Die fertig eingerichtete Messstelle in Niedertiefenbach liefert Daten über das Grundwasser.
+
Die fertig eingerichtete Messstelle in Niedertiefenbach liefert Daten über das Grundwasser.

Messstelle eingerichtet

Beselich: In 162 Metern Tiefe stößt der Bohrer auf Wasser

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
    schließen

Schaefer Kalk nimmt Messstelle "In der Hengereck" in Betrieb

Niedertiefenbach -Nach mehrwöchigen Bauarbeiten hat Schaefer Kalk eine Grundwassermessstelle auf der Gemarkung "In der Hengereck" zwischen Niedertiefenbach und Eschenau in Betrieb genommen. Die Messstelle soll Daten liefern, um beurteilen zu können, ob der geplante Kalkabbau auf dem Gelände "Hengen Nord" eine Gefahr für die Sauberkeit des Grundwassers und damit auch des Trinkwassers im Tiefbrunnen am Beselicher Kopf darstellen würde. Nur wenn dies ausgeschlossen ist, kann das Unternehmen mit einer Genehmigung des Regierungspräsidiums (RP) Gießen für den geplanten Kalksteinbruch rechnen.

Die ersten Messergebnisse sind ermutigend, wie Geschäftsführer Dr. Kai Schaefer auf Anfrage erklärte. 182 Meter sei das Bohrgerät in die Tiefe getrieben worden, in 162 Metern Tiefe sei es "nass geworden". Der Grundwasserspiegel liege damit sogar unterhalb dem ursprünglich vermuteten Niveau - 115 Meter über Normalnull, wie Schaefer erläuterte. Da in "Hengen Nord" bis zu einer Tiefe von 200 Metern über Normalnull Kalk abgebaut werden soll, sei das Grundwasser mit einer 80 bis 90 Meter dicken Gesteins- und Erdschicht überdeckt, so Schaefer. Nach Einschätzung des Unternehmens ein ausreichend starker Puffer, um eine Verunreinigung des Grundwassers auszuschließen. Allerdings habe sich bei der Bohrung auch gezeigt, dass das Grundwasser nach der Bohrung leicht angestiegen sei. Offenbar stehe es unter einem gewissen Druck, erläuterte Schaefer.

Sonde soll über Jahre Daten liefern

Ob das RP Gießen den Grundwasserverhältnissen, wie erhofft, Unbedenklichkeit bescheinigt, wird nun die weitere Prüfung zeigen. Da laut Kai Schaefer nunmehr sämtliche Antragsunterlagen vorliegen, könne das eigentliche Genehmigungsverfahren beginnen. Die Grundwasserbohrung war vom RP gefordert worden, weil aus Sicht der Behörde das zuvor von Schaefer Kalk eingereichte hydrogeologische Gutachten nicht ausreichte.

Hintergrund der Grundwasserbohrung "in der Hengereck" sind Befürchtungen in der Gemeinde Beselich, dass der geplante Kalkabbau auf "Hengen Nord" das Trinkwasser der Gemeinde Beselich in dem rund anderthalb Kilometer entfernten Tiefbrunnen am Beselicher Kopf verunreinigen könnte. Ein von der Gemeinde beauftragter Gutachter war schon Anfang 2020 zu dem Ergebnis gekommen, dass das Grundwasserniveau des Geländes Hengen Nord nach Starkregen derart ansteigen könnte, dass es dicht an die geplante Talsohle des Kalksteinbruchs heranreichen würde. Dann aber wäre eine Verschmutzung des Grundwassers nicht auszuschließen, so der Gutachter. Der Tiefbrunnen am Beselicher Kopf versorgt die Ortsteile Ober- und Niedertiefenbach mit Trinkwasser.

Rund 300 000 Euro hat sich Schaefer Kalk die von einem Fachunternehmen aus Hessisch Lichtenau errichtete Grundwassermessstation "in der Hengereck" kosten lassen. Eine in das Bohrloch eingelassene Sonde soll von nun an über viele Jahre Messdaten über die Veränderungen des Grundwasserstands liefern - auch dann noch, wenn der Kalkabbau genehmigt werden sollte. Insbesondere, so Kai Schaefer, soll beobachtet werden, wie sich die Höhe des Grundwassers nach Starkregen verändert, aber auch nach längeren Trockenphasen. "Hier ist ein dauerhaftes Monitoring geplant", erklärte der Unternehmer.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare