npo_Hirse_Fritz_2020-09-06_
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Das Erinnerungskreuz an Hirse-Fritz mit der Inschrift "1687" steht im Wald bei Obertiefenbach.

Vergessene Plätze

Beselich: Wo vor 333 Jahren der Hirse-Fritz ermordet wurde

Wegelagerer schlugen den Müllergesellen im Heckweger Wald nieder und raubten ihn aus.

Obertiefenbach -In früheren Jahren zogen, besonders an den Sonntagen im Mai, die Eltern und Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln zu dem Kreuz im Wald bei Obertiefenbach. Dort in andächtiger Stille, wurde dann die Geschichte vom Hirse-Fritz erzählt und die Kleinen hörten still und neugierig den Worten der Alten zu.

Man schreibt das Jahr 1687: Der Dreißigjährige und schreckliche Krieg war vor Jahren zu Ende gegangen und nur wenige Leute wohnten in den armen und teilweise verkommenen Dörfern in der hiesigen Heimat.

Das Handwerk blühte wieder auf

Räuberbanden, Wegelagerer und Strauchdiebe machten noch immer die Gegend unsicher und raubten und stahlen, wo immer etwas zu holen war. Trotzdem normalisierte sich das Leben allmählich wieder.

Der Ackerbau und die Viehzucht hatten sich langsamer erholt. Überall blühten das Handwerk und der Handel wieder auf. Der Hirse-Fritz, ein armer lediger Müllergeselle, der in der Hirsemühle im Elbbachtal beschäftigt war, fuhr jede Woche einmal über Hintermeilingen die alte Straße nach Obertiefenbach. Dorthin brachte er schon seit Jahren Mehl, Schrot, geschälte Gerste, gefegte Hirse und gequetschten Hafer. Zurück nahm der dann neue Frucht zum Mahlen mit in die Mühle.

So fuhr der Hirse-Fritz auch an einem Morgen im Mai 1687 mit seinem Fuhrwerk und einem kräftigen Gaul davor durch den Heckweger Wald. Plötzlich stürzten zwei Wegelagerer aus dem Gebüsch, fielen dem Gaul ins Geschirr und hielten den Wagen an.

In panischer Angst sprang der Hirse-Fritz vom Bock und rannte in den Wald. Er kam aber nicht weit. Er wurde von den Räubern eingefangen und mit einem Knüppel zusammengeschlagen. Nachdem sie ihn ausgeraubt und auch die Geldkatze, die er um den Bauch gebunden hatte, abgenommen hatten, ließen sie ihn im Wald liegen.

Der Gaul aber war durchgegangen. Er rannte mit Karacho nach Obertiefenbach. Die Bauern und auch die "geringen Leute" warteten bereits auf den Müllerwagen und erschraken, als der Gaul auf das Dorf zuraste. Sie hielten das Fuhrwerk an und sahen, dass die ganze Ladung unterwegs verloren gegangen und auf dem weiten Weg bis zum Wald verstreut war. Sofort gingen beherzte Männer den Heckweg hinauf und suchten nach dem Hirse-Fritz.

Als sie an die Stelle kamen, wo die Mehlspur zu Ende war und den armen Gesellen noch immer nicht gefunden hatten, suchten sie auch im Wald und fanden ihn ausgeraubt und erschlagen. Aus Stangen bauten sie eine Bahre und trugen den Toten nach Obertiefenbach. Dort legten sie ihn ins alte "Gemaa-Haus" (Gemeindehaus).

Da man in der damaligen Zeit keine Toten ohne Erlaubnis durch andere Dörfer bringen durfte und der Hirse-Fritz keine Angehörigen hatte, wurde er nach drei Tagen in Obertiefenbach auf dem Friedhof nahe der Kirche begraben. Zur Erinnerung errichteten die Obertiefenbacher an der Mordstelle das steinerne Kreuz mit der Inschrift "1687".

Nicht viel Geld dabei gehabt

Noch heute, nach 333 Jahren, wo man kaum noch etwas über die Großen dieser Zeit und über die Bewohner sowie das Aussehen der heimatlichen Dörfer weiß, spricht man über den armen Hirse-Fritz, der so sinnlos sterben musste, da er sicherlich nicht viel Geld bei sich hatte. Denn den Mahllohn erhielt er schließlich erst, wenn er seine Ware abgeliefert hatte.

In den Dörfern der Umgebung hört man heute noch, besonderes bei älteren Leuten, wenn man einen ehrlichen, braven Menschen loben will: "Ein Kerl, wie der Hirse-Fritz!" Von Franz-Josef Sehr

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