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Ausgerechnet am 9. November

Mitglieder der Jungen Union Limburg-Weilburg singen umstrittenes Volkslied der Wehrmacht

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Ausgerechnet am 9. November haben Mitglieder der Jungen Union Limburg-Weilburg das umstrittene Westerwaldlied in einer Kneipe in Berlin angestimmt. Im Dritten Reich war dieses Lied eines der bekanntesten Gesänge der Wehrmacht. 

Es besteht Redebedarf innerhalb der CDU Limburg-Weilburg. Dürfen Vertreter der Jungen Union (JU), darunter der Vorsitzende der JU Limburg, Nils Hofmann, ausgerechnet am 9. November, dem Gedenken an die Pogromnacht vor 80 Jahren, in einer Berliner Kneipe lautstark das bis heute populäre Westerwaldlied singen? Verboten ist das Lied nicht, das mit den Zeilen „Heute wollen wir marschier’n, einen neuen Marsch probier’n“ beginnt. Allerdings wird es, weil es die Wehrmacht in Europa bekannt machte, mit der Zeit des Nationalsozialismus in Verbindung gebracht.

Davon gibt es eine Videoaufnahme und den Vorwurf einer Zeugin des Vorfalls, eine Frau jüdischen Glaubens, die Vertreter der Jungen Union hätten sich vor dem Lied über „Schwuchteln“ lustig gemacht. Der „Tagesspiegel“ in Berlin hat als Erstes über den Vorfall berichtet. Der Kreisgeschäftsführer der CDU Limburg-Weilburg, Tarik Cinar, bezeichnete den Vorfall gegenüber dieser Zeitung als „nicht hinnehmbar“ und kündigte ein zeitnahes Gespräch mit dem Vorsitzenden der JU Limburg, Nils Hofmann, an. Dieser hat sich in einer Stellungnahme geäußert. Demnach wollten die Mitglieder der Reisegruppe einfach ein "Volks- und Wanderlied aus der Heimat" zum Besten geben.

"Als Junge Union bekennen wir uns nicht nur zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, sondern auch zu den Traditionen und der Schönheit unserer Heimat. Das „Westerwaldlied“ ist ein bei uns seit Jahrzehnten etabliertes und beliebtes Volks- und Wanderlied, das bei Kerbegesellschaften und Pfadfindergruppen gesungen wird. Als Hessen fühlen wir uns unseren Traditionen verbunden, darüber hinaus bestand ein großer Teil der Reisegruppe aus gebürtigen Westerwäldern", schreibt Hofmann. Mit dem Text des Liedes gehe keinerlei politische Aussage einher.

Weiter entschuldigt sich Hofmann in der Stellungnahme in Namen der Jungen Union, "wenn wir mit unserem Verhalten und Gesang in der Kneipe „Zur Quelle“ andere Gäste gestört haben sollten". Die anderen Gäste hätten aber nicht darauf hingewiesen, dass sie sich durch Geburtstags- oder Volkslieder gestört gefühlt hätten. Die Gruppe hätte sich gewünscht, dass die anderen Anwesenden das persönliche Gespräch suchen, "statt eine digitale Hetzjagd auszulösen", schreibt Hofmann.  

Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch, der auch Bürger aus dem hessischen Teil des Westerwalds vertritt, äußerte sich heute auf Facebook zu dem Vorfall und verteidigt in erster Linie das gesungene Lied. „Das Westerwald-Lied ist ein Volks- und Wanderlied, das weit über die Grenzen des Westerwaldes sehr beliebt ist. Es ist kein Wehrmachtslied, sondern eine Liebeserklärung an unsere Heimat“, schreibt Willsch, der den kompletten Liedtext zitiert. Anschließend kritisiert er die Berichterstattung im „Tagesspiegel“: Der Autor des Berichts habe „vermutlich ganz bewusst unscharf“ formuliert, weil er versucht habe, das Lied in einen NS-Kontext zu rücken. „Vermutlich will er der Jungen Union nur eins mitgeben. Denn beim Westerwaldlied handelt es sich um ein Lied, das inhaltlich vollkommen unverdächtig ist, dessen Textbausteine in Zeiten vor dem Nationalsozialismus entstanden sind“, schreibt Willsch. „Bei der Bundeswehr stand das Lied nach dem 2. Weltkrieg wegen seiner Verwendung bei der Wehrmacht zunächst auf dem Prüfstand, jedoch erfreute es sich schnell wieder einer hohen Beliebtheit. Der 4/4 Takt eignet sich hervorragend zum Marschieren, hierbei bieten die Pausen eine gute Gelegenheit für Pfiffe oder humoristische Zwischenrufe wie ,Eukalyptusbonbon‘ oder ,Schmeißt den Spieß vom Fahrrad‘“, schreibt Willsch weiter. „Ich werde es mir nicht nehmen lassen, das fröhliche und mitreißende Lied auch zukünftig bei Volks-, Grill- und sonstigen Festen kräftig mitzusingen oder gar anzustimmen.“ Keine Angabe macht Willsch darüber, ob er das Lied auch an einem 9. November singen würde. Zum Vorwurf in dem Artikel, das angeblich schwulenfeindliche Äußerungen gefallen sein sollen, nimmt er ebenfalls keine Stellung.

So reagiert der Vorstandsvorsitzende der Jungen Union Limburg auf den Vorfall

Das „Westerwaldlied“ sei in der heimischen Region noch immer sehr beliebt, sagt auch der Vorsitzende des Sängerkreises Limburg, Gerhard Voss. „Das wird auf jeder Kirmes gesungen“, sagt er. Der Text des Liedes finde sich auch in den meisten Liedheften. Allerdings sei es aus seiner Sicht nicht sehr passend, das Lied am 9. November zu singen. Sollte es tatsächlich zu Beleidigungen gekommen sein („Schwuchteln“), dann gehöre sich das nicht, „auch wenn man was getrunken hat“. Gerade als Gast in einer anderen Stadt sollte man sich besser benehmen. Das Ganze habe einen „faden Beigeschmack“, sagt Voss, der auch SPD-Stadtverordneter in Limburg ist.

Um eine differenzierte Beurteilung des Vorfalls in Berlin bittet der Vorsitzende der CDU Limburg, Stefan Best. Natürlich habe der Vorsitzende der JU Limburg auch eine „Vorbildfunktion“, der um die Bedeutung des 9. November wisse. Gleichwohl könne er sich vorstellen, dass das Lied aus einer gewissen "Bierseligkeit" heraus gesungen wurde und dass der Vorfall von der Berliner Zeitung etwas überbewertet und zu viel reininterpretiert worden sei, ohne das alles entschuldigen zu wollen. Er stelle sich zudem die Frage, ob das gefilmte Video mit Einverständnis der singenden Mitglieder der Jungen Union entstanden sei.

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