Die Trobasept-Geschäftsführer Marco André Beck (links) und Christian Brötz mit Personalleiterin Maria Elmrich.
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Die Trobasept-Geschäftsführer Marco André Beck (links) und Christian Brötz mit Personalleiterin Maria Elmrich.

Event-Leute haben umgesattelt

Den richtigen Riecher in der Pandemie gehabt

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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Die Geschichte der Firma Trobasept in Beselich, die in Corona-Zeiten erfolgreich gegründet wurde.

Beselich -Die Beselicher Firma Trobasept Healthcare hat ihre Existenz einer Motorradtour auf Mallorca zu verdanken, an die sich die Geschäftsführer Christian Brötz und Marco André Beck noch gut erinnern können. Es war im März 2020, als die Corona-Pandemie Fahrt aufnahm und die ersten Lockdown-Maßnahmen angekündigt wurden. Beunruhigend für Marco André Beck und Christian Brötz, die bis dahin beide erfolgreich in der Event-Branche arbeiteten - Brötz als Geschäftsführer der BSS-Gruppe in Beselich, Beck als Chef der Limburger Firma Belution. "Damals wurden nach und nach unsere Aufträge abgesagt", erzählt Beck. "Abends haben wir kreidebleich am Essenstisch gesessen und uns Gedanken gemacht, welches Gut in der Pandemie knapp werden könnte."

Die Antwort war schnell gefunden, erzählen Beck und Brötz: Desinfektionsmittel. Zugute kam den beiden, dass sie über ein weit verzweigtes, in ihren Augen "geniales" Netzwerk verfügen, in dem sich unter anderem auch Apotheker und Chemiker fanden; das kaufmännische Know-how steuerten die beiden Freunde seit Jugendtagen selbst bei. "In halb Europa kauften wir Industriealkohol und Flaschen ein", erzählen sie. Der befreundete Apotheker aus dem Westerwald entwickelte eine Rezeptur für ein Desinfektionsmittel, das schon bald unter dem Kunstbegriff "Trobasept" auf den Markt kam. Schnell war auch eine Produktionsstätte gefunden, in der die notwendigen Mengen hergestellt werden konnten. "Plötzlich waren wir in der Lage, Zehntausende Liter Desinfektionsmittel zu liefern", sagt Beck, der sich noch heute wundert, wie rasend schnell damals alles ablief.

Aus Leuten, die in der Event-Branche tätig waren und plötzlich vor dem beruflichen Nichts zu stehen drohten, waren mit einem Schlag erfolgreiche Lieferanten von Hygieneartikeln geworden. "Als Event-Leute", sagt Beck, "sind wir gewohnt, schnell und flexibel zu reagieren. Flexibilität ist sozusagen unser zweiter Vorname. Da haben wir ganz schnell PS auf die Straße gebracht."

Desinfektionsmittel

war nur der Anfang

Es blieb nicht beim Desinfektionsmittel. Es folgten Einmalhandschuhe, Schutzmasken, Trennschutzwände - und schließlich Sars-Cov-2-Tests. Alles Mangelware zu Beginn der Pandemie, entsprechend hoch war die Nachfrage und das Wachstum rasant. Als dritten Partner holten sich Beck und Brötz von Anfang an Markus Schlimm ins Boot, ein weiterer Geschäftsführer in der BSS-Gruppe. Sie zusammen bilden bis heute das Herzstück von Trobasept - ein Unternehmen, das allerdings erst seit September 2020 offiziell existiert. Die Firmengründung, erinnert sich Schlimm, konnte mit der Geschäftsentwicklung schlicht nicht Schritt halten, wir mussten den Vertrieb zunächst über BSS abbilden.

Im Sommer des vergangenen Jahres stieg das Unternehmen in das Geschäft mit Testzentren ein. Beck baute am Flughafen Frankfurt das bis dahin größte PCR-Testcenter auf - weltweit, hier zunächst nur die Infrastruktur. Es folgte die Weiterentwicklung in weiteren Testzentren an deutschen Flughäfen. Und schließlich seit dem Spätsommer betreibt Trobasept eigene Testzentren, auch für den Landkreis Limburg-Weilburg. Im März dieses Jahres stieg Trobasept in das Geschäft mit Bürgertestzentren ein, die es in den Landkreisen Limburg-Weilburg, Rheingau-Taunus, Westerwald und der Stadt Wiesbaden mit zusammen mehreren tausend Tests täglich betreibt. "In nur acht Wochen haben wir 16 Testzentren aus dem Boden gestampft, zuletzt am St.-Vincenz-Krankenhaus in Limburg", berichtet Beck. "Gerade das Zentrum am Krankenhaus war eine tolle Bestätigung für unsere Arbeit." Und Christian Brötz ergänzt: "Viele Städte und Landkreise kamen in einer Notsituation auf uns zu und baten um Hilfe."

Ihren Ruf als verlässliche Lieferanten von Equipment und Dienstleistungen rund um das Coronavirus haben sich die Beselicher Trobaseptler freilich hart erarbeitet. "Wir nehmen das Thema Hygiene sehr ernst", sagt Beck. "Beispielsweise führen wir die Antigen-Schnelltests auf demselben Hygieneniveau durch wie die aufwendigeren PCR-Tests." Das bedeute: Schutzanzüge und medizinische Schulungen fürs Personal, konsequentes Abstandhalten und Errichtung einer Einbahnstraße in den Testzentren. "Dieses Niveau", so Beck, "ist in der Branche nicht selbstverständlich."

Kostendeckend sind

Tests so nicht möglich

Ein Perfektionismus, der aber seinen Preis hat und dazu führt, dass Trobasept einige Testzentren zum 30. Juni wieder schließen muss. Der Grund: Das Bundesgesundheitsministerium hat nach den Abrechnungsbetrügereien, von denen sich Beck, Brötz und Schlimm "deutlich distanzieren", angeordnet, dass pro Test nur noch acht statt bisher zwölf Euro für die Dienstleistung und 3,50 statt bisher sechs Euro für den Schnelltest bezahlt werden sollen. "Damit können wir fast nicht mehr kostendeckend arbeiten", sagt Schlimm. Auch die bisher angebotene Apothekenqualität bei den Testkits lasse sich für diesen Preis nicht mehr aufrechterhalten. Außerdem sei wegen der sehr guten Inzidenzwerte derzeit einen deutlicher Rückgang der Nachfrage festzustellen.

Für einen größeren Teil der 260 Angestellten von Trobasept heißt es daher wohl Abschied nehmen von einem Unternehmen, das ihnen während der Pandemie eine vorübergehende Heimat war. "Wir beschäftigen viele Menschen, die sonst zu Hause sitzen würden", berichten Beck und Brötz. Dazu gehören Leute aus der Event-Branche ebenso wie aus der Gastronomie, Reiseunternehmen oder auch Stewardessen, zum Teil von der Lufthansa. Auch medizinische Fachkräfte aus chirurgischen Praxen und Zahnarztpraxen, die während der Pandemie wenig zu tun hatten, fanden den Weg in das Beselicher Unternehmen. "Alle wissen, dass die Trobasept Testzentren nur ein temporäres Projekt sind, solange die Pandemie dauert und sie hinterher wieder in ihre alten Berufe zurückkehren", erläutert Beck.

Unternehmen soll

am Markt bleiben

Sterben soll Trobasept gleichwohl nicht, versichern die Unternehmer. Um auch in Zukunft in Sachen Hygiene am Markt bleiben zu können, haben sie sich den Namen Trobasept europaweit schützen lassen. "Wir sehen in der Marke großes Potenzial", sagen sie. Zwar gehen sie derzeit davon aus, dass sie die den Zenit ihres Schaffens bei der Pandemiebekämpfung erreicht oder schon überschritten haben, doch wer könne schon sagen, "wohin die Pandemie uns noch hinträgt - viele Experten warnen bereits vor einer vierten Welle im Herbst". Christian Brötz ist überzeugt: "Die Sensibilität für Hygiene, die wird bleiben."

Eine Einstellung, die vor allem bei den wieder bevorstehenden Großveranstaltungen eine Rolle spielen werde. "Die Veranstalter brauchen Desinfektionsmittel, Testungen und müssen den Impfstatus kontrollieren", sagt Schlimm. Deshalb sei Trobasept derzeit damit beschäftigt, für Veranstalter ein passendes "Tool" zu entwickeln, das eine pandemiekonforme Abwicklung des Einlasses erlaubt. "Wir wollen das Bewerten, die Abwicklung und das Testen massentauglich machen", sagt Beck.

Rückblickend betrachtet, hatten die Trobasept-Chefs den "richtigen Riecher", wie sie sagen. Doch haben sie ihren Erfolg mit einem "unglaublichen finanziellen Risiko" bewerkstelligt. Vor allem bei der Maskenbeschaffung aus China haben sie "Blut und Wasser geschwitzt", ob alles glatt geht. "Das alles haben wir so gut wie ohne Kurzarbeit und ohne Staatshilfe zu erhalten geschafft", sagt Beck. Dennoch seien sie innerhalb der Event-Branche zum Teil "hart angegriffen worden", weil sie sich an der Pandemie angeblich bereichert hätten. Das sehen die Trobasept-Manager etwas anders: "Wir haben in einer schwierigen Situation geholfen", sagen Brötz und Beck. Und: "Wir werden unbeschadet aus der Pandemie herauskommen."

Heute gehört Trobasept zu den großen Testzentrumsbetreibern in Deutschland. Dennoch freuen sich Beck und Brötz, dass sie hoffentlich schon bald wieder große Events ausrüsten können. "Zurzeit läuft das noch auf kleiner Flamme." Bevor es aber wieder richtig losgeht, wollen sie in diesem Sommer eine Tradition aufgreifen, die sie vor lauter Arbeit und wegen der Pandemie zuletzt ruhen lassen mussten: "Wir machen zusammen eine Motorradtour auf Mallorca."

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