Vor ein paar Monaten war noch alles anders: Anja mit ihren Eltern Mathilde und Bernd bei einem Besuch in San Diego. Fotos: Privat
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Vor ein paar Monaten war noch alles anders: Anja mit ihren Eltern Mathilde und Bernd bei einem Besuch in San Diego. Fotos: Privat

Coronavirus-Pandemie

Anja aus Erbach lebt in den USA - die Angst vor dem Coronavirus ist groß

  • vonPetra Hackert
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Seit 15 Jahren lebt und arbeitet Anja Hannappel aus Erbach in Amerika. Seit zwölf Jahren ist San Diego ihre zweite Heimat. Durch Corona steckt sie nun mitten in der Quarantäne. Die Angst vor dem Virus ist groß, sagt sie.

Erbach/San Diego - Ihr runder Geburtstag vor zwei Jahren war ein rauschendes Fest. Ein Foto zeigt fröhliche Leute in festlicher Kleidung. Partylaune, nur strahlende Gesichter. Das Bild vom 16. März 2020: Anja Hannappel bläst eine Kerze auf einem kleinen Kuchen aus. "Happy Birthday Anja", steht auf dem Schild, das der Sohn eines Freundes gemalt und mit einem Herzchen verziert hat. "Quarantine Day 1", schreibt die 42-Jährige zu diesem Bild. Genau an ihrem Geburtstag begann die Corona-Quarantäne. Alles in Kalifornien hat sich geändert.

Anja Hannappel stammt aus Erbach, war früher Mitarbeiterin dieser Zeitung. Ihre Eltern wohnen in Diez. Ende 2005 ist sie nach Amerika gezogen, vor zwölf Jahren nach San Diego. Mittlerweile hat sie auch die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Immer wieder schickt die 42-Jährige Bilder von sonnigen Gegenden. Wasser und Palmen locken nach draußen. Sie arbeitet für KPMG San Diego, seit sechs Jahren im Home Office. Ihr Betrieb gehört zu einem globalen Netzwerk rechtlich selbstständiger und unabhängiger Unternehmen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung. "Seit Mittwoch sind alle Büros in den USA geschlossen", schreibt Anja. Ihr ganzes Leben ist auf den Kopf gestellt. "Hier in Kalifornien ist die Stimmung sehr angespannt. Vor ein paar Tagen sagte der San Diego County Supervisor noch ,Sie können immer noch draußen etwas unternehmen, die Kinder mit in den Park nehmen'."

Seit dem letzten Wochenende seien die Strände geschlossen, ebenso alle Parks und Wanderwege. Zu viele Leute seien draußen gewesen, hieß es. "So, jetzt also kein Spaziergang mehr in den Parks, aber es ist immer noch erlaubt, einen in der unmittelbaren Nachbarschaft zu machen. Was ist, wenn meine Nachbarschaft ein Park ist?", fragt sie. Die Kurznachricht, die sie verschickt, wechselt ins Englische. Das Problem: die Autokorrektur. Es ist kaum möglich, mit einem Finger gutes Deutsch ins Handy zu tippen, wenn das Korrekturprogramm immer wieder die Worte verändert.

Alles wird desinfiziert

Es geht auch so. Gestern Morgen (europäische Zeit) berichtete sie: "Die Nachrichten sind nicht eindeutig. Sehr verstörend. Heute Morgen bin ich um 7 Uhr aufgestanden, um zum Krieg in den Supermarkt zu gehen. Der Kampf ums Toilettenpapier ist real. Als ich nach Hause kam, habe ich meine Kleidung sofort gewechselt." Alles wird desinfiziert. "Die Amerikaner sind da jetzt sehr, sehr vorsichtig. Alles, was eingekauft wird, wird abgewischt, die Kleidung kommt sofort in die Wäsche." Sie macht es auch so. "Egal, wir gehen nur noch zum Einkaufen raus und versuchen, das zu beschränken. Vielleicht ein Spaziergang am Tag. Aber sie könnten das komplett einschränken." Präsident Trump wolle an Ostern die Quarantäne beenden, "weil das so eine schöne Zeit ist". Sie glaubt nicht, dass das realistisch ist.

"Wusstest Du, dass nur die Deutschen die Heimarbeit Home Office nennen? Ihr seid so witzig", merkt sie an. Die Geburtstagsfeier: "Wir wollten eigentlich wegfahren, ein paar Tage oder eine Woche Mexiko oder Miami. Ich war noch nie in Florida! Dann, als es klar wurde, dass Fliegen keine gute Idee ist, dachten wir an Palm Springs, das von hier mit dem Auto nur zwei Stunden entfernt ist. Aber alles wurde auch dort geschlossen, und in einem Hotel bleiben schien plötzlich nicht mehr so eine gute Idee." Alles hat sich verändert, ganz abrupt: "Am Samstag war ich beim Friseur, danach Sekt und ein spontanes Dinner beim Italiener mit meinem Mann Ivo und meiner besten Freundin Jennifer. Dann Sonntag zum Strand. Da schien alles normal. Viele junge Leute waren am Feiern. Wir spielten Pingpong und hatten Drinks. Am nächsten Tag wurden alle Bars geschlossen. Das Wochenende war aber schön. So betrachte ich meinen Geburtstag für dieses Jahr einfach als den 14. März."

Das Coronavirus endlich in den Griff bekommen - daran arbeiten Forscher weltweit. Nun prescht Bosch mit einem Schnelltest auf Covid-19 und das Coronavirus vor.

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