Mittendrin: Beselich liegt ganz zentral im Landkreis Limburg-Weilburg und hat gleich sechs Nachbarkommunen.
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Mittendrin: Beselich liegt ganz zentral im Landkreis Limburg-Weilburg und hat gleich sechs Nachbarkommunen.

Gebietsreform

Beselich: Nachts beim Imbiss ging es hoch her

Vor 50 Jahren schlossen sich vier Kommunen zu einer Gemeinde zusammen

Beselich -Zum 31. Dezember 1970 schlossen sich die selbstständigen Gemeinden Obertiefenbach, Schupbach, Niedertiefenbach und Heckholzhausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur Gemeinde Beselich zusammen. Diese Ortschaften gehörten damals dem damaligen Oberlahnkreis mit der Kreisstadt Weilburg an.

Den Gemeinden wurden vom Land Hessen Anreize für einen freiwilligen Zusammenschluss durch Vergünstigungen geschaffen. Eine Zwangszusammenlegung drohte ab dem 1. Juli 1974. Handlungshilfen erfolgten vom damaligen Innenminister Hanns-Heinz Bielefeld. Dies führte dazu, dass für viele freiwillige Grenzänderungen noch der 31.Dezember eines zu Ende gehenden Jahres als Tag der Rechtswirksamkeit bestimmt wurde und nicht der 1. Januar des folgenden Jahres. Diese war in Beselich auch der Fall.

In den Unterlagen des Landratsamtes des Oberlahnkreises wird festgehalten, dass die vier Ortschaften rund um den Beselicher Kopf ihrer geografischen Lage nach ein Viereck bilden, in dem ausreichende Straßenverbindungen bestehen. Diese Gemeindegruppe würde einem Verflechtungsbereich mit Obertiefenbach als Zentralort, der auch die Gemeinden Steinbach und Oberweyer im Kreis Limburg umfasst, entsprechen. Für die Gemeinde Heckholzhausen käme auch eine Zuordnung zur Gemeindegruppe Merenberg wegen des Schulbereichs in Betracht. Eine abschließende Neuordnung des Raumes wird auch die angrenzenden Gemeinden des Landkreises Limburg umfassen müssen, heißt es weiter. Die offiziellen Einwohnerzahlen der Orte zum Jahresende 1969 wurden festgehalten: Obertiefenbach 1988, Schupbach 1107, Niedertiefenbach 820 und Heckholzhausen 703; zusammen 4618 Bürger und Bürgerinnen. Die Gemarkungsflächen betrugen für Obertiefenbach 1225 Hektar, Schupbach 810 ha, Heckholzhausen 570 ha und Niedertiefenbach 545 ha; zusammen ergibt es ein Gebiet von 3150 Hektar.

Mitteilung der Landesregierung

Die Verhandlungen der vier Gemeindegremien mündeten in entsprechende Beschlüsse von drei Gemeindevertretungen am 1. Dezember 1970: Heckholzhausen (8 Ja-Stimmen, 0 Nein-Stimmen, 1Enthaltung), Niedertiefenbach (einstimmig mit 8 Ja-Stimmen) und Obertiefenbach (einstimmig mit 13 Ja-Stimmen). Da in Schupbach noch erhebliche Vorbehalte bestanden, folgten kurzfristig weitere konkrete Verhandlungen mit Informationen der Einwohnerschaft. Schließlich stimmten die neun Schupbacher Gemeindevertreter am 10. Dezember 1970 äußerst knapp für die Zusammenlegungen mit den übrigen Orten mit 5 Ja- und 4 Nein-Stimmen.

Zorn wegen des Namens

Die Hessische Landesregierung teilte am 22. Dezember 1970 - also genau heute vor 50 Jahren - dem Landrat des Oberlahnkreises folgendes mit, dass "mit Wirkung vom 31. Dezember 1970 die Gemeinden Heckholzhausen, Niedertiefenbach, Obertiefenbach und Schupbach im Oberlahnkreis zu einer Gemeinde mit dem Namen .Beselich' zusammengeschlossen" wurden. Die offizielle Urkunde überreichte Landrat Alfred Schneider - wie auch den übrigen kommissarischen Bürgermeistern der neu entstandenen Gemeinden - im "Roten Salon" des Hotels "Lord" in Weilburg auch dem Beselicher Alfred Roth.

Es wurde vom Zorn wegen des Namens der neuen Großgemeinde "Beselich" nach der gemeinsamen letzten Sitzung der Obertiefenbacher Gemeindevertretung und -vorstands zum Jahresende 1970 berichtet. Nach Mitternacht beim Imbiss im Gasthaus "Zur Eintracht" ging es hoch her, denn die Namensgebung der neue Gemeinde Beselich bildete eine Ausnahme im Oberlahnkreis, da alle anderen neugebildeten Großgemeinden den Namen des größten Ortes führten.

Aber bereits wenige Tage später schien der Ärger verflogen, nachdem sich am 7. Januar 1971 die inzwischen bestätigten Staatsbeauftragten zu einem Informationsgespräch trafen, in dessen Verlauf die nächstliegenden Aufgaben für die einzelnen Ortsteile in großen Zügen abgestimmt wurden.

Der Wahlkampf für das neue Beselicher Parlaments begann Anfang März 1971. Es wurden zwei Listen (CDU und SPD) eingereicht. Spitzenkandidat der CDU war der bisherige Vorsitzende der Obertiefenbacher Gemeindevertretung Postamtmann Gerhard Heep. Von Seiten der SPD positionierte sich der Unternehmer Willibald Leber, welcher der jüngere Bruder des zu dieser Zeit amtierenden Bundesverkehrs- und -postminister Georg Leber war.

CDU Sieger der ersten Wahl

Die Wahl fand am Sonntag, dem 28. März 1971 - zeitgleich mit sechs weiteren neugebildeten Kommunen - in den Wahllokalen der vier Ortsteile und per Briefwahl statt. Nach Auszählung der 2790 abgegebenen Stimmen von 3310 Wahlberechtigten ging die CDU deutlich als Sieger dieser Wahl hervor. Die neuen und damit ersten Gemeindevertreter der Gemeinde Beselich sind: Gerhard Heep, Werner Wiegand, Georg Schwarz, Engelbert Neuhof, Heinz Heep, Edmund Heep, Hermann Schmidt, Hermann Klaus und Manfred Geis (alle CDU), sowie Willibald Leber, Waldemar Eller, Reinhold Föhr, Josef Schwarz, Fritz Hammermeister und Theo Geis (alle SPD).

Die neugewählte Gemeindevertretung konstituierte sich am 26. April 1971 in der Obertiefenbacher Mehrzweckhalle. Für die Wahl des Vorsitzenden der Gemeindevertretung lag nur ein Vorschlag der CDU (Gerhard Heep) vor. Alle Gemeindevertreter stimmten in geheimer Wahl für ihn. Die in der Hauptsatzung vorgesehenen acht Beisitzer des ersten Gemeindevorstands wählte die Gemeindevertretung am 10. Mai 1971 in Obertiefenbach: Johann Böckling (1. Beigeordneter, CDU), Otto Zinkant (2. Beigeordneter, SPD), Fritz Kohl, Reinhard Knapp, Rudolf Seelbach, Hans-Georg Kraus (alle CDU), sowie Helmut Kahlig und Karl Bäcker (beide SPD). Die Wahl des Bürgermeisters musste wegen eines Formfehlers auf die nächste Sitzung verschoben werden. Die Bürgermeisterwahl durch die Gemeindevertretung erfolgte schließlich am 21. Mai 1971. Der einzige Kandidat war Alfred Roth, der seit 1963 die Geschicke der ehemaligen Gemeinde Obertiefenbach lenkte. Franz-Josef Sehr

Gerhard Heep
Alfred Schneider

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