Die "Schnecke" haben die Mitarbeiterinnen der "Bärenhöhle" zum 25-jährigen Bestehen der Einrichtung für die dort betreuten Mädchen und Jungen gebastelt.
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Die "Schnecke" haben die Mitarbeiterinnen der "Bärenhöhle" zum 25-jährigen Bestehen der Einrichtung für die dort betreuten Mädchen und Jungen gebastelt.

Kinderkrippe feiert Jubiläum

Beselich: Seit 25 Jahren gut betreut in der "Bärenhöhle"

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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In der Kinderkrippe dürfen die Mädchen und Jungen nach Herzenslust toben

Beselich -15 Mütter, die nach der Geburt ihres Kindes weiter arbeiten gehen wollten, haben vor 25 Jahren die Beselicher Kinderkrippe "Bärenhöhle" ins Leben gerufen - zu einer Zeit, als es alles andere als selbstverständlich war, dass kleine Kinder nicht von Mutter und Vater, sondern von fremden Personen betreut wurden.

Annemarie Lobenhofer, die im Jahr 2006 mit ihrer damals einjährigen Tochter zur "Bärenhöhle" stieß, kann sich noch gut an diese Zeit erinnern. "Kinderkrippen waren damals noch etwas für sogenannte Rabenmütter", erzählt Lobenhofer, die heute als Geschäftsführerin des Trägervereins "Lahn-Kinderkrippen" für 164 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in acht Kinderkrippen und vier Kindertagesstätten verantwortlich ist.

Die "Bärenhöhle", die 1996 in Heckholzhausen ihre Türen öffnete, war erst die zweite Kinderkrippe im Landkreis Limburg-Weilburg überhaupt. Die erste hatte kurz zuvor unter dem Namen "Bimsalasim" im Nachbarort Hadamar eröffnet, ebenfalls aus einer Elterninitiative heraus entstanden.

Ein Jahr zuvor hatten in Beselich berufstätige Frauen den Trägerverein unter dem Namen "Unsere Kinder, unsere Zukunft" gegründet. Betreut wurden in der "Bärenhöhle" Kinder im Alter von einem Jahr bis zum Eintritt in den Kindergarten. Ziel war es, beiden Elternteilen zu ermöglichen, weiter berufstätig zu bleiben. Ohne diese "Selbsthilfe" von Eltern wäre es zur damaligen Zeit kaum möglich gewesen, eine professionelle Kleinkinder-Betreuung auf die Beine zu stellen, schildert Lobenhofer. Denn anders als viele andere europäische Länder steckte die Bundesrepublik bei diesem Thema damals noch in den sprichwörtlichen Kinderschuhen. "Es gab im Kreis Limburg-Weilburg keine anderen Träger für ein solches Projekt", sagt Lobenhofer.

Der Erfolg gab den Initiatorinnen recht, denn das Interesse an der "Bärenhöhle" war riesig und sprengte schon bald die Möglichkeiten des jungen Vereins. Als Annemarie Lobenhofer im Jahr 2005 mit ihrer Familie von Bayern nach Beselich zog und 2006 ihre kleine Tochter in die Kinderbetreuung schickte, verwaltete sie die Warteliste des Vereins. Für die 15 Krippenplätze der "Bärenhöhle" gab es 35 Bewerber, nicht nur aus Beselich, sondern aus dem ganzen Landkreis Limburg-Weilburg, ja sogar aus dem benachbarten Rheinland-Pfalz. Zwischenzeitlich waren die Bärenkinder schon zweimal umgezogen: im Januar 1999 von Heckholzhausen in die Obertiefenbacher Pfarrer-Heyer-Straße, in Räumlichkeiten der Familie Winzer, und im Oktober 2003 in das Caritas-Haus im Auer Weg. Um den Bedarf an Krippenplätzen zu decken, eröffnete die Bärenhöhle im April 2007 eine zweite Gruppe in den Räumen der Kita in Schupbach, die damals nicht vollständig belegt war. Zehn Krippenkinder zusätzlich konnten dort betreut werden.

Gesellschaftliches Umdenken

Aber schon im darauf folgenden Jahr standen die Zeichen auf eine abermalige Erweiterung. Annemarie Lobenhofer war auf einen Zeitungsartikel gestoßen, aus dem hervorging, dass in Elz ein Träger für eine Kinderkrippe gesucht wurde. Es war die Geburtsstunde der Einrichtung "Mary Poppins", die im Jahr 2008 eröffnet wurde. Eigens dafür wurde der Verein "Lahn-Kinderkrippen" gegründet, unter dessen Dach ein Jahr später auch die Beselicher "Bärenhöhle" schlüpfte. Die Elterninitiative "Unsere Kinder, unsere Zukunft" wurde aufgelöst.

Das Thema Kinderbetreuung nahm in dieser Zeit in ganz Deutschland Fahrt auf. Die damalige Bundesregierung brachte 2005 das "Tagesbetreuungsausbaugesetz" auf den Weg, und die Kommunen wurden verpflichtet, Kinderbetreuung vom ersten Lebensjahr anzubieten. Ein gesellschaftliches Umdenken setzte ein: Kinderkrippen waren nicht mehr bloß ein Projekt weniger "Rabenmütter", sondern wurden als Baustein einer modernen, arbeitsteiligen Gesellschaft betrachtet. Das Schlagwort von der "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" machte die Runde.

Im Jahr 2012 hielt die Natur Einzug in die "Bärenhöhle": Eine Waldgruppe wurde als dritte Gruppe der Einrichtung eröffnet - laut Lobenhofer bis heute die einzige Wald-Krippengruppe im Landkreis. Einzige Voraussetzung: "Die Kinder müssen sicher laufen können." Jeden Vormittag gehen seitdem die "Waldbären" in den Wald und kommen erst zum Mittagessen in die Räumlichkeiten der "Bärenhöhle" zurück.

Noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten für ein neues Bärenhaus in der Pfarrer-Heyer-Straße. Denn schon längst war es im Auer Weg viel zu eng geworden. Dort standen den Kindern nur ein Betreuungsraum, eine winzige Küche, ein kleines Hüpfzimmer und ein Schlafzimmer zur Verfügung. Das neue Bärenhaus bot genügend Platz für alle, so dass im Jahr 2014 die Waldbärengruppe im Auer Weg und 2015 die Bärengruppe in Schupbach geschlossen werden konnten. Seitdem sind alle "Bären" unter einem Dach vereint. In der "Bärenhöhle" können nunmehr bis zu 48 Kinder im Alter von sechs Monaten bis zu drei Jahren betreut und gefördert werden.

In den 25 Jahren ihres Bestehens hat sich bei der Kleinkinderbetreuung viel verändert, blickt Annemarie Lobenhofer zurück. Die gesetzlichen Anforderungen, die heute an eine Kinderkrippe gestellt werden - personell, räumlich und von der Ausstattung her - sind deutlich größer geworden als in der Anfangszeit der "Bärenhöhle". "Eine Einrichtung, wie wir sie 1996 hatten, bekämen wir heute gar nicht mehr genehmigt", sagt die Geschäftsführerin, die ihr anfängliches Ehrenamt inzwischen zum Beruf gemacht hat.

Die Ausweitung bei der Kinderbetreuung schlägt sich auch in einer wachsenden Personalknappheit nieder. "Früher bekamen wir noch kistenweise Bewerbungen", erinnert sich Lobenhofer. "Heute stellen wir jeden ein, wenn er oder sie zu uns passt."

Bei aller Veränderung geblieben sei aber der Charakter der "Bärenhöhle" als eine familiäre Einrichtung, in der die Eltern großes persönliches Engagement zeigen. Ein intensiver Austausch zwischen Kita und Eltern sei bis heute üblich, sagt Lobenhofer. Auch werde in der Bärenhöhle bis heute täglich frisch und vegetarisch gekocht. Das allerdings erledigt mittlerweile eine Hauswirtschaftskraft, während in den Anfangsjahren noch viele Mütter das Essen zubereitet hatten. Eine schöne Erinnerung an diese Zeit ist ein Kochbuch, das anlässlich des 20-jährigen Bestehens der "Bärenhöhle" vor fünf Jahren erschienen ist. Darin wurden die Rezepte, nach denen die Eltern ihre "Bärenkinder" bekocht hatten, aufgeschrieben.

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