Outdoor-Trainer Martin Lunz hatte sich für die Ferienspiel-Kinder ein abenteuerliches Programm ausgedacht.
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Outdoor-Trainer Martin Lunz hatte sich für die Ferienspiel-Kinder ein abenteuerliches Programm ausgedacht.

Freizeit

Beselich/Weilburg: Abenteuer-Rallye bei den Ferienspielen

Mutige Kinder balancieren acht Meter über einer Schlucht.

Beselich/Weilburg -"Ich habe Höhenangst, aber die wollte ich besiegen", gesteht die zwölfjährige Neele Zinkant, nachdem sie auf einem Seil 30 Meter über eine etwa acht Meter tiefe Schlucht in einem Waldstück bei Weilburg balanciert ist. "In der Mitte des Seiles war mir so richtig schummrig", erzählt sie. Neele ist eines von insgesamt 18 Kindern im Alter zwischen neun und 13 Jahren, die an einer Abenteuer-Rallye der Beselicher Ferienspiele teilgenommen haben. Die Ausrüstung - Seile, Klettergurte, Helme und Karabinerhaken - hat Outdoor-Trainer Martin Lunz mitgebracht. Er achtet darauf, dass die Kinder ordentlich gesichert über das Seil laufen.

Natürlich geht es um Abenteuer und Adrenalin, aber die Sicherheit hat oberste Priorität. "Ein Glück, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben", entfährt es dem neunjährigen Max Kremer, als er den Karabinerhaken am anderen Ende der Schlucht ausklinkt. "Ich glaube, mein Herz ist ruiniert, ich hatte wirklich Todesangst", setzt er noch einen drauf. Ein Kind nach dem anderen wagt sich auf das Seil, langsam Fuß vor Fuß setzend und sich mit den Händen am oberen Seil sichernd. Immer wieder glückliche, erleichterte Blicke, wenn die Kinder angekommen sind. Es macht ihnen sichtlich Freude. "Es war ganz schön wackelig, außerdem spannend und anstrengend. Ich hatte schon etwas Angst", sagt Jan Philip Rösler (12 Jahre). Ähnlich ging es auch dem dreizehnjährigen Finn Jung.

Eine ganz neue Erfahrung

Die meisten Kinder machen eine derartige Erfahrung zum ersten Mal. Martin Lunz sagt zu seiner Motivation, das mit Kindern zu machen: "Natürlich geht es um Abenteuer, ich möchte ihnen etwas bieten, was sie mit Mama und Papa normalerweise nicht machen." Damit hat Martin Lunz bei Tristan Wagner (10 Jahre) voll ins Schwarze getroffen. "Es war absolut cool, ein ganz tolles Gefühl", schwärmt er. "Ich habe gewusst, dass ich das schaffe, aber die Arme haben mir etwas weh getan". Schon recht routiniert geht Filip Huckwitz (10 Jahre) das Ganze an. "Ich bin schon öfter mal geklettert und habe keine Höhenangst", sagt er.

Mayra Rompel war dagegen ziemlich aufgeregt. "Ich habe so etwas vorher noch nie gemacht. Es war total wackelig, aber es hat gut geklappt." Ähnlich ging es auch der neunjährigen Juliana Fricke. In der Mitte des Seiles rutscht sie ab und landet im Sitz darauf. "Ich habe einen Riesenschreck bekommen, aber dann wurde mir klar, dass ich ja mit Seilen gesichert bin und nicht runterfallen kann", erzählt sie und ergänzt: "Es ist ein bisschen wie Achterbahnfahren. Man hat das Gefühl, dass man gleich wegfliegt. Nach ihr kommenden Kindern hilft sie aus dem Klettergurt. "Ich finde es wichtig, sich gegenseitig zu helfen und nicht jemanden auszulachen, der sich nicht so richtig traut", betont sie.

Jugendpflegerin Christiane Hahnel ist froh, dass sie Martin Lunz für diese Aktion gewinnen konnte. "Wir haben im vergangenen Jahr mit Martin Bogenschießen und Cross-Golf gemacht und wollten den Kindern auch in diesem Jahr etwas Besonderes anbieten. Da hatte Martin die Idee mit dem Balancieren über die Schlucht. Mit dem Verlauf der Ferienspiele ist die Jugendpflegerin sehr zufrieden. "Wir haben mehr Anmeldungen als im Vorjahr. Etwa 150 Kinder nehmen an insgesamt 25 Veranstaltungen teil", freut sie sich. Wegen Corona finden die allermeisten draußen an der frischen Luft statt.

Aus einer für sie neuen Perspektive betrachtet die 16-jährige Chloe Stöhr den Aktionstag. Sie ist als Helferin dabei. "Ich habe schon als Kind oft bei den Ferienspielen mitgemacht", erzählt sie. "Als Christiane mich gefragt hat, ob ich als Betreuerin mitkommen möchte, habe ich sofort ,Ja' gesagt." Nach der Schluchtentour geht es weiter an die Lahn. Auf dem Weg müssen die Kinder ein Rätsel mit Tieren und Zahlen lösen. Dann dürfen sie hinter der Doppel-Schleuse am Weilburger Schiffstunnel in die Fluten steigen und auf die andere Seite zum Jugendzeltplatz schwimmen, wo sie sich ein Picknick mehr als verdient haben. Andreas E. Müller

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