 8. Mai ihre Außenbereiche öffnen. So sei seine Terrasse am Muttertag voll gefüllt gewesen. Er hat zwar ein Zelt auf seiner Terrasse stehen, falls es regnen sollte, in das passen aber nur 20 Personen. Und wer keine Zeit hatte, vor dem Restaurantbesuch einen Test zu machen, der kann ihn auch direkt im Restaurant machen. "Die Menschen haben es vermisst, essen zu gehen", berichtet der Inhaber. Dennoch seien viele Senioren noch zögerlich und hätten Angst. Die Reservierungen für das Pfingstwochenende seien überschaubar, so Karaca. Das sei dem unbeständigen Wetter geschuldet.

Das schlechte Wetter macht auch Jens Neul vom Gasthaus Euler in Holzheim zu schaffen. "Nicht die Tests schrecken die Gäste ab, sondern das schlechte Wetter", sagt er. Trotzdem läuft es gut für den Gastronomen: "Wir sind immer ausgebucht." Und auch für Pfingsten hätte er viele Reservierungen. Unter seinen Gästen auch einige aus dem Kreis Limburg-Weilburg. "Wenn nächste Woche in Limburg-Weilburg die Gastronomie wieder öffnen darf, dann kommen sie nicht mehr", ist Neul sich sicher.

Über einen Gästeansturm würde sich auch Thomas Karle vom Hotel Wilhelm von Nassau in Diez freuen. Zwar hat das Hotel einige Geschäftsreisende, aber die Touristen bleiben aus. "Wir haben null Gäste, nur Absagen", erzählt Thomas Karle. Sein Hotel lebt von Busreisen und den Besuchern von Großveranstaltungen, wie Rhein in Flammen. Da weder Busreisen noch irgendwelche Events oder Großveranstaltungen stattfinden dürfen, bleiben seine Zimmer leer. Ein weiteres Hindernis sei die Bewirtung der Gäste. Denn das Hotel darf den Gästen kein Frühstück im Restaurant anbieten, sondern nur auf der Außenterrasse oder auf dem Zimmer. "Wer setzt sich bei 4 Grad morgens draußen hin und frühstückt. Das macht keiner", sagt Karle verärgert. Deswegen bleibt das Restaurant des Hotels auch bis auf weiteres komplett geschlossen. "Die Geschäftsreisenden kennen das schon und haben sich darauf eingerichtet. Sie gehen dann in den Supermarkt oder zu Mc Donalds und holen sich dort ihr Abendessen und essen es auf ihrem Zimmer", sagt Karle. Gäste von außerhalb würden sich wohl kaum für ein Bier testen lassen, ist der Geschäftsführer überzeugt.

Für Lothar Weinand, Vizepräsident der Dehoga Rheinland-Pfalz, sind die Lockerungen ein Anfang und ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch seien viele Dinge noch unklar und stehen in den Sternen. Die Dehoga plädiere für eine komplette Öffnung der Gastronomie, innen und außen. Das sei wichtig, um den Tourismus in Deutschland zu halten. "Wir haben bewiesen, dass wir nicht der Treiber der Pandemie sind", sagt Weinand. Zwar seien die Lockerungen mit viel Arbeit und Aufwand verbunden, dennoch freuen sich die Gastronomen, wieder Gäste empfangen zu dürfen. Für ihn sei der nächste logische Schritt die Öffnung der Innenbereiche der Gastronomie. Weinand ist überzeugt, dass viele Betriebe im Laufe des Jahres für immer schließen werden, weil sie die Pandemie und ihre finanziellen Folgen nicht überstehen werden. Mariam Nasiripour

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