Mitglieder der BLB-Fraktion mit Anliegern des Tiefenbachs. Im Hintergrund sieht man deutlich die Verlandungen, die den Durchlaufquerschnitt des Bachs verringern.
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Mitglieder der BLB-Fraktion mit Anliegern des Tiefenbachs. Im Hintergrund sieht man deutlich die Verlandungen, die den Durchlaufquerschnitt des Bachs verringern.

Gegen Hochwasser wappnen

Beselich: Mehr tun für den Hochwasserschutz

Bürgerliste sieht Handlungsbedarf

Schupbach/Niedertiefenbach -Nach den Flutkatastrophen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen drängt die Bürgerliste Beselich (BLB) auf ein Hochwasserschutzkonzept für die Gemeinde. In Schupbach und Niedertiefenbach machten sich die Kommunalpolitiker ein Bild von der Situation an Kerkerbach und Tiefenbach.

Die BLB erinnert in diesem Zusammenhang an ihren bereits 2016 gestellten Antrag auf Erstellung eines Hochwasserschutzgutachtens für die Tallage des Tiefenbachs, die südlich von Steinbach beginnt. Aus diesem Gutachten sollten nicht nur Gefahrenpotentiale erkannt, sondern auch dringend notwendige Maßnahmen zum Hochwasserschutz abgeleitet werden. Für Schupbach und Heckholzhausen soll geklärt werden, ob die Verrohrung des Kerkerbaches ausreichend dimensioniert ist und den neuesten Erfordernissen des Klimawandels entspricht.

Die BLB sieht dringenden Handlungsbedarf auch deshalb, weil in den vergangenen fünf Jahren Wohn- und Gewerbegebiete in Beselich erweitert worden und somit zusätzliche versiegelte Flächen entstanden seien. Die BLB befürchtet daher, dass die bisher errichteten Regenrückhaltebecken den seit vielen Jahren angekündigten Klimawandel und seinen Folgen nicht ausreichend berücksichtigen. "Fakt ist, dass es aus den verschiedensten Gründen mehr und mehr langandauernde Starkregenereignisse geben wird", so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Norbert Bandur.

In Schupbach ging es zunächst um die Senke westlich und nördlich des Friedhofes. Hier gab es nach BLB-Angaben schon mehrfach überflutete Gräben und Grundstücke. Deswegen seien dringend Präventivmaßnahmen erforderlich. Laut BLB sollte hier vor Jahren schon einmal ein Regenrückhaltebecken errichtet werden; sogar Finanzmittel seien dafür in den Haushalt eingestellt worden. Umgesetzt wurde das Vorhaben allerdings bisher nicht. Allein das jährliche gründliche Mähen der Gräben wäre eine kleine, wenn auch bei weitem nicht ausreichende Maßnahme zum Schutz vor Hochwasser, meint die BLB.

Verlandungen im Bach verringern Durchfluss

In Niedertiefenbach waren bei dem Starkregenereignis am 4. Juli vor allem das Neubaugebiet Im Neuen Tal, die Westerwaldstraße und die Brückenstraße betroffen. Die Wassermassen, die hauptsächlich aus einem Maisfeld westlich des Wohngebietes kamen, konnten den in die Straße eingebauten Staukanal nur zum Teil erreichen, weil laut Angaben von Norbert Bandur eine Bitumenaufkantung an einer Seite der Baustraße dies verhindert habe. Somit strömte eine braune Schlammflut in die Westerwaldstraße und in die Höfe zweier Anwesen östlich der Straße. Der Tiefenbach trat diesmal nicht über die Ufer.

Eine Entfernung des Bewuchses im beidseitig durch Mauern begrenzten Bachbett innerhalb der Wohnbebauung in Niedertiefenbach kritisierte Bandur als halbherzig, denn die gemähten Pflanzen auf den Verlandungen seien schon wieder nachgewachsen. Die Verlandungen verringerten den Durchflussquerschnitt des Bachs um rund ein Fünftel und müssten nach Meinung der BLB gänzlich entfernt werden.

Die BLB drängt auf ein Hochwasserschutzgutachten und bittet Bürgermeister Michael Franz (parteilos) um Antworten auf die vielen Fragen, die in den vergangenen fünf Jahren entstanden seien. Zum Glück seien die vom Starkregen betroffenen Anwohner diesmal noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Das sei nicht immer so gewesen. So berichtet die Niedertiefenbacher Schulchronik, dass sich im Jahr 1891 von der östlich gelegenen Hanglage eine zwei Meter hohe Flut durch das Dorf bewegte. Auf den Straßen lagen entwurzelt Bäume und sonstiges Treibgut. Todesopfer waren damals zum Glück nicht zu beklagen, aber hohe existenzbedrohende materielle Schäden.

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